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Finanzierungszusage des Bundesverkehrsministeriums für Ersatzneubau dennoch mit Erleichterung aufgenommen

Kannenburg
Schleusensperre kostet Arbeitsplätze

Irreparable Schäden: Seit Dezember 2017 ist die Kannenburger Schleuse wegen gravierender Mängel gesperrt. Mittlerweile hat das Bundesverkehrsministerium zugesagt, einen Ersatzneubau zu finanzieren.
Irreparable Schäden: Seit Dezember 2017 ist die Kannenburger Schleuse wegen gravierender Mängel gesperrt. Mittlerweile hat das Bundesverkehrsministerium zugesagt, einen Ersatzneubau zu finanzieren. © Foto: MOZ/Martin Risken
Martin Risken / 15.02.2018, 06:08 Uhr
Zehdenick/Templin (MOZ) Eine Interimslösung zur zeitweisen Öffnung der wegen irreparabler Schäden gesperrten Kannenburger Schleuse wird es nicht geben. Eine entsprechende Bitte von Zehdenicks Bürgermeister Arno Dahlenburg (SPD) wies Peter Münch vom Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Eberswalde am Dienstagabend in Templin zurück.

Dabei mehren sich die Stimmen, die eine Übergangslösung fordern, um größeren Schaden von der Tourismuswirtschaft in der Region abzuwenden. Voraussichtlich zwei Jahre werden Planung und Errichtung eines Ersatzneubaus dauern und nichts anderes wird vom WSA derzeit favorisiert, machten deren Vertreter bei der Informationsveranstaltung in der Kurstadt deutlich. Zu dieser hatte Templins Bürgermeister Detlef Tabbert (Die Linke) eingeladen. Rund 60 Vertreter von Behörden, Vereinen und aus der Tourismuswirtschaft waren der Einladung gefolgt. Anderthalb Stunden wurde informiert und diskutiert.

Die Nachricht, dass sich das Bundesverkehrsministerium bereit erklärte habe, den Ersatzneubau zu finanzieren, stieß allgemein auf Erleichterung. Die Wassertourismus-Initiative Nordbrandenburg (WIN) sprach gar von einem guten Tag für Wassertourismus und Wirtschaft in der Region. Julia Pollok vom WIN-Projektbüro Hennigsdorf, verteilte eine Pressemitteilung. In dieser fordert der Chef der Wirtschaftsförderung in Oberhavel, Andreas Ernst, dass die Zeit bis zur Wiedereröffnung der Schleuse überbrückt werden müsse.

Die Antwort auf den Antrag des WSA kam so blitzschnell aus dem Bundesverkehrsministerium, dass die Chefetage des Wasser- und Schifffahrtsamtes das erst einmal verdauen müsse, so Peter Münch. Was sonst Monate dauern würde, ging nun binnen 14 Tagen. Ähnlich schnell arbeitete die Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt in Bonn. In nur einer Woche wies die Bundesbehörde in einer Kosten-Nutzenanalyse dem Ministerium nach, dass sich der Ersatzneubau der Schleuse rechne, und zwar in einem Verhältnis von eins zu drei. Jeder investierte Euro generiere drei Euro an Einnahmen aus dem Wassertourismus. Für so eine Analyse benötige die Behörde normalerweise Monate, erklärte Sebastian Dosch vom WSA.

Rainer Schimke, Chef der Firma Bibertours, die am Röddelinsee 13 führerscheinfreie Flöße vermietet, steht derweil wegen der Schleusenschließung vor den Trümmern seiner Existenz. 95 Prozent seiner Kunden kommen über die Havel oder wollen das Revier jenseits der Schleuse Kannenburg im Raum Himmelpfort/Fürstenberg bis hinauf zur Müritz erkunden. Charterverträge, die für die anstehende Saison bereits geschlossen wurden, müsse er jetzt rückabwickeln, Anzahlungen zurückerstatten. "Wir können unseren Geschäftsbetrieb erst einmal einstellen", klagte Schimke am Dienstag sein Leid. Die Konsequenz: Zwei Mitarbeitern wurde die Kündigung ausgesprochen. Wie er seine Kredite bedienen soll, ist dem Geschäftsmann aus Hindenburg ein Rätsel. Der brandenburgische FDP-Bundestagsabgeordnete Prof. Martin Neumann fordert eine pragmatische Lösung für das Bauwerk: "Für den Wassertourismus im westuckermärkischen Seengebiet ist die Schleuse von zentraler Bedeutung. Sie einfach zu sperren, ohne für Tourismusgewerbe und Touristen eine Alternative anzubieten, ist keine Lösung und nicht akzeptabel. Ich erwarte vom Bund, dass er sich um eine Lösung bemüht, die eine Sanierung während des laufenden, eingeschränkten Schiffsbetriebs ermöglicht."

Im nächsten Schritt erwartet die Stadt Templin, dass das Bundesverkehrsministerium grünes Licht gibt, damit die Stadtverwaltung der Kurstadt die Planung des Ersatzneubaus übernehmen kann. So soll das Bauvorhaben beschleunigt werden, kündigte Fachbereichsleiterin Thekla Seifert von der Stadt Templin an. WSA-Chef Münch zeigte sich optimistisch, dass mit dem Ersatzneubau die Schleusenkapazität nahezu verdoppelt werden könne. Von zurzeit rund 7 000 Fahrzeugen auf rund 15 000. Außerdem wollen die Templiner eine Möglichkeit schaffen, damit Fußgänger und Radfahrer den Schleusenbereich künftiger einfacher überqueren können.

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