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Bernauer Amtsgericht erteilte Strafbefehl gegen Berliner Holzhändler

Prozess
Spiel mit Worten täuschte Käufer

Thomas Melzer / 13.02.2018, 06:00 Uhr
Bernau (MOZ) Eine Kleinanzeige, die regelmäßig in verschiedenen Brandenburger Zeitungen veröffentlicht wurde, darunter auch in dieser Zeitung, offerierte "Kaminholz Buche, 3 Jahre abgelagert, 5 m3 = 300 EUR". Bei dem in Berlin ansässigen Holzhandel gingen daraufhin zahlreiche Bestellungen ein, auch aus dem Barnim. Mit den Lieferungen, die bei ihnen abgekippt wurden, waren dann jedoch mindestens zwei Kunden aus Zepernick und Ruhlsdorf nicht einverstanden. Sie stapelten die Holzscheite säuberlich auf und maßen nach: 5,4 Raummeter statt der bestellten 10 Kubikmeter waren es in Zepernick, drei statt vier in Ruhlsdorf. Der Berliner Holzhändler ließ sich auf keine Reklamation und Diskussion ein. Es sei immer von Schüttraummetern die Rede gewesen, und die habe er ordnungsgemäß geliefert. Die beiden Kunden fühlten sich geprellt und erstatteten Strafanzeige.

Das Amtsgericht Bernau verurteilte den Holzhändler daraufhin per Strafbefehl, also ohne Gerichtsverhandlung, wegen zweifachen Betruges zu einer Geldstrafe von 1050 Euro und ordnete die Einziehung des zu Unrecht erlangten Gewinnes in Höhe von 315 Euro zu Gunsten der Geschädigten an.

Dabei ging das Gericht davon aus, dass der Raummeter die übliche und im Verkehr gebräuchlichste Maßeinheit beim Handel mit Brennholz ist. Zwar ist auch ein Verkauf nach Schüttraummetern möglich, allerdings setzt das eine ausdrückliche Vereinbarung beim Vertragsabschluss voraus. Die lag hier in beiden Fällen nicht vor. Das Gericht gab sich sogar davon überzeugt, dass der Holzhändler bewusst in betrügerischer Absicht sein Angebot für Kubikmeter annonciert hatte, um einen günstigen Preis vorzutäuschen, der allerdings nur für Raummeter wirklich günstig gewesen wäre.

Mindestens ein weiterer zur Anzeige gelangter Betrugsfall aus dem Landkreis Märkisch-Oderland bestärkte den Richter in seiner Auffassung, dass der Holzhändler hier systematisch vorgegangen ist und die Dunkelziffer der Betrugstaten mutmaßlich hoch ist.

Gegen den Strafbefehl des Amtsgerichts vom Oktober 2017 legte der Angeklagte Einspruch ein, worauf es jetzt vor dem Amtsgericht Bernau zur Hauptverhandlung kommen sollte. Kurz davor teilte der Verteidiger mit, dass der Angeklagte einen Herzinfarkt erlitten habe und im Krankenhaus im Koma liege.

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