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Selbstverteidigungskurs für Frauen trifft sich derzeit immer freitags im Rofin-Gewerbepark

Selbstverteidigung
Raus aus dem Würgegriff

Marco Marschall / 15.02.2018, 06:20 Uhr
Eberswalde (MOZ) Judo und Karate sind was für Sportwettbewerbe. Frauen, die sich gegen Übergriffe verteidigen wollen, kommen zum Kurs von Bujinkan Eberswalde. Dort ist traditionelle japanische Kriegskunst der Schlüssel, um sich erfolgreich zu wehren.

Freitagabend im Rofinpark. Es ist stockfinster. Wer das alte Industriegelände in Finow zu später Stunde aufsucht, ist gut beraten, einen Selbstverteidigungskurs belegt zu haben. Hinter jeder Ecke kann hier das Unheil lauern. In Haus 57 ist die wehrhafte Frau an der richtigen Adresse. Dort wird ab 18 Uhr trainiert. Im Raum in der oberen Etage hängen Schwerter, Speere und Stöcker an der Wand. Der Boden ist zum Großteil mit Matten ausgelegt.

Dabei darf sich ein Samurai eigentlich nicht auf weichen Untergrund verlassen. Das unterscheidet ihn unter anderem vom Judoka. "Judo ist entwickelt für die Matte", sagt Michael Krause(49). Genauso wie mit Karate handele es sich um einen Sport. Mit Selbstverteidigung habe das nichts zu tun. Um auf hartem Grund keine Verletzung davonzutragen, trainieren die Mitglieder von Bujinkan daher auch zu rollen statt zu fallen.

Seit 1991 ist die Kampfschule eine Unterabteilung des Eberswalder Sportclubs. 40 Leute trainieren dort. Zur Hälfte sind es Kinder. Der Selbstverteidigungskurs speziell für Frauen wird zum vierten Mal angeboten. Sechs bis acht Teilnehmer waren es in der Vergangenheit. Diesmal gibt es sogar elf Anmeldungen von Frauen jeden Alters.

Regina Speer ist 77 und am Freitag als Erste im Trainingsraum. "Ich bin öfter abends unterwegs, komme im Dunkeln nach Hause und man weiß ja nie", sagt sie. Kursleiter Michael Krause berichtet die Rentnerin, dass sie Zuhause mit ihrem Mann geübt habe, sich aber aus seinen Griffen nicht befreien konnte. Krause erklärt ihr, es gerade am Anfang nicht zu übertreiben. Schließlich haben alle erst eine Trainingseinheit hinter sich. Vieles muss sich noch festigen.

Bevor trainiert wird, gibt es eine Theorie-Einheit. Thema diesmal: Katastrophenschutz. Wie sorge ich vor? Was sollte ich Zuhause lagern? Wie bewahre ich Ruhe? Michael Krause unterweist die Anwesenden nicht allein, sondern zusammen mit Thorsten Schmidt (55).

Nach einer Erwärmung geht es schließlich zur Sache. Die Lektion der Vorwoche wird wiederholt. Wie befreie ich mich vom Griff an die Handgelenke? Die Übungsleiter machen es vor. "Haltet Blickkontakt", sagt Michael Krause. Mit kurzer Armbewegung hat er sich aus dem Griff seines Kompagnon befreit, geht einen Schritt zurück und schiebt die Hand nach vorn. Dann sind die Damen dran, immer mit wechselnden Partnern. Schmidt und Krause gehen reihum und verbessern die Bewegungsabläufe.

Es folgt die Abwehr eines frontalen Würgegriffs. Die Abfolge ähnelt der vorangegangenen. Auch diesmal erfolgt wieder der Schritt zurück, die Hand schiebt sich vor. Nun aber sollen die Frauen auch ihre Stimme benutzen. "Stopp", ruft Krause so laut, dass alle kurz zusammenfahren. Ein Effekt, der im Idealfall auch beim wahren Täter eintritt. "Mütter können das in der Regel besser. Sollten sie zumindest", sagt Krause als er die Frauen dazu animiert, mehr Kraft in die Stimme zu legen.

Zwei Stunden wird im Rofin-Park trainiert. Dann ist Schluss für diese Woche. Die Übungsleiter hoffen, den Teilnehmern ein Werkzeug mehr an die Hand gegeben zu haben, sich nicht hilflos zu fühlen.

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