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Tierfreunde
Offene Augen, helfende Hände

Stets im Einsatz: Manfred Linow. Er hat sich, genauso wie die Tierärztin Birgit Heßler, Waltraud Linow und weiteren, leider viel zu wenigen Menschen, dem Tierschutz verschrieben.
Stets im Einsatz: Manfred Linow. Er hat sich, genauso wie die Tierärztin Birgit Heßler, Waltraud Linow und weiteren, leider viel zu wenigen Menschen, dem Tierschutz verschrieben. © Foto: MZV
Juliane Keiner / 01.02.2018, 12:21 Uhr
Bad Belzig (BRAWO) "Können Sie mal da hinschauen, da sind ganz viele Katzen und die sehen nicht gesund aus!" So oder ähnlich lauten die Anrufe, die bei den Tierfreunden im Fläming in der Regel eingehen.

Schon zwei Jahre unkontrolliertes Vermehren und Verwildern reicht aus, um in unzählige, hungrige, oft auch kranke Katzengesichter zu blicken. Der gute Wille katzenlieber Menschen, der Situation gerecht zu werden und zu füttern, ist dann nicht mehr ausreichend. "Die Tiere müssen auch medizinisch versorgt werden, sind oft massiv verwurmt, haben Ektoparasiten und chronische Erkrankungen wie zum Beispiel Katzenschnupfen", weiß Tierärztin und Vereinsvorsitzende Birgit Heßler zu berichten. Die wichtigste Maßnahme ist und bleibt die Kastration, um eine weitere Verelendung der Tiere zu stoppen.

Und dann geht es los! Oft in den frühen Morgenstunden, gern auch mal an Sonn- und Feiertagen. Die Fallen werden ins Auto gepackt und vor Ort an den richtigen Stellen positioniert. Das "Geschäft" eines Katzenfängers erfordert viel Zeit und Geduld und ist nicht immer einfach. Häufig braucht es mehrere Anläufe, die Tiere sind zwar hungrig aber auch sehr vorsichtig, was für ihr Überleben wichtig ist. Sind die Fallen besetzt, werden sie schnell abgedeckt, um den Stress für die Tiere zu minimieren. Noch am selben Tag erfolgt die Kastration und nach einem Tag Überwachung geht es an die Futterstellen zurück.

Vor einem Jahr wurde das Paderborner Modell für die Stadt Bad Belzig beschlossen. Das bedeutet Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für alle Freigängerkatzen. "Ist deshalb die Arbeit unseres Vereins weniger geworden? Ganz sicher nicht und das hatten wir auch nicht erwartet."

2017 haben die aktiven Mitglieder in mehr als 26 Ortschaften von Feldheim bis Hohenlobbese über 100 Katzen und über 80 Kater eingefangen und kastriert. Das sind mehr als doppelt so viele wie 2016. "Wir wünschen uns das Paderborner Modell auch für die umliegenden Gemeinden. In der Gemeindevertretersitzung in Wiesenburg wurde der Vorschlag bereits gemacht und ein Entwurf darüber ist in Arbeit. Das Einfangen der verwilderten Hauskatzen erfolgt ganz oft an Futterstellen, die tierliebe Menschen eingerichtet haben", so Heßler weiter.

Der Tierschutzverein "Gnadenhof Samtschnute", mit dem die Tierfreunde eng zusammen arbeiten, unterstützt derzeit Futterstellen in sieben Orten, an denen ungefähr 85 Tiere gefüttert werden, die Tierfreunde Fläming unterstützten vier Futterstellen mit etwa 20 Katzen.

Diese beiden Projekte, Fütterung und medizinische Versorgung, brauchen jede Hilfe! Sei es aktive Mitarbeit oder Futterspenden oder finanzielle Unterstützung. "Wir sind dankbar für jeden Mitmenschen, der auch sein Herz für die wilden Heimlichen nicht verschließt." Entlastung gab es bei der Betreuung von ungefähr 20 Tieren an zwei Futterstellen im Amt Niemegk. Diese wurden von einer kleinen, privaten Initiative der "Fellnasenhilfe" übernommen die hauptsächlich bedürftige Katzenhalter unterstützt. Die Tierfreunde hoffen für die Zukunft auf gute Zusammenarbeit.

Erstmalig erhielt der Verein im Jahr 2017 auch finanzielle Unterstützung von den Gemeinden Bad Belzig, Wiesenburg und Niemegk. "Darüber haben wir uns sehr gefreut, bedeutet es doch auch Anerkennung für die Arbeit, die unser Verein leistet, um der Verelendung von unkastrierten, verwilderten Katzen entgegenzuwirken", so Manfred Linow, stellvertretender Vorsitzender.

Birgit Heßler: "Häufig werden wir gebeten, alle Tiere einzufangen und mitzunehmen, was wir leider immer wieder ablehnen müssen. Die Tiere sind wild und ein Leben in Gefangenschaft ist für sie ein unzumutbarer Stress. Für die kleinen ungewollten Katzenbabys allerdings gibt es Hoffnung. Sie werden eingefangen und in unseren Pflegestellen gezähmt, versorgt und gesund gepflegt und können schließlich in ein neues Zuhause vermittelt werden." 2017 waren das 50 Katzen und Kater. Zwei Kater und eine Katze, die im letzten Jahr geboren wurden suchen noch ein gutes Zuhause wie auch ein zehnjähriger Kater. Drei Kater konnten nicht mehr gezähmt werden. Sie fanden ein dauerhaftes Zuhause auf dem "Gnadenhof Samtschnute".

Für das noch frische Jahr 2018 wünschen sich die Mitglieder des Vereins Tierfreunde im Fläming mehr aktive Mithilfe und sei es nur durch offene Augen und Herzen für die Straßenkatzen im Fläming.

Die guten Vorsätze sind die Eröffnung zweier Spendenfonds, um weitere Kastrationsprojekte zu finanzieren und das Erstellen eines "Leitfadens" über das Betreiben von Futterstellen, um damit mehr Akzeptanz zu erreichen, denn nur wo richtig gefüttert wird, kann erfolgreich kastriert werden.

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