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Grashoff war Sprecher der ersten Brandenburger Landesregierung

Geburtstag
Ein Leben für die Versöhnung

Trebnitzer Schlossgespräch im Jahr 2016: Landrat Gernot Schmidt, Darius Müller, Manfred Stolpe, Martina Weyrauch und Eberhard Grashoff (von links)
Trebnitzer Schlossgespräch im Jahr 2016: Landrat Gernot Schmidt, Darius Müller, Manfred Stolpe, Martina Weyrauch und Eberhard Grashoff (von links) © Foto: MOZ/Doris Steinkraus
Doris Steinkraus / 10.02.2018, 08:00 Uhr - Aktualisiert 10.02.2018, 14:02
Trebnitz (MOZ) Eberhard Grashoff ist ein waschechter Berliner. In Charlottenburg geboren, gehörte er zu jenen jungen Leuten, die nach Kriegsende im zerstörten Berlin die Jugendarbeit aufbauten. Dem Land Brandenburg ist der promovierte Journalist  bis heute besonders verbunden. Am Sonntag feiert er seinen 90. Geburtstag.

Wenn Eberhard Grashoff von der Zeit unmittelbar nach dem Krieg erzählt, beginnen seine Augen zu leuchten. In seinem Elternhaus war er mit der Warnung vor dem, was die Nazis wollen und tun, großgeworden. Als sich die Bankreihen in der Klasse immer mehr lichteten, spürte er nicht die Sehnsucht mancher Schulkameraden, endlich auch an die Front und fürs Vaterland sterben zu dürfen. Bis auf drei Mitschülern wurden alle eingezogen. Er hatte Glück. Weil er einer der Jüngsten war, stellte man ihn zurück. Die Straßenkämpfe in Berlin erlebte er nicht. Die Eltern hatten ihn zu Verwandten nach Lübben geschickt. „Ich habe es dann aber dort nicht ausgehalten, bin nach Berlin getürmt“, erzählt er verschmitzt.

Als der Krieg zu Ende war, zählte er 17 Lenze. Er meldete sich sofort bei der deutschen Zivilverwaltung, wollte etwas tun. Von einer russischen Kommandantur erhielt er einen Ausweis, der bescheinigte, dass er für sie arbeitet. Dann kam die Sektorenteilung. Sein Bezirk lag nun im amerikanischen Sektor.  Grashoff hatte sich dem Demokratischen Jugendverband angeschlossen. „Aus heutiger Sicht ist es immer noch ein kleines Wunder“, erzählt er. „Aber ich habe damals die Zulassung des Jugendverbandes für alle vier Sektoren bekommen.“

Er wurde Mitgründer des „Demokratischen Jugendverbands von Berlin“ (DJV), dessen Vorsitzender er von 1949 bis 1952 war sowie Mitglied und zeitweise Vorsitzender (1948) des ersten „Landesjugendring Berlin“.

Grashoff entdeckte zu jener Zeit sein Schreibtalent, schrieb für die Jugendzeitschrift „Horizont“, die bis zur Währungsunion erschien. „Die DDR hat den Titel später geklaut“, erzählt er lachend. Ausgerechnet in der „Horizont“ wurde vor allem über Ereignisse in der Welt, die die DDR-Bürger nicht bereisen durften, berichtet. Grashoff arbeitete beim „Telegraf“, war dort Chefredakteur, wirkte in Agenturen und Zeitungen. 1976 wurde für ihn ein einschneidendes Jahr. Er wechselte als Sprecher zum Bevollmächtigten der Bundesrepublik nach Ostberlin. Sein Chef war Dieter Spangenberg. 1980 wurde daraus die Ständige Vertretung,  Leiter war Gunter Gauss.

Noch gut kann er sich an die Ratlosigkeit der Verantwortlichen in der Bundesrepublik erinnern, als sich  Öffnung der Grenzen ankündigte. „Niemand hatte die Wiedervereinigung auf dem Schirm“, so seine feste Überzeugung. „Dabei habe ich ja selbst viele Berichte zur Situation weitergeleitet, aber man hat sie gar nicht richtig gelesen“, ist er noch heute sauer. Denn in der Ständigen Vertretung hatte sich die Situation schon Jahre zuvor zugespitzt. Die DDR ließ Eingänge an der Botschaft umbauen, um seinen Bürgern den Zutritt zu erschweren.

Für ihn sei der Mauerfall nicht überraschend gewesen, er betrat danach auch kein Neuland. Durch seine Arbeit hatte er schon lange vor 1989 viele Kontakte vor allem nach Brandenburg. Er traf sich mit den Schriftstellern Martin Stade und Ulrich Plenzdorf, die im Alt Rosenthaler Vorwerk lebten, dem Kirchenmann Manfred Stolpe oder Friedrich-Carl Graf von Hardenberg. Als Manfred Stolpe ihm antrug, 1990 erster Leiter des Presse- und Informationsamts der Landesregierung Brandenburg zu werden, überlegte der Berliner nicht lange. Wie 45 Jahre zuvor spürte er die Aufbruchsstimmung, wollte mitwirken.

Da waren zudem seine Erfahrungen in der Jugendarbeit. 1951 hatte er den Verein „Wannseeheim für Jugendarbeit“ mitgegründet. Das habe ihm zähe Verhandlungen gekostet. Die Amerikaner stellten schließlich 160 000 Mark bereit, um dort eine demokratische Jugendarbeit aufzubauen.

Als die Mauer fiel,  sei ihm sofort klar gewesen, das eine ähnliche Einrichtung auch in Ostdeutschland aufgebaut werden müsste. Der Standort war bald gefunden und resultierte aus einer besonderen Aktion. „Die Menschen waren verunsichert. Auf der einen Seite die  westlichen Alliierten und auf der anderen die Warschauer Vertragsstaaten“, erzählt er.

Mit dem Künstler Ben Wargin, dem Schriftsteller Martin Stade und dem damaligen ehrenamtlichen Werbiger Bürgermeister und heutigem Landrat von Märkisch-Oderland, Gernot Schmidt, initiierte er den ersten Friedenswald auf dem Werbiger Krugberg. Durch seine Kontakte gelang es, hochrangige Vertreter des polnischen und sowjetischen Militärs nach Werbig zu holen, unter anderem den damaligen Chef der russischen Streitkräfte Burlakow.

Bäume als Zeichen des Friedens und der Versöhnung sollten die einstigen Kriegsschauplätze bis hin nach Moskau säumen, so die Idee. „Und natürlich mussten junge Leute aus Polen, Weißrussland und Russland dabei sein, die das weitertragen“, erinnert er sich an die Geburtsstunde von Schloss Trebnitz. Er half bei der Vereinsgründung und Beschaffung von ersten Fördermitteln, um das zu jenem Zeitpunkt völlig heruntergekommene Schloss Trebnitz als Jugendbegegnungsstätte herzurichten.

Bis heute wird Grashoff nicht müde, für den internationalen Jugendaustausch zu werben, vor allem auch mit Polen. „Kaum ein Land wurde so geschunden wie Polen“, steht für ihn fest. Er sei froh, dass der Verein mittlerweile so große Akzeptanz in Brandenburg und auch in Polen genießt. Für ihn ist es mit das schönste Geschenk seines langen sehr erfüllten Lebens.

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