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Landratskandidaten treffen auf Einladung der Barnimer Grünen im Kulturbahnhof Biesenthal aufeinander

Wunsch nach mehr Wumms

Marco Marschall / 01.02.2018, 06:40 Uhr
Biesenthal (MOZ) Am 22.April wählen die Barnimer einen neuen Landrat. Drei Kandidaten stehen bereits fest. Sie wollte der Kreisverband der Grünen am Dienstag im Kulturbahnhof besser kennenlernen - der erste Schlagabtausch der Bewerber.

Für die Barnimer Grünen blieb die Debatte im Kulturbahnhof offenbar ohne Sieger. Othmar Nickel (CDU), Daniel Kurth (SPD) und Mark Matthies (Bürgerfraktion Barnim/Freie Wähler) hatten zuvor zwei Stunden lang ihre Ambitionen fürs Landratsamt dargelegt. Anschließend zogen sich die Grünen-Mitglieder zur Diskussion unter Ausschluss der Öffentlichkeit zurück. Dass sie sich im stillen Kämmerlein auf einen der drei festlegen und dessen Kandidatur unterstützen, hielt Stefan Böhmer, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Kreistag, am Dienstagabend für unwahrscheinlich. Weniger unwahrscheinlich sei hingegen, dass seine Partei noch einen eigenen Kandidaten ins Rennen schickt. Bis 15. Februar wäre das möglich.

Was dem Chef der Grünen Kreistagsfraktion bei den bisherigen Bewerbern fehlt? "Ein bisschen mehr Wumms", so Böhmer, der nach Ende des Schlagabtauschs seine Enttäuschung darüber zum Ausdruck brachte, dass so wenig grüne Themen auf den Tisch kamen. "Wir haben eine Untere Naturschutzbehörde, die ihren Namen nicht verdient", teilte er in Richtung der Kreisverwaltung aus und brachte diverse aus seiner Sicht ungerechtfertigte Baumfällungen ins Gespräch.

Kritik, auf die Kurth, Nickel und Matthies nicht mehr reagieren durften. Themen und Fragen wurden am Abend durchs Publikum im Kulturbahnhof bestimmt. Und das brachte zunächst die Integration von Flüchtlingen aufs Tableau. Eine Frage, bei der sich zumindest zwischen dem 56-jährigen Bernauer Othmar Nickel und dem 44-jährigen Daniel Kurth Unterschiede auftaten. Kurth verteidigte das Handeln der Bundesregierung bei der Aufnahme der Flüchtlinge 2015. "Ich bin der festen Überzeugung, dass es richtig war, den Leuten zu helfen", sagte der Eberswalder und hob bei allen Defiziten auch die bisher erbrachte Integrationsleistung hervor. "Eine Situation wie 2015 darf nie wieder passieren", so Nickel hingegen. Sie habe Deutschland an den Rand großer Probleme gebracht. Der 43-jährige Bundespolizist Mark Matthies verwies auf die Rolle des Landrats als Seismograf, der bei Bund und Land auf Defizite aufmerksam machen müsse.

Dass Landrat Bodo Ihrke nun nach langer Amtszeit geht, hält der Ahrensfelder für richtig. "Nach 28 Jahren ist das Feuer auch irgendwann aus", so Matthies. Als Problem sieht er wie auch Daniel Kurth die ungleiche Entwicklung im Landkreis, was Kurth, der seit 2014 für die SPD im Landtag sitzt, aber nicht seinem Partei-Genossen Ihrke zuschiebt. Genauso wenig den Zerfall großer Barnimer Wirtschaftsbetriebe nach der Wende. Wenn man Bodo Ihrke überhaupt etwas vorwerfen könne, dann vielleicht nicht immer die Herzen der Menschen erreicht, sich ihnen emotional nicht zugewendet zu haben, so Kurth vorsichtig auf die Frage, was sein möglicher Vorgänger hätte besser machen können.

Skeptisch über das Interesse der Menschen am Amt des Landrats zeigte sich Schuldirektor Othmar Nickel zu Beginn der Debatte. "50 Prozent der Leute wissen nicht, was ein Landrat macht", so Nickel. Das ziehe sich durch alle Personengruppen und sei aus seiner Sicht verheerend. "Ich höre den Leuten zu und schaue ihnen aufs Maul", so der CDU-Kandidat, der den Barnimern mit regelmäßigen Bürgersprechstunden nah bleiben will.

Größeres Interesse am Landkreis gab es zumindest als dieser noch eine Ehe mit der Uckermark eingehen sollte. "Das Beste an der Kreisreform ist, dass sie nicht gekommen ist", so Othmar Nickel dazu. Auch sein Kontrahent Mark Matthies ist froh darüber. Er sieht die Uckermark als Entwicklungshemmer für den Barnim. "Zu viel Geld wäre gen Norden geflossen", sagte er. Daniel Kurth, als SPD-Landtagsabgeordneter und Verfechter der Reform, argumentierte, sich letztlich dem Willen des Bürgers gebeugt zu haben. Gegen diesen zu regieren sei nicht richtig. Das habe er 1989 gelernt.

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