Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Vor der Berlinale
Alles schaut auf Eisenhüttenstadt

Perfekte Kulisse: Der Film „Das schweigende Klassenzimmer“ wurde zum Teil in Eisenhüttenstadt gedreht.
Perfekte Kulisse: Der Film „Das schweigende Klassenzimmer“ wurde zum Teil in Eisenhüttenstadt gedreht. © Foto: MOZ/Stefan Lötsch
Mathias Hausding / 13.02.2018, 08:00 Uhr
Potsdam (MOZ) Gute Zeiten, schlechte Zeiten – der Ausblick der Filmbranche auf die Berlinale fällt durchwachsen aus. In die Vorfreude auf einen Wettbewerb mit Brandenburger Produktionen mischen sich Sorgen um die Wettbewerbsfähigkeit der auf Fördergeld angewiesenen Branche.

Tom Hanks hat die Welle losgetreten, als er 2012 im US-Fernsehen von seinem Besuch in „Iron-Hut-City“ schwärmte. Und auch diese Zeitung hat sicher ihren bescheidenen Beitrag geleistet, als sie dem Hollywood-Star zwei Jahre später in Eisenhüttenstadt einen blauen Trabant schenkte. Auf jeden Fall ist die ehemalige sozialistische Planstadt eine „upcoming Filmtown“, eine aufstrebende Filmstadt, wie Kirsten Niehuus am Montag in Potsdam betonte. Die Chefin des Medienboards Berlin-Brandenburg, dem regionalen Filmförderer, erinnerte daran, dass am 20. Februar mit „Das schweigende Klassenzimmer“ ein fast ausschließlich in Oder-Spree gedrehter Film im Wettbewerb der Berlinale an den Start geht, während beinahe zeitgleich der Regisseur Bernd Böhlich sein Drama „Warum?“ unter anderem in Eisenhüttenstadt dreht.

„Es gibt dort eine wahnsinnig tolle Kulisse und sehr hilfsbereite Anwohner“, blickte Filmemacher Lars Kraume mit Lob und Dank auf seine sechs Wochen in der Stahlstadt zurück. Vor nunmehr einem Jahr drehte er dort „Das schweigende Klassenzimmer“, ein Drama nach einer wahren Begebenheit im Storkow der 1950er-Jahre, als eine Schulklasse den Widerstand gegen die SED-Diktatur probte.

Es ist nicht die einzige Produktion aus der Region im Hauptprogramm der am Donnerstag beginnenden Berlinale. Schon der mit Spannung erwartete Eröffnungsfilm, Wes Andersons „Isle of Dogs“, entstand zum Teil in Potsdam-Babelsberg. Hinzu kommen drei weitere Streifen mit Lokalkolorit im Wettbewerb sowie zehn Produktionen in Nebenkategorien des Festivals.

Der Rückblick auf 2017 kann sich ebenfalls sehen lassen. Zu Buche stehen unter anderem drei Nominierungen bei der kommenden „Oscar“-Verleihung für Kunstwerke aus Berlin-Brandenburg.

Also alles gut? Mitnichten. Auf der Pressekonferenz in der Staatskanzlei schockierte der Babelsberger Studio-Chef Charlie Woebcken seine Branchenkollegen mit der Hiobsbotschaft, dass die dritte Staffel der erfolgreichen US-Serie „Berlin Station“ nicht in der Bundeshauptstadt, sondern im ungarischen Budapest produziert wird. „Und mit ‚Counterpart’ wackelt bereits eine zweite wichtige Serienproduktion“, fügte er mit düsterer Miene hinzu. Dessen nicht genug: 2017 war für das Babelsberger Studio kein gutes Jahr. „Unsere Auslastung lag bei 25 Prozent. Das ist absolut unbefriedigend.“

Die Hauptschuld daran trage das „international nicht konkurrenzfähige“ Filmfördersystem in Deutschland, so Woebcken. Hinzu komme ganz aktuell, dass es noch immer keine Bundesregierung und damit für wichtige Projekte keine Finanz-Zusagen gebe. „Die Macher von Groß-Produktionen gehen nach Prag oder Budapest, wo sie bessere Bedingungen vorfinden.“

Regisseur Lars Kraume, der sich „erschüttert“ von der Nachricht über den Abgang von „Berlin Station“ zeigte, erklärte sodann aus seiner Sicht, woran die Filmförderung auf Bundesebene kranke. „Wenn ich zum Beispiel für Mitte dieses Jahres ein Projekt plane und mich um die Finanzierung bemühe, weiß ich lange nicht, wie viel Geld es tatsächlich gibt. Es kann dann unter Umständen viel weniger als gedacht sein und ich muss die Produktion verschieben. Mein Team macht eine solche Unsicherheit nicht mit. Die Menschen müssen schließlich Geld verdienen.“

Kraumes und Woebckens Plädoyer: Die Förderung müsse zuverlässig sein und es dürfe keine Kappungsgrenzen geben. Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) teilte diese Sicht in vollem Umfang: „Große Produktionen brauchen langfristige Sicherheit“, sagte Gerber.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG