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Kontroverse um Friki-Pläne

Eingang von Friki Storkow GmbH
Eingang von Friki Storkow GmbH © Foto: MOZ/Bernhard Schwiete
Bernhard Schwiete / 15.02.2018, 06:45 Uhr - Aktualisiert 15.02.2018, 14:18
Kolpin/Storkow (MOZ) Gegen das Bebauungsplanverfahren für den Geflügelfleischproduzenten Friki zwischen Kolpin und Storkow regt sich Protest. Ein Tierschutz-Bündnis lädt für Dienstag zu einer Info-Veranstaltung ein. Das Unternehmen wiederum wirft dem Bündnis vor, falsche Zahlen zu nennen.

Im gesamten Stadtgebiet von Storkow hat das Bündnis Tierfabriken-Widerstand plakatiert. Stilisierte geschlachtete Hühner sind auf den Aushängen zu sehen, und angekündigt wird eine „Informationsveranstaltung“. Indes werden auf den Plakaten auch die Hintergründe für diese Zusammenkunft, die am Dienstag, 19.30 Uhr, im Friedensdorf stattfindet, deutlich. Um „Protest“ geht es. Hintergrund ist das laufende Bebauungsplanverfahren der Gemeinde Reichenwalde für das Friki-Areal. Nach Darstellung das Unternehmens geht es dabei lediglich um Rechtssicherheit für den Standort. Denn bislang existiert für die bestehenden Flächen kein Bebauungsplan.

Das Bündnis wiederum wirft dem Unternehmen vor, es gehe in Wahrheit um eine Produktionserhöhung. Friki wolle die Schlachtkapazität von 2460 auf 3100 Tonnen pro Woche erhöhen, heißt es auf dem Plakat und in einer Pressemitteilung. Friki-Geschäftsführer Bernhard Lammers wiederum wirft dem Tierfabriken-Widerstand vor, die Öffentlichkeit damit in die Irre zu führen. „Wir haben vom Landesumweltamt eine Genehmigung für maximal 2460 Tonnen pro Woche, das ist korrekt“, sagt er. „Wir schlachten bislang aber nur etwa 1800 bis 2000 Tonnen.“ Die Maximalzahl werde man voraussichtlich erst im Jahr 2022 erreichen. Noch höhere Zahlen hält Lammers für völlig aus der Luft gegriffen. Erst in zehn Jahren werde derartiges womöglich aktuell. „Mehr Hühner sind gar nicht da“, sagt er. Auf der anderen Seite fürchtet das Bündnis, in der Umgebung könnten neue Mastanlagen entstehen.

Der neue Bebauungsplan gibt Friki die Möglichkeit, auf dem Betriebsgelände weitere Gebäude zu errichten. Auch das ist nach Schilderung von Lammers aber nichts neues. „Wir haben schon immer gebaut, zurzeit laufen Arbeiten für eine neue Kommissionierhalle“, schildert er. Räumlich erweitert werden solle der Standort lediglich um einen etwa 20 Meter breiten Streifen. Dadurch soll eine neue Zufahrt für Lastwagen ermöglicht werden. „Bisher ist das ein Nadelöhr, es gab auch schon mehrere Unfälle auf unserem Betriebsgelände“, sagt der Geschäftsführer. Der Tierfabriken-Widerstand warnt, dadurch gehe ein angrenzendes Waldgebiet verloren. „Dort stehen nur krüppelige Kiefern“, sagt Lammers. Vom Landesforst, dem das Waldstück gehört, liege bereits eine Zustimmung für die nötigen Baumfällungen vor. Das Bündnis hingegen sieht in der neuen Lkw-Zufahrt auch eine Gefahr für das etwa 700 Meter entfernte Naturschutzgebiet „Binnendüne Waltersberge“ in Storkow.

Die Gemeindevertretung von Reichenwalde hat das Bebauungsplanverfahren in den bisherigen Schritten positiv beschieden. Argumentiert wird in den entsprechenden Unterlagen unter anderem mit den etwa 400 Arbeitsplätzen, die Friki bietet. Bei der Informationsveranstaltung am Dienstag will das Bündnis Tierfabriken-Widerstand „Auswirkungen auf Menschen, Tiere, Natur und Umwelt sowie Möglichkeiten zur Verhinderung der Schlachthoferweiterung“ beleuchten.

Von Friki wird kein offizieller Vertreter anwesend sein, wie Lammers ankündigt. „Das gäbe nur böses Blut“, sagt er. Gleichzeitig schickt er eine Warnung voraus. „Stillstand ist Rückschritt. Jedes erfolgreiche Unternehmen muss mit  moderatem Wachstum planen.“ Sei das am Standort nicht möglich, bliebe alternativ nur, woanders hin zu gehen. Friki gehört zur niederländischen Plukon-Gruppe mit  13 Produktionsbetrieben.

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Katja Keller 15.02.2018 - 11:11:42

Zahl stammt aus den offiziellen Unterlagen

Der Artikel klingt so, als ob Tierfabriken-Widerstand sich die Zahl von 3.100 Tonnen ausgedacht hätte. Dabei steht die mehrfach in den Unterlagen zum Flächennutzungsplan; der Link dazu war auch auf Website und in der Pressemeldung angegeben. Wörtlich heißt es in der Begründung zum neuen Bebauungsplan: "Zudem vollzieht sich ein Wandel bei der Broilermast. Die Tiere werden auf ein höheres Gewicht gemästet und neue Produktlinien wie die extensiv betriebene Fairmast mit anderen Rassen und deutlich längerer Haltungsdauer erfordern neben zunehmendem Platzbedarf für eine effektive Auslastung der bestehenden Ausrüstung unter Beibehaltung der genehmigten Schlachtzeiten die Erweiterung der Schlachtkapazität auf ca. 3.100 Tonnen je Woche." Vor diesem Hintergrund sind die Aussagen von Herrn Lammers sehr verwunderlich. Ein offener Brief von Tierfabriken-Widerstand an die Firma inklusive der Quellen ist hier: https://tierfabriken-widerstand.org/falsche-zahlen-offener-brief-an-friki-storkow/

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