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Workshops und eigenes Tun sollen in Bernau den direkten Zugang zur zeitgenössischen Kunst eröffnen

Impulse für einen Galerie-Besuch

Klaus Kleinmann / 13.02.2018, 06:20 Uhr
Bernau (MOZ) Die Galerie Bernau setzt nicht nur auf Ausstellungen, um zeitgenössische Kunst näher zu bringen. Sie pflegt ergänzende Programmangebote, insbesondere Workshops, in denen Besucher die Kunst sinnlich erfahren können, beispielsweise über den Geschmackssinn.

"Die Galerie Bernau ist für unsere Stadt ein Kleinod", sagt Ann Kathrin Rudorf, die Leiterin dieses Schmuckstücks, und man ist geneigt, ihr zu widersprechen - aber nur, was das Wörtchen "klein" angeht. Ansonsten wird man ihr gerne mit breitem Lächeln zustimmen, denn für die relativ kleine Stadt Bernau stellt diese Galerie durchaus etwas Großes dar. Als unabhängiger, nichtkommerzieller Kunstraum wird sie unterstützt von der Stadt Bernau, dem Landkreis Barnim und dem Förderkreis Bildende Kunst. Daher ist sie nicht vom Erlös durch Verkäufe abhängig, sondern kann sich ganz auf die Vermittlung künstlerischer Arbeitsprozesse konzentrieren.

Ann Kathrin Rudorf, die der Galerie seit Mai vergangenen Jahres vorsteht, sieht hier den besonderen Schwerpunkt ihrer Arbeit. Kunst werde nicht neu erfunden, sagt sie, aber neu kommuniziert. Die Galerie ist für sie nämlich vielmehr als ein Ort, wo "nur" Kunstwerke ausgestellt werden. Sie hält es vielmehr für entscheidend, die Betrachter - und das heißt im Klartext: die Bürger von Bernau und weit darüber hinaus - zur Auseinandersetzung mit den Exponaten einzuladen und ihnen so die Möglichkeit zu geben, teilnehmende Partner des künstlerischen Vermittlungsprozesses zu werden. Kunst soll aus ihrem Elfenbeinturm heraus-, oder die Zuschauer in ihn hereingeholt werden.

"Wir verstehen unser Haus als Impulsgeberin und möchten unsere jährlich über 14000 Besucher sensibilisieren, animieren und aktivieren", heißt es im Jahresprogramm der Galerie.

Gerade zeitgenössische Kunst, der sich die Galerie Bernau verschrieben hat, hinterlässt oft Ratlosigkeit, wenn sie in der weihevollen Aura eines Museums ohne nähere Erläuterung präsentiert wird und der Betrachter bei der Entschlüsselung auf sich gestellt bleibt. Man kann viel besser (be)greifen, was man sich selbst erarbeitet hat. Ein zentraler Aspekt der Kunstvermittlung der Galerie sind daher Workshops, die die Ausstellungen begleiten und den Kunstliebhabern die Möglichkeit geben, durch eigene kreative Gestaltungsversuche mit den Werken in Kontakt zu treten. So können sie sich unmittelbar mit den Gedankengängen des Künstlers beschäftigen und ein vertieftes Verständnis dafür entwickeln. Der eigene Umgang mit den Materialien setzt schöpferische Energien frei. Jetzt schließt sich der Kommunikationskreislauf, in dem Kunstwerke stehen: Der Künstler sendet in Form seiner Werke Botschaften aus, die ihre Wirkung erst dann entfalten, wenn der Betrachter sie verstanden, hinterfragt und innerlich verarbeitet hat. Hier von "Demokratisierung der Kunst" zu sprechen, klingt vielleicht etwas hochtrabend, trifft aber durchaus den Kern.

Das Rahmenprogramm der Ausstellungen in der Galerie Bernau macht dazu vielfältige Angebote für alle Altersklassen. "Führungen, Künstlergespräche, Filmvorführungen sowie experimentelle Formate flankieren die Ausstellungen", heißt es im Jahresprogramm.

Bei der aktuellen Ausstellung von Hiroko Inoue gab es einen besonderen Leckerbissen in Form eines japanischen Eat Art Workshops, der großen Anklang fand. Zur Finissage wird ein Film über das Erdbeben in der japanischen Stadt Kobe gezeigt. Es hat die künstlerische Arbeit von Hiroko Inoue, die aus Kobe stammt, entscheidend geprägt. Das begleitende Workshop-Angebot besteht im Gestalten mit Salz, welches durch Schablonen auf eine angefeuchtete Fläche gestreut wird. Solche Salzbilder finden sich in der Ausstellung von Hiroko Inoue auf dem Fußboden. Als Teilnehmer sind nicht nur Erwachsene, sondern gerne auch junge Leute eingeladen. Schulen, Kindergärten und private Gruppen können eigene Termine buchen. Die Galerie organisiert außerdem künstlerische Kindergeburtstagsfeiern, bei denen die lieben Kleinen sich unter Anleitung bildnerisch betätigen dürfen und dazu ein Naschbuffet serviert bekommen. Die Eltern können sich entspannt zurücklehnen - die Galerie besorgt den Rest.

So werden auch die sechs weiteren Ausstellungen, die die Galerie dieses Jahr noch zeigt, von einem intensiven Begleitprogramm umrahmt. Während der dritten Ausstellung mit dem Titel "Denk um! Mach mit!", die für April und Mai vorgesehen ist, soll sogar jeden Tag ein Mitglied der ausführenden Künstlergruppe für einen Workshop zur Verfügung stehen. Das Foto zeigt die Künstler als fröhliche Gruppe, die selber Spaß hat und sicher auch Spaß vermitteln kann. Es sei also wärmstes empfohlen, diese Angebote lebhaft anzunehmen. Sie liefern Einblicke in die Arbeit der Künstler und machen erfahrbar, warum die Werke gerade auf diese Art gestaltet wurden.

Inhaltlich decken die kommenden Ausstellungen ein weites Spektrum ab: Als Nächstes folgen Betonskulpturen von Zora Jankowic; danach zeigt eine Künstlergruppe "Intervention, Performance, Workshop"; eine weitere Gruppe bietet Installationen, Zeichnungen, Sound und Video; Fotografien von Ulrich Burchert aus dem Alltag vor und nach der Wende sind zu folgen; Gerda Lepke bringt Faszination: Form - Farbe - Licht; zum Jahresende zeigen verschiedene Künstler konzeptuelle Installationen unter dem Titel "Beyond Bauhaus". Das verspricht sehr interessant zu werden - und lädt zum fröhlichen Mitmachen ein.

Auskünfte zu den Ausstellungen und dem begleitenden Programm bekommt man unter 03338 8068 oder unter galerie@best-bernau.de Das Jahresprogramm in gedruckter Form liegt in der Galerie und an vielen anderen Stellen in der Stadt aus. Die Galerie hat dienstags bis freitags von 10 bis 18 Uhr und samstags von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

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