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Im Rathaus diskutierten am Donnerstag 70 Wandlitzer über Bürgernähe und Verwaltungshandeln

Investition
Bauvorhaben öffentlich vorgestellt

Hans Still / 10.02.2018, 06:00 Uhr
Wandlitz (MOZ) Erstmals in der Öffentlichkeit sind am Donnerstagabend die Pläne des Wandlitzers Frank Laue vorgestellt worden. Der Investor plant an der Prenzlauer Chaussee 187 bis 191 den Bau von 32 Wohnungen inklusive einer Tagespflege und eines ambulanten Pflegedienstes.

Stehen musste kein Gast, aber sämtliche Plätze waren am Donnerstagabend im Wandlitzer Rathaus vergeben. Kuschelstimmung wollte trotz der Enge nicht aufkommen. Gleich zu Beginn des Abends zog die sichtlich aufgeregte Bürgermeisterin Jana Radant Parallelen zu ihrem Amtsantritt. "Mir ist das alles sehr suspekt. Seit sechs Jahren mache ich einen relativ guten Job", reflektierte sie ihre Arbeit und erinnerte dann an das Jahr 2011. Damals war sie frisch ins Amt gekommen und sah sich Vorwürfen ausgesetzt. "Ich wurde als Gier-Bürgermeisterin abgestempelt und durch die Medien gezogen. Das gleiche Niveau nehme ich jetzt wahr", platzierte sie noch vor der Projektvorstellung ein politisches Statement, das teils mit Verwunderung, teils mit verhaltenem Beifall aufgenommen wurde.

Die sachlichen Fakten zum bislang nicht öffentlich vorgestellten Vorhaben konnte anschließend jeder Anwesende via Projektor an der Wand verfolgen. Demnach beabsichtigt Investor Frank Laue den Bau von zwei Gebäudekörpern mit einer Fassadenlänge von 42 Metern und einer maximalen Höhe von 10,10 Metern. Die Grundfläche beider L-förmigen Gebäude übersteigt 1200 Quadratmeter. Ein Vergleich mit anderen Gebäuden in der Wandlitzer Ortsmitte belegt, auch dort wurde schon kräftig gebaut. Beispielsweise beim Rathauscenter, das in den 1990-er Jahren mit 53 Metern Länge entstand.

Investor Laue will mit dem ambulanten Pflegedienst und der Tagespflege sieben Arbeitsplätze schaffen. Probleme mit den Anwohnern sehe er nicht, wie er sagte, weder in Sachen Verschattung noch beim Schallschutz. So habe der nördliche Nachbar in Bezug Verschattung sein Einverständnis erklärt. Laue beschwerte sich über die öffentlich gewordene Kritik am Vorhaben, wobei ihm sowohl der Wandlitzer Ortsvorsteher Oliver Borchert (F.Bg.W.) und Reinhold Dellmann in aller Deutlichkeit erklärten, ihre bisherige öffentliche Kritik richte sich nicht gegen das Vorhaben. "Hier geht es um das ungeschickte Agieren der Bürgermeisterin, nicht gegen das Bauwerk", sagte Dellmann klar. Und auch Borchert stellte dies in gleicher Weise dar.

Erneut verteidigte die Bürgermeisterin ihre Entscheidung, ohne Beratung mit dem Ortsbeirat, dem Bauausschuss oder der Gemeindevertretung für das Vorhaben gemeindliches Einvernehmen zu erteilen. "Der Bauherr wurde im Januar 2017 mit seinem Vorhaben vorstellig. Wir haben zusammen daran gearbeitet, daher muss es jetzt auch einen Vertrauensschutz für Herrn Laue geben", so Jana Radant. Der Widerspruch ließ nicht auf sich warten. "Ich muss Sie berichtigen. Solange ein Bauherr keine Baugenehmigung hat, liegt das Risiko allein bei ihm. Der Vertrauensschutz beginnt mit der Baugenehmigung. Und Sie, Frau Bürgermeisterin, muss ich fragen, warum Sie trotz der Diskussion über das hässliche Bauwerk am Lanker Weg der Gemeindevertretung nichts von diesem Bauantrag mitgeteilt haben. Sie wussten doch, wie sensibel dieses Thema in Wandlitz ist", formulierte Assol Urrutia unter Beifall.

Weitere Bürger meldeten sich zu Wort. So forderte ein Bürger von der Verwaltung, sich nicht nur stur an der Rechtslage, sondern auch am Bürgerwillen zu orientieren. "Bürger wollen wissen, wohin hier die Reise geht", hieß es.

Dass die Stimmung zum Ende der Veranstaltung doch noch zu eskalieren drohte, lag an der Versammlungsleiterin selbst. Reinhold Dellmann hatte sich in der letzten Reihe ewig und gut sichtbar zur Wort gemeldet, bekam aber kein Rederecht. Gegen Ende schritt er zu ersten Reihe vor und stand diagonal der Bürgermeisterin gegenüber. Dort meldete er sich erneut gut sichtbar zu Wort und konnte nicht mehr übersehen werden. Dellmann thematisierte die Veränderungssperre für den besagten Wandlitzer Bereich, die nach dem Beschluss in der Gemeindevertretung durch die Verwaltung nicht veröffentlicht wurde. "Die Verwaltungsargumente dafür sind falsch, das wissen hier alle", so Dellmann, der die jetzt erfolgte Veröffentlichung begrüßte. Er plädierte weiter dafür, mit den Gemeindevertretern schnell eine Diskussion über die Entwicklungsziele des Ortes zu initiieren. "Das Bauvorhaben wird von der Unteren Bauaufsicht zur Gemeinde zurück kommen, das ist sicher", sagte Dellmann.

