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Ehefrau verschwunden
Daniel B. droht zweites Jahr Haft

Kreuzfahrt ins Pech: Mit der MSC Magnifica war das Ehepaar mit den Kindern im Mittelmeer unterwegs. Die 38-jährige Xing Lei Li hat den Zielhafen in Rom nie erreicht. Bis heute ist sie verschollen.
Kreuzfahrt ins Pech: Mit der MSC Magnifica war das Ehepaar mit den Kindern im Mittelmeer unterwegs. Die 38-jährige Xing Lei Li hat den Zielhafen in Rom nie erreicht. Bis heute ist sie verschollen. © Foto: MSC-Kreuzfahrten
Andreas Wendt / 31.01.2018, 18:49 Uhr - Aktualisiert 01.02.2018, 10:59
Eberswalde (MOZ) Dem gebürtigen Eberswalder Daniel B. (45) drohen weitere zwölf Monate Haft in Rom. Dem Mann wird vorgeworfen, im Februar vergangenen Jahres bei einer Kreuzfahrt seine Frau an Bord ermordet und ihre Leiche auf hoher See entsorgt zu haben. Von Xing Lei Li fehlt seit der Kreuzfahrt jede Spur.

Fast ein Jahr sitzt der 45-Jährige, in Eberswalde (Barnim) geborene Daniel B. nun schon im berüchtigten italienischen Regina-Coeli-Gefängnis, nachdem er am 20. Februar vergangenen Jahres am Flughafen in Rom von der Polizei festgenommen wurde. Nun droht dem Computerprogrammierer ein weiteres Jahr hinter Gittern. Die Staatsanwaltschaft hat vor wenigen Tagen diesen Antrag gestellt, weil Daniel B. nach italienischem Recht ohne formelle Anklage oder ein Gerichtsverfahren nicht länger als ein Jahr festgehalten werden kann.

„Noch haben die Richter nicht darüber entschieden“, sagt sein Verteidiger, der italienische Anwalt Luigi Conti am Mittwoch dieser Zeitung. Er erwarte innerhalb der nächsten Woche eine Entscheidung und führt den Antrag der Staatsanwaltschaft auch auf die schlechte Kooperation der italienischen und irischen Behörden zurück. „Aus diesem Grund wurde eine Verlängerung der Untersuchungen in Irland beantragt“, sagt Conti.

In Irland lebte Daniel B. mit seiner Frau Xing Lei Li und zwei Kindern bis zur Mittelmeerkreuzfahrt vor gut einem Jahr mit der MSC Maginfica. Doch schon am 10. Februar, dem zweiten Tag der insgesamt zehntägigen Kreuzfahrt, verliert sich die Spur der kleingewachsenen Chinesin. Die 38-Jährige wird an jenem Abend im Restaurant letztmalig von Angestellten an Bord gesehen. Erst als bei der Ankunft in Rom der Reederei auffällt, dass ein Passagier nicht ausgecheckt hat, werden die Behörden auf Daniel B. aufmerksam. Der beteuert bis heute seine Unschuld und vermutet, dass seine Frau bei einem Landausflug auf der griechischen Insel Katakolon freiwillig das Schiff verlassen habe. „Ich habe meine Frau nicht getötet. Ich hatte nichts mit ihrem Verschwinden zu tun. Ich habe keine Ahnung, wo sie ist“, lässt der Barnimer über seinen italienischen Anwalt verkünden. Sie sei stets frei gewesen zu tun, was sie wollte.

Die italienischen Behörden sehen das anders. Sie halten es für möglich, dass Daniel B. seine Ehefrau getötet, in der Doppelkabine auf Deck 11 des Schiffes in den Koffer gesteckt und diesen samt Inhalt im Schutze der Dunkelheit und beim Lärm der Schiffsmotoren unbehelligt über Bord geworfen hat. Als Indiz dafür ziehen sie Zeugenaussagen beim einzigen gemeinsamen Landausflug in Genua heran, bei dem es zum Streit gekommen sein soll und Daniel B. seiner Frau Sandalen vor die Füße warf.

Als im März vergangenen Jahres im Hafen von Rimini Polizisten einen Koffer mit menschlichen Überresten aus dem Wasser ziehen, liegt der Verdacht nahe, sie könnten zu Xing Lei Li gehören. Doch schnell stellt sich heraus, dass es sich bei der Toten um das an Magersucht leidende, russische Modell Katerina Laktionova handelte, das mit 27 Jahren in Italien an Unterernährung gestorben und von ihrer trauernden Mutter im Koffer ins Meer geworfen worden war.

Die Ermittler in Italien und Irland suchen derweil seit fast einem Jahr nach Beweisen – vor allem der Leiche. Während Daniel B., glaubt man seinem Anwalt Conti, den Prozess herbeisehnt. „Ich bin jetzt seit fast einem Jahr im Gefängnis. Ich will nur, dass der Fall vor Gericht kommt, damit ich meine Unschuld beweisen kann“, sagte er im Dezember der irischen Zeitung „Irish Sun“. Ihm gehe es darum, seine Kinder wiederzusehen. Die sind nach Aussagen seines Anwalts wieder in Dublin und werden dort von der Mutter der vermissten Xing Lei Li betreut. Wie Luigi Conti am Mittwoch betont, hätten Daniel B. und seine chinesische Schwiegermutter einen sehr engen Kontakt. Sie habe ihn mehrmals im Gefängnis besucht und unterstütze ihn auch finanziell. „Würde sie das tun, wenn sie ihn verdächtigte, ihre Tochter getötet zu haben?“, fragt Conti. Sein Mandant sei müde und gestresst, aber unschuldig.

In einer Woche wird feststehen, ob Daniel B. ein weiteres Jahr in römischer Haft bleiben muss. Emanuela Carucci, aus dem Anwaltsteam von Daniel B., sagte der „Irish Sun“: „Wenn man bedenkt, dass es sich um eine Morduntersuchung handelt, wird der Richter höchstwahrscheinlich dem Antrag stattgeben, dass er für ein weiteres Jahr im Gefängnis bleiben könnte.“

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