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Garzer Ortsvorsteher Thomas Voigt über Bürgerbegehren erstaunt / Er zweifelt an der Amtsdirektorin

Ortsvorsteher Thomas Voigt verteidigt sich

Bierglasschieben beim Garzer Dorffest: Ortsvorsteher Thomas Voigt, der auch Bürgermeister von Temnitztal und Vorsitzender des Amtsausschusses ist, steht derzeit heftig in der Kritik. An erster Stelle seines Handelns steht das Gemeinwohl, sagt er.
Bierglasschieben beim Garzer Dorffest: Ortsvorsteher Thomas Voigt, der auch Bürgermeister von Temnitztal und Vorsitzender des Amtsausschusses ist, steht derzeit heftig in der Kritik. An erster Stelle seines Handelns steht das Gemeinwohl, sagt er. © Foto: Inez Bandoly
Markus Kluge / 02.02.2018, 18:33 Uhr
Garz (RA) "Manchmal frage ich mich, was ich die ganze Zeit überhaupt gemacht habe", sagt Thomas Voigt, Ortsvorsteher von Garz. Etwa 60 Einwohner seines Dorfes wollen per Bürgerbegehren seine Abwahl herbeiführen. Der 60-Jährige vermutet dahinter eine persönliche Intrige - sieht es aber dennoch gelassen. Für seine Abstimmung im Amtsausschuss gebe es zudem viele Gründe.

Dass in seinem Dorf nun ein Bürgerbegehren gegen ihn läuft, hat Voigt mit Erstaunen zur Kenntnis genommen. Laut Voigt sei die Bürgerversammlung in einer "Bierlaune bei einem Kartenabend" entstanden. "Ich hatte jedenfalls keine Einladung zu einer Bürgerversammlung", sagte Voigt am Freitag. Wie Dirk-Michael Schulz vom RGV Temnitz sagte, gab es am vergangenen Sonnabend zwar den Kartenabend. Aber bereits im Vorfeld und bei diesem Treffen sei von vielen Garzern gefordert worden, dass sich im Dorf etwas ändern muss. "Daraufhin kamen am Montag gut 30 Leute ins Gemeindehaus", erklärte Schulz.

Dass Voigt nun von Vereinen vorgeworfen wird, dass er sich nicht mehr für die Belange von Garz einsetze, möchte er so nicht stehen lassen. Alleine um das jüngste Dorffest mit auf die Beine zu stellen, habe er sich eine Woche Urlaub genommen. "Und es ist wunderschön geworden", so Voigt. Auch für andere Themen sei er jederzeit ansprechbar. Dass ihm, der seit mehr als 20 Jahren Bürgermeister ist, jetzt Untätigkeit vorgeworfen wird, "finde ich verwerflich". Dass gegen ihn aus dem Nichts heraus ein Bürgerbegehren läuft, "entspricht nicht meinem Demokratieverständnis".

In Garz sitzt bei vielen Einwohner der Frust aber nicht nur wegen der ihm vorgeworfenen mangelhaften Arbeit als Ortsvorsteher tief. Sie fühlen sich von Voigt, der auch Vorsitzender des Amtsausschusses ist, nicht richtig vertreten, da er gegen die Wiederwahl von Amtsdirektorin Susanne Dorn - die ebenfalls im Dorf lebt - gestimmt hat. Ausschussmitglieder werfen ihm als Vorsitzenden zudem vor, dass er wichtige klärende Gespräche im Vorfeld der Personalentscheidung verweigert habe. Voigt vermutet deshalb, dass die Initiatoren des Bürgerbegehrens aus dem familiären Umfeld der Amtsdirektorin kommen und er deshalb "durch das Dorf getrieben wird". Dem widerspricht Schulz: "Vor allem die älteren Garzer sind auf mich zugekommen. Voigt sieht einer möglichen Abwahl gelassen entgegen: "Dann haben meine Frau und ich viel mehr Zeit für die Familie."

Was seine Arbeit im Amtsausschuss betrifft, teilte Voigt mit, dass er 2016,2017 und 2018 gegen den Haushalt gestimmt habe, da seit 2011 keine Jahresabschlüsse mehr vorliegen. "Immer wieder wies ich darauf hin, wurde aber immer abgewiesen", so Voigt, der sich in diesem Punkt auch ein Machtwort von der Kommunalaufsicht gewünscht hätte.

Die fehlende Abstimmung im Vorfeld der Personalentscheidung begründet Voigt damit, dass er ein Treffen des Amtsausschusses ohne Amtsdirektorin vorbereiten wollte. Dieses habe die Verwaltung so aber nicht organisieren wollen, was er dann alleine für den 4. Januar übernehmen musste. "Bei dieser Besprechung kam heraus, dass Frau Dorn bereits vorher mit allen Amtsausschussmitgliedern Einzelgespräche geführte hatte, außer mit Herrn Fülster und meiner Person", so Voigt. Danach habe er keinen Grund mehr für ein Gespräch in großer Runde mit der Amtsdirektorin gesehen.

Gegen die Verlängerung von Dorns Amtszeit habe er letztlich gestimmt, weil "sie Vereine beschimpft, Zuschüsse bescheuert findet, Jahresabschlüsse nicht zu Stande bringt, Protokolle von Gemeinderatssitzungen verzögert und inhaltlich verändert sowie Beschlüsse nicht umsetzt, Gemeinderatssitzungen bei unangenehmen Fragen verlässt und Amtspersonal bis zur Selbstaufgabe einschüchtert". Voigt habe deshalb Zweifel " an der Fähigkeit dieser Person, weiterhin die Geschicke des Amtes für acht Jahre zu leiten". Weitere Details nannte er aber nicht.

Voigt betont, dass Dorn nach dem jüngsten Votum nun die Möglichkeit hat, sich neu zu bewerben. "Wenn sie so gut ist, wie manche behaupten, dann wird sie auch wiedergewählt. Jeder hauptamtliche Bürgermeister wird nach acht Jahren neu gewählt. Das ist Demokratie, was offenbar manche noch nicht begriffen haben", so der Temnitztaler. Er sei von den Bürgern und den Amtsausschussmitgliedern einst gewählt worden, "weil ich geradeaus denke und mich nicht verbiegen lasse. Immer steht das Gemeinwohl in meinen Ehrenämtern an erster Stelle meines Handelns."

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