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Wolf darf leichter getötet werden

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD)
Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) © Foto: dpa
Thomas Block / 06.02.2018, 07:45 Uhr
Berlin (MOZ) Die Pressekonferenz der Arbeitsgruppe Landwirtschaft war in Berlin schon fast beendet, da schob der Bundesminister noch ein Ergebnis zu einem „außergewöhnlich wichtigen Thema“ hinterher: Man habe sich darauf geeinigt, sagte Christian Schmidt (CSU), dass in Sachen Wolfspopulation der Schutz des Menschen im Vordergrund stehen müsse.

Bundesminister Schmidt sagte am Montag, man wolle deshalb Methoden entwickeln, um den Wolfsbestand zu reduzieren. Das beinhalte „auch eine Möglichkeit der letalen Entnahme“, etwa wenn Wölfe „Weiden überqueren oder gefährlich geworden sind“. Heißt: Der in Europa unter besonderem Schutz stehende Wolf darf in Deutschland künftig leichter erschossen werden.

Tatsächlich ist es bereits heute möglich, auffällig gewordene Tiere zu „entnehmen“. „Was nun gefordert wird, ist nichts anderes als das, was in der brandenburgischen Wolfsverordnung bereits drinsteht“, sagt Jakob Kluge, Mitarbeiter im Umweltministerium in Potsdam. Die Verordnung ist seit vergangenem Freitag in Kraft. Sie bestimmt, dass das Landesamt für Umwelt für die Regulierung der Wolfspopulation verantwortlich ist.

Doch den Verhandlern der AG Landwirtschaft ist der Vorgang offenbar noch zu kompliziert. „Der Wolf muss mehrfach auffällig geworden sein, und man muss ihn wiedererkennen können“, sagt Alois Gerig (CDU).  Er plädiert für eine „vernünftige Regelung“, die auch die Jagd betreffe, aber nicht, wie von der FDP gefordert, die ganzjährige Jagd erlaube. „Es wird darauf hinauslaufen, dass ein Jäger einen Nachweis bringen muss, dass ein Wolf auffällig geworden ist.“ Und da der Schutz des Wolfes auf EU-Ebene geregelt ist, fordert Gerig: „Die EU-Kommission muss diesen Schutzstatus überprüfen.“

Im Beschluss der AG Landwirtschaft unter Leitung von Julia Klöckner (CDU) heißt es: „Wir werden die EU-Kommission auffordern, den Schutzstatus des Wolfs abhängig von seinem Erhaltungszustand zu überprüfen, um die notwendige Bestandsreduktion herbeiführen zu können.“ Davon unabhängig wolle man „Maßnahmen zur Entnahme von Wölfen“ entwickeln.

„Es ist nicht so, dass alle Wölfe abgeschossen werden sollen“, sagt Artur Auernhammer (CSU), der auch in der AG Landwirtschaft saß. Es gehe vielmehr um „Konfliktfälle“. „In Teilen Deutschlands ist eine Weidetierhaltung gar nicht mehr möglich, weil der Wolf Herden regelrecht niedermetzelt“, sagt er.

„Wir brauchen eine einheitliche Regelung für Problemwölfe“, sagt auch Christiane Schröder, Geschäftsführerin vom Nabu Brandenburg. „Ich halte es für sinnvoll, dass man Wege findet, um gezielt gegen einzelne Wölfe vorzugehen.“ Die Wolfsverordnung in Brandenburg sei da schon okay. Eine Herabsetzung des europäischen Schutzstatus hingegen sei reine Wahlkampfpolitik und völlig unnötig. Auch eine Bejagung des Wolfes lehnt der Nabu ab. „Es muss darum gehen, gezielt auffällig gewordene Wölfe zu entnehmen“, sagt Schröder.

In Deutschland leben nach Angaben des Bundesamtes für Naturschutz rund 600 Wölfe, die meisten davon (etwa 200 bis 250) in Brandenburg. Die SPD, insbesondere Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD), stand bislang eher auf Seiten des Wolfschutzes. „In der Arbeitsgruppe war das Thema nicht gerade einfach“, sagt Alois Gerig. Letzten Endes wurde die Wolfspassage in der Spitzengruppe der Parteien unter Führung des CDU-Abgeordneten Michael Grosse-Brömer, der selbst Jäger ist, verhandelt. Hendricks habe laut Bild-Zeitung zwar mitreden wollen, sei aber nicht vorgelassen worden, weil sie nicht Mitglied der Spitzengruppe ist.

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