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Gustav-Seitz-Museum Trebnitz eröffnet zum 120. Geburtstag von Bertolt Brecht erste Sonderausstellung

Brecht-Erinnerung
Drei Freigeister in einer Schau

Doris Steinkraus / 11.02.2018, 19:50 Uhr
Trebnitz (MOZ) Am Sonnabend wurde bundesweit des 120. Geburtstages von Bertolt Brecht gedacht. Für das Gustav-Seitz-Museum in Trebnitz war er Anlass zur ersten Sonderausstellung. In der werden Arbeiten von Gustav Seitz, Ernst Barlach und Bertolt Brecht im Kontext gezeigt.

Kann ein kultur-politischer Disput von 1951 heute noch von Wert sein? Die erste Sonderausstellung des Gustav-Seitz-Museums in Trebnitz gibt darauf eine klare Antwort - durchaus. Im Mittelpunkt stehen drei Künstler: Ernst Barlach, Bertolt Brecht und Gustav Seitz. Letztere erlebten in jener Zeit des Kalten Krieges ihre kreativsten Phasen - und eckten beide an. Es ging um die Freiheit von Kunst und Meinung, die sie in Gefahr sahen. Beide hatten sich vehement gegen die vernichtende öffentliche Kritik der Parteiverantwortlichen und der sozialistischen Presse zur Ausstellung des Bildhauers Ernst Barlach in der Akademie der Künste Berlin geäußert.

Der 1938 verstorbene Barlach, dessen Arbeiten von den Nazis als entartete Kunst verboten wurden, sollte als einstiges Mitglied der Akademie mit einer Ausstellung wieder die ihm zukommende Bedeutung erhalten. Doch die junge DDR hatte ihren Maßstab einer Wiedergutmachung noch nicht gefunden, machte Bernd Schälicke vom Vorstand der Seitz-Stiftung deutlich. Auch in Kunst und Kultur ging es um die Umsetzung des stalinistischen Kurses. In den habe Barlachs Werk nicht hinein gepasst, also wurde er zerrissen.

Was Seitz und Brecht nicht davon abhielt gegenzuhalten. Brechts "Notizen zur Barlach-Ausstellung" gehören heute zum kulturellen Erbe. Das Rückgrat der beiden Künstler, trotz aller Anfeindungen Haltung zu zeigen und eigene Überzeugungen nicht zu opfern, um einem System gerecht zu werden, steht heute als Sinnbild für tagtägliche Auseinandersetzungen. "Diese Ausstellung steht exemplarisch für das, was die Bildungs- und Begegnungsstätte und die Stiftung wollen", betonte Darius Müller, der an diesem Tag in Doppelfunktion agierte. Er ist Leiter von Schloss Trebnitz und auch Mitglied des Kuratoriums der Stiftung. "Es geht darum, hier in Trebnitz einen Ort zu schaffen, in dem kulturell-politische Bildung für Jugendliche und Erwachsene stattfindet, in der offen diskutiert und auch gestritten werden kann", betonte Müller.

Mit der Ausstellung gab das neue Museum zugleich den Auftakt für eine Öffnung in der Region. Nur wenige Kilometer entfernt wird im Brecht-Weigel-Haus in Buckow das Erbe eines der bedeutendsten deutschen Dichter bewahrt. Da lag es nahe, die Ausstellung gemeinsam mit der Einrichtung vorzubereiten. Leiterin Margret Brademann ließ die Stationen Brechts Revue passieren. Dazu gehört auch die enge geistige Verbundenheit von Brecht und Seitz. Wie sehr der Bildhauer den Dichter und Theatermann verehrte, machten die unzähligen Arbeiten, die er nach dem Tod seines geistigen Freundes schuf, deutlich - Köpfe, unzählige Zeichnungen und Skizzen sowie Bronze-Plastiken. Einige davon sind jetzt im Obergeschoss des Museums zu sehen, dazu Einlassungen von Brecht zum Werk von Barlach. Das Ernst-Barlach-Museum Güstrow stellte den Trebnitzern vier Plastiken als Leihgabe zur Verfügung.

Der Besucher ist eingeladen, sich den Kontext der Werke der drei Künstler zu erschließen. Das werden auch Jugendliche in Projekten im Schloss tun, kündigte Darius Müller an. Auch für obere Schulklassen dürfte die Ausstellung lohnenswert sein. Ein Liporello mit Zitaten, abgebildeten Kunstwerken und Erläuterungen bietet wertvolle Hilfestellung. "Ich sehe damit endgültig das Werk von Gustav Seitz hier im Oderland in guten Händen", sagte Bernd Schälicke. Erst Mitte vergangenen Jahres war der gesamte Nachlass des Bildhauers von Hamburg nach Trebnitz gebracht worden. Damit rückte Seitz Werk wieder näher an seine einstige Wirkungsstätte Berlin. Der Künstler selbst steht für ein heute kaum vorstellbares Spannungsfeld, das sich einst zwischen Ost und West auftat. Von beiden Seiten sah sich Seitz Anfeindungen ausgesetzt. Ungeachtet dessen ließ er sich nicht verbiegen, blieb auch als Dozent in Hamburg seiner humanistischen Überzeugung treu, prägte Generationen von Bildhauern.

"Notizen zur Barlach-Ausstellung", Gustav-Seitz-Museum Trebnitz, bis 29. April, Mi - So 11 - 17 Uhr, Tel. 0334775190, E-mail: info@gustav-seitz-museum.de

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