Noch offensichtlicher wurde dann der Wille der Bürgermeisterin, den Wandlitzer Ortsvorsteher Borchert nicht zu Wort kommen zu lassen. Die Bürgermeisterin wollte die Veranstaltung beenden - Borchert forderte als Ortsvorsteher Rederecht. "Sie haben sich doch schon überall geäußert", entgegnete die Bürgermeisterin schmallippig. Borchert wurde in seinem Statement für transparente Verwaltungsarbeit mehrfach unterbrochen, unter anderem rief jemand "Lügner". Borchert forderte die Versammlungsleiterin zum Eingreifen auf. Sichtbar verärgert, wurde nun auch Borchert deutlicher. "Dieses Bauvorhaben ist von prägender Bedeutung für den Ort. Und trotzdem haben Sie es unterlassen, uns Gemeindevertreter darüber zu informieren. Ich fühle mich von Ihnen verarscht", so Borchert wörtlich. Kurz darauf endete die zweistündige Debatte.

Kommentar

"Warum sachlich, wenn es auch persönlich geht", ist eine nicht ganz ernst gemeinte Botschaft für Chefs mit Personalverantwortung. Gemeint ist natürlich das Gegenteil.Dass die Debatte im Augenblick aus dem Ruder zu laufen droht, ist mehrenen Umständen geschuldet. Bürgermeisterin Radant wäre gut beraten gewesen, sich auf sachliche Darstellungen und die stets propagierte Bürgernähe zu konzentrieren. Stattdessen reagiert sie auf die bisherige Kritik persönlich, stilisiert sich mit dem Verweis auf ihren Amtsantritt zum Opfer - eine Karte, die nicht immer zieht.Und richtig, der eigentlich noch ferne Wahlkampf um das Bürgermeisteramt wirft seine Schatten voraus. Im Herbst 2019 wird die Position neu vergeben. Die GroKo-ähnliche (Selbst)Zufriedenheit in der Gemeindevertretung gehört vermutlich der Vergangenheit an. Hans Still

Einstieg in den Wahlkampf

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Tina Schlüter 14.02.2018 - 16:44:41

Neid und Missgunst in Wandlitz

Leider gab die öffentliche Vorstellung des Bauvorhabens wieder eine Diskussionsplattform für Nörgler und Neider. Leider habe ich in den zwei Stunden wenig Konstruktives hören können. Es geht hier um ein Bauvorhaben, das (benötigten) Wohnraum und Arbeitsplätze in der Gemeinde schafft. PUNKT! Zu entscheiden ist nun, ob diese zwei Gebäude in den Bebauungsplan passen. Hier sehe ich weder bei der Größe noch bei der Außenfassade ein Problem. Und persönlich gefällt mir das Bauprojekt weit aus besser, als der Gebäudekomplex an der Lanker Straße. Ich kann die Missgunst und den Neid mancher Wandlitzer Nachbarn einfach nicht nachvollziehen. Und das meine ich nicht nur für die 2-stündige Sitzung vom Donnerstag. Können wir nicht einfach schön und friedlich nebeneinander wohnen. Und ganz ehrlich, die Wortmeldung von Herrn Dellmann war eine Farce. Ich kann meinem Vor-Kommentator hier nur beipflichten.

Thomas Müller 10.02.2018 - 09:28:56

Was plant Dellmann?

Anscheinend ist schon Wahlkampf und einige bringen sich bereits in Position. Sechs Jahre war von Herrn Dellmann nichts zu hören und nun kommt er auf einmal hervor. Man muss dazu auch wissen, dass er es damals war der die Bildkampagne gegen die Bürgermeisterin lanciert hat. Das war nur eine der unseriösen Attacken die der Herr damals lanciert hat. Warum berichtet die MOZ eigentlich nicht über die Motive dieses Herrn? Wenn alles so schlimm ist mit der Bürgermeisterin, warum liefen die vergangenen 6 Jahre so gut? Wo war Herr Dellmann die Ganze Zeit? Es lohnte sich für ihn einfach nicht da der Wahlkampf zu weit weg war. Es ist schade das die MOZ dem eine Bühne gibt und nicht auch hier einmal kritisch hinterfragt. "Die GroKo-ähnliche (Selbst)Zufriedenheit in der Gemeindevertretung gehört vermutlich der Vergangenheit an." Hier bestehen große Unterschiede zur GroKo. Die Verwaltung kann zufrieden sein, da sie viel erreicht hat in den letzten 6 Jahren. Das kann die GroKo nicht vorweisen. Nebenbei gesagt Herr Still: Ein Kommentar unter dem eigenen Artikel ist kein guter Stil und lässt den Artikel noch tendenziöser wirken als er es bereits ohne diesen wäre.

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