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Unternehmer aus Marienwerder und Wandlitz bleiben auf Übernachtungskosten sitzen / Polizei verfolgt Spur

Zechpreller
Großfamilie betrügt Hoteliers

Sven Klamann / 14.02.2018, 07:30 Uhr
Eberswalde (MOZ) Zumindest zwei Hoteliers im Barnim sind dreisten Betrügern zum Opfer gefallen. Eine Großfamilie hat in Häusern in Marienwerder und Wandlitz übernachtet, ohne dafür überhaupt oder ausreichend zu bezahlen. Die betroffenen Geschäftsleute warnen ihre Kollegen, die Kriminalpolizei verfolgt eine heiße Spur.

Bislang war Gottfried Simch davon ausgegangen, dass er über ein gerütteltes Maß an Menschenkenntnis verfügt. Der 83-Jährige, der vor fünf Jahren am Landweg 1 in Marienwerder das Gasthaus und Hotel "Schleusenmühle" eröffnet hat, bezeichnet sich gern als Brandenburgs ältester Jungunternehmer. Doch was ihm jetzt widerfahren ist, hätte er bei aller Lebenserfahrung nie für möglich gehalten. "Ich bin auf eine unfassbare Abzocke hereingefallen", sagt er. Ihm seien Übernachtungskosten von 2058 Euro entgangen.

Was war geschehen? Am 28. Januar hatte er einen telefonischen Hilferuf entgegengenommen. Der Anrufer habe erklärt, in der Wohnung seiner Familie in Bernau sei es zu einem massiven Wasserschaden gekommen, seine neun Kinder, seine Frau, die Oma und er bräuchten dringend ein Ausweichquartier. Die Kinder seien noch so klein, dass sie ohne eigene Zimmer auskämen. "Alles klang überzeugend, ich wollte helfen und habe der Familie drei Zimmer zur Verfügung gestellt", berichtet der Hotelier aus Marienwerder.

Die unerwarteten Gäste deutscher Nationalität wären noch am gleichen Tag mit wenig Gepäck angereist. Der Mann habe bei der Anmeldung seinen Namen und eine Adresse in Bernau angegeben. "Alles wirkte so seriös, dass ich leider nicht auf die Idee gekommen bin, mir den Personalausweis zeigen zu lassen", bedauert Gottfried Simch. Aber auch die Papiere hätten ja gefälscht sein können.

Doch zunächst habe es für ihn keinen Grund gegeben, misstrauisch zu werden. "Zumal mir der Mann am 30. Januar als Anzahlung 450 Euro in bar übergeben hat", wie der Hotelier weiter berichtet. Doch weiteres Geld sollte er von der Großfamilie nicht mehr bekommen - dafür wurden ihm immer neue Gründe genannt, warum die Gäste noch nicht in ihre Wohnung zurückkehren konnten. Die Eltern seien jeden Morgen losgefahren, die ältere Frau habe auf die Kinderschar aufgepasst, das jüngste Kind sei am Tag der Ankunft im Hotel angeblich gerade erst zwölf Tage jung gewesen. Bekocht wurde die Großfamilie durch das Hotelpersonal übrigens nicht. "Unsere Küche war zu dieser Zeit wegen Urlaubs geschlossen", sagt Gottfried Simch.

Das böse Erwachen erfolgte für den Hotelier am Nachmittag des 9. Februars. "Als ich von einer Einkaufstour zurückkehrte, erzählten mir meine Angestellten, dass die Gäste mit gepackten Koffern abgereist seien", blickt Gottfried Simch zurück.

Schlagartig in Panik geraten, griff der Hotelier zum Telefon. Gleich der erste Anruf, den er tätigte, bestätigte seinen noch frischen Betrugsverdacht. Im Wandlitzer Hotel "Waldfrieden" sei ihm mitgeteilt worden, dass eine Großfamilie, auf die seine Beschreibung passte, dort vom 20. bis 23. Januar übernachtet und eine unbezahlte Rechnung über 500 Euro hinterlassen habe.

Der Unternehmer aus Marienwerder ging zur Polizei und erstattete Anzeige. Er hofft, dass wenigstens das Nummernschild echt gewesen sei, das er den Beamten mitteilen konnte.

"Unsere Kriminalisten der Inspektion Barnim sind an dem Fall dran. Tatsächlich wurden die Betrüger mit einem Auto in Verbindung gebracht, welches bereits überprüft ist", informiert Stefan Möhwald, Sprecher der Polizeidirektion Ost in Frankfurt/Oder. Weitere Einzelheiten würden aktuell nicht genannt, um nicht Täterwissen preiszugeben.

Für Gastwirt Dirk Panzlaff aus Eberswalde, den Vorsitzenden des 58 Mitgliedsbetriebe zählenden, die Altkreise Eberswalde, Bernau und Freienwalde umfassenden Barnimer Ablegers des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga, ist das in Marienwerder und Wandlitz Geschehene zwar ein krasser, aber kein Einzelfall. "Zechprellerei passiert weit häufiger, als man annehmen sollte", sagt Dirk Panzlaff. Wenn auch selten in dieser Dimension. Alle 1300 Brandenburger Dehoga-Mitglieder seien an ein internes Warnsystem angeschlossen und würden benachrichtigt, wenn es bei einem Verbandsmitglied zu einem Betrugsversuch oder gar zu einem Betrug gekommen sei.

Grundsätzlich rät der Barnimer Dehoga-Vorsitzende allen Hoteliers dazu, sich zur Sicherheit bei der Anmeldung die Kreditkartennummer der Gäste zeigen zu lassen und zu notieren.

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