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Angermünder Hauptausschuss stimmt knapp gegen das Abholzen für den potenziellen Eigenheimstandort

Baupläne am Tierpark abgelehnt

Planskizze: Der auf der Karte des Bauamtes markierte Streifen an der Sternfelder Straße steht als Bauland zur Diskussion.
Planskizze: Der auf der Karte des Bauamtes markierte Streifen an der Sternfelder Straße steht als Bauland zur Diskussion. © Foto: MOZ/Daniela Windolff
Daniela Windolff / 15.02.2018, 06:00 Uhr
Angermünde (MOZ) Mit knapper Mehrheit entschieden sich die Mitglieder des Hauptausschusses gegen die Ausweisung eines Baugebietes in der Sternfelder Straße. Dafür müsste ein bisher ungenutztes Teilstück des Angermünder Tierparks gerodet werden. Das letzte Wort ist jedoch noch nicht gesprochen.

Angermünde braucht Bauland, um die wachsende Nachfrage nach Eigenheimstandorten in der Kernstadt zu befriedigen, ehe Interessenten in die Nachbarstadt Schwedt abwandern. Mit diesem gewichtigen Argument geht die Stadtverwaltung in die Offensive und will aus einem bisher brach liegenden Waldstück im hinteren Teil des Tierparks ein Baugebiet für neun Eigenheimparzellen entwickeln. Bürgermeister Frederik Bewer brachte in Abstimmung mit den Fraktionsvorsitzenden der Stadtverordnetenversammlung (SVV) einen Beschlussantrag in die Diskussion, der inzwischen jedoch für Kontroversen sorgt.

Für das Baugebiet Sternfelder Straße spricht, dass es stadteigenes Land ist und somit langwierige und kostspielige Kaufverhandlungen wie beim aktuellen Baugebiet Oderberger Straße entfallen, dass es bereits teilweise erschlossen ist inklusive Straßenanbindung und sich dadurch kurzfristig und kostengünstig als Wohnungsbaugebiet entwickeln ließe.

Doch die Argumente gegen diese Pläne, die der Nabu-Regionalverband, der Tierparkförderverein, Abgeordnete und Bürger vortrugen, sind mindestens ebenso gewichtig. Um dort Häuser bauen zu können, müssten viele Bäume und Unterholz in dem Waldstück gerodet werden, das sich in Jahrzehnten ungestört zu einem wertvollen Biotop entwickeln konnte. Da die Stadt in diesem Areal des Tierparks mit der Baumpflege und Verkehrssicherung nicht hinterherkam, ist es seit Jahren nicht mehr betretbar.

Die Baumfällungen im Zuge von Bebauungen hätten zur Folge, dass einerseits die Tierparkfläche unwiderbringlich schrumpfen und für perspektische Entwicklung nicht mehr zur Verfügung stünde. Andererseits würde wertvolles, artenreiches Stadtgrün und mit ihm eine wichtige Pufferzone verschwinden, die den Park vor Lärm und Schadstoffen der nahen vielbefahrenen Straßenkreuzung Puschkinallee/B2 und der benachbarten Gewerbegebiete schützt. Schließlich wäre auch der übrige, ausgedünnte Baumbestand bei Sturm viel windbruchgefährdeter.

Nachdem der Nabu-Regionalverband darauf in seiner Stellungnahme verwies, nutzte Melanie Stodtmeister, Vorsitzende des Tierparkfördervereins, das ihr eingeräumte Rederecht in der Ausschussberatung für ein leidenschaftliches Plädoyer zur Rettung des Tierparks in seiner jetzigen Form. Pro Jahr würden rund 30 Bäume im Park aus Alters- und Sicherheitsgründen gefällt und bisher nicht nachgepflanzt, weil im Wäldchen genug natürlicher Nachwuchs aufwächst, der nun jedoch teilweise gefällt werden soll. Forstexperten hätten zudem gewarnt, dass durch die Rodung das gesamte empfindliche Bodengeflecht zerstört, der Grundwasserspiegel beeinträchtigt und der Wald in einigen Jahren allmählich verschwinden würde. "Der Schaden an der Natur rächt sich erst viel später und betrifft dann nicht nur die, die ihn zu verantworten haben", betont Melanie Stodtmeister. Außerdem warnt sie vor möglichen Klagen potenzieller Anwohner über Gestank und Lärmbelästigung aus dem Tierpark und erinnert an das Beispiel Espelkamper Weg. Auch dort hätten Anwohner wegen des Lärms vom benachbarten Schulsportplatz geklagt, obwohl der schon da war, als die Häuslebauer dort hinzogen. Sie lud die Abgeordneten zu einem Vor-Ort-Termin in den Tierpark ein.

Bürgermeister Bewer erklärte, dass die Verwaltung alle Argumente und Bedenken sammle, um sie abzuwägen und danach zu entscheiden, ob eine Bebauung möglich ist und ein Bebauungsplan aufgestellt werden könne oder ob der Prozess gar nicht erst begonnen werden soll. Alle Vorschläge müssten erlaubt sein. Der Hauptausschuss empfiehlt Letzteres. Die endgültige Entscheidung wird die SVV am 28. Februar fällen.

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