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Ausstellung
Gemeinsam für die Freiheit der Kunst

Von Ernst Barlach: „Tanzende Alte“, 1920
Von Ernst Barlach: „Tanzende Alte“, 1920 © Foto: MOZ/Doris Steinkraus
Doris Steinkraus / 09.02.2018, 11:49 Uhr - Aktualisiert 09.02.2018, 12:01
Trebnitz (MOZ) Die Bildhauer Ernst Barlach und Gustav Seitz sowie der Dramatiker Bertolt Brecht in einer Ausstellung? Was zunächst gegensätzlich aussieht, zeigt sich beim näheren Hinsehen durchaus verbindend. Exemplarisch steht dafür eine Barlach-Ausstellung 1951 in der Akademie der Künste der DDR. Barlach (1870–1938) war von den Nazis mit Ausstellungsverbot belegt. Das Wirken des einstigen Akademiemitgliedes mit einer Ausstellung zu  würdigen, war für Seitz geradezu ein Muss. Er betreute die Schau. Doch zu jener Zeit erreichte die DDR-Kulturpolitik einen heiklen Punkt. Im März 1951 hatte das 5. Plenum des ZK der SED den Sozialistischen Realismus als Kunstdoktrin ausgerufen.  Nicht der einzelne Mensch, sondern nur der Werktätige als Teil einer Gruppe zählten.

Barlachs Werke passten nicht in dieses Bild.  „In seinem Mystizismus kann man keinen Beitrag zur Entwicklung einer fortschrittlichen Kunst sehen“, schrieb seinerzeit der SED-Kulturpolitiker Helmut Holtzhauer an den Akademiedirektor. In der Tagespresse erschienen vernichtende Berichte über die Barlach-Schau. Seitz fühlte seinen gesamten Berufsstand betroffen. Er reagierte auf die Berichte, doch seine Zeilen wurden nicht gedruckt. Daraufhin verfasste Brecht  seine „Notizen zur Barlach-Ausstellung“. „Ich halte Barlach für einen der größten Bildhauer, den wir Deutschen gehabt haben“, lautete sein Bekenntnis, das jedoch ebenfalls in keiner Tageszeitung erschien.

Das im vorigen Jahr eröffnete Gustav-Seitz-Museum in Trebnitz (Märkisch-Oderland) widmet sich anlässlich des 120. Geburtstages von Brecht am Sonnabend der damaligen Diskussion um das unerwünschte Erbe. Das gemeinsame Eintreten für die Freiheit der Kunst und des Einzelnen schweißte Brecht und Seitz im Geiste zusammen. Nach Brechts Tod schuf Seitz immer wieder Porträts von dem Dramatiker. Einige seiner Köpfe sowie kleinere Figuren sind in der ständigen Ausstellung zu sehen.

Im Obergeschoss werden ab Sonnabend zudem zahlreiche Zeichnungen von Seitz, die er als Studien für seine Köpfe schuf, gezeigt. Die Verbindung zwischen den drei Künstlern schaffen vier Arbeiten von Barlach, die von der Ernst-Barlach-Stiftung in Güstrow als Leihgabe zur Verfügung gestellt werden. Allein diese vier Werke lassen die Anschuldigungen gegenüber Barlach geradezu absurd erscheinen.

Seine „Tanzende Alte“ hat so rein gar nichts von dem ihm unterstellten Formalismus. 1920 geschaffen, versprühe sie einen Humor und Realismus, wie es in der deutschen Plastik äußerst selten sei, resümierte Brecht. Auch zu den in Trebnitz gezeigten Figuren  „Drei singende Frauen“ (1911), „Der Melonenesser“ (1907) und „Der Buchleser“ (1936) hat Brecht seine Einlassungen verfasst.

Zur Einführung sprechen am Sonnabend Bernd Schälicke vom Vorstand der Gustav-Seitz-Stiftung sowie Margret Brademann, Leiterin des Brecht-Weigel-Hauses in Buckow. Ab 14. August gibt es in Buckow eine weiterführende Ausstellung von Brecht-Porträts von Seitz.

„Unerwünschtes Erbe? Gustav Seitz und Bertolt Brecht über Ernst Barlach“, Eröffnung am 10.2., 15 Uhr, dann bis 29.4., Mi–So 11–17 Uhr, Gustav-Seitz-Museum, Platz der Jugend 3a (am Schloss), Müncheberg, OT Trebnitz, Tel. 033477 51913

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