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Politik bemüht sich vergeblich um Beschleunigung des Straßenausbaus / Baufirma kündigt spätere Fertigstellung als geplant an

Vollsperrung
B198-Ausbau könnte noch länger dauern

Spurerweiterung: Auf der gesperrten Bundesstraße 198 wird der erste dreispurige Abschnitt langsam sichtbar.
Spurerweiterung: Auf der gesperrten Bundesstraße 198 wird der erste dreispurige Abschnitt langsam sichtbar. © Foto: MOZ/Oliver Voigt
Michael Dietrich / 15.02.2018, 07:30 Uhr - Aktualisiert 15.02.2018, 13:52
Ziethen (MOZ) Die Vollsperrung zum Ausbau der B 198 zur Autobahn könnte noch länger dauern als die geplanten 15 Monate. Jetzt hat die Baufirma erklärt, dass die Straße voraussichtlich erst später fertig wird, von Juni 2019 ist die Rede. Schuld daran soll der Auftraggeber sein: das Land.

Die Baufirma Matthäi sieht sich völlig zu Unrecht in der Kritik für die lange Bauzeit und Sperrung der B 198. Bauzeit als auch die Bauweise unter Vollsperrung seien Vorgaben des Auftraggebers. "Diese Entscheidungen und deren Konsequenzen für die Verkehrsteilnehmer liegen außerhalb unserer Einflussmöglichkeiten und haben deshalb nichts mit der Bauleitung zu tun", erklärt die Firma Matthäi auf die Kritik des MOZ-Lesers und ehemaligen Unternehmers Dieter Kolb. Der hatte behauptet: "Jeder durchschnittliche Bauleiter zieht das in ein paar Monaten durch, andere bauen in dieser Zeit Autobahnabschnitte."

In dem Schreiben wirft Matthäi dem Landesbetrieb vor, das Baufeld nicht zum vorgesehenen Termin übergeben zu haben, sodass die Arbeiten erst erheblich später starten konnten. Außerdem habe die Straßenbauverwaltung Vorschläge der Firma zur Beschleunigung des Bauablaufs abgelehnt. "Infolgedessen wird sich die Fertigstellung der Bauarbeiten voraussichtlich weiter nach hinten verschieben. Die Verkehrsteilnehmer werden daher leider über das ursprünglich vorgesehene Bauzeitende Ende 2018 beeinträchtigt", schreibt der Rechtsanwalt der Baufirma. Ein entsprechendes Schreiben ging auch an den Landesbetrieb Straßenwesen. Darin soll bereits von Juni 2019 als neuer Termin die Rede sein.

Damit würde das Bauvorhaben und die angeblich unvermeidliche Vollsperrung auf die Dauer von 21 Monaten anwachsen.

Bisher war geplant, dass die B 198 zwischen dem Abzweig L 200 und Groß Ziethen bis Dezember 2018 ausgebaut ist. Die Strecke ist knapp fünf Kilometer lang, davon werden 3,6 Kilometer dreispurig ausgebaut, der Rest mit neuer Decke aufgefrischt. Zurzeit baut Matthäi auf dem Abschnitt vor Klein Ziehten den ersten dreistreifigen Abschnitt für eine Überholspur in Richtung Autobahn. Ab Mai ist dann die zweite Strecke zwischen den beiden Ziethen-Dörfern für die Überholspur Richtung Angermünde geplant. Schon die angekündigte Bauzeit von 15 Monaten hatte die Gemüter in Schwedt und Angermünde erhitzt, zu Krisengesprächen zwischen Wirtschaft und Verkehrsministerin Kathrin Schneider, Protestbriefen und immer wieder kritischen Anfragen von Abgeordneten geführt.

Zuletzt hatte sich Bundestagsmitglied Jens Koeppen (CDU) für eine Verkürzung der Vollsperrung eingesetzt.

Die Antwort von Ministerin Kathrin Schneider: "Die Vollsperrung wird voraussichtlich bis zum vertraglichen Bauende am 14. Dezember andauern. Nach heutigem Stand sind eine Verkürzung der Bauzeit und Vollsperrung nicht absehbar."

Kommentar

Die paar Kilometer Straßenbau auf der B 198 sollen also nicht nur unvorstellbar lange dauern, sondern sogar noch länger. Was kommt nach unvorstellbar? Science Fiction? Wird unsere Bundesstraße 198 jetzt zum BER der Uckermark und ihr Ausbau, wenn er denn in ferner Zukunft fertig werden sollte, wird dann ebenso zu klein und unrentabel sein und nichts anderes als eine Lachnummer?Der das sagt mit der drohenden Verschiebung der Fertigstellung ist zufällig der, der die Straße baut. Die Baufirma müsste es eigentlich wissen. Oder pokert sie nur, dass ihr das Land ein paar Euro mehr 'rüberschiebt für ein doch noch pünktliches Bauende? Fakt ist, dass der Druck auf Infrastruktur-Ministerin Kathrin Schneider immer mehr wächst.Der BER sollte eine Milliarde Euro kosten und 2012 starten. Jetzt ist von sechs Milliarden und 2020 die Rede. Okay, ist 'ne Nummer größer als die B 198 mit 6,5 Millionen Euro. Aber ist das Land jetzt auch schon mit dem Bau eines Stücks Straße überfordert? Michael Dietrich

BER 198

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Peter Müller 11.10.2018 - 22:45:15

Einfach nur erbärmlich...

Da kreißt der Berg und gebar eine Maus... Wie viele Kilometer hat der Bauabschnitt? Es ist unfassbar, was man allen da zumutet. Hat sich mal jemand Gedanken darüber gemacht, wie viel Geld, Arbeitszeit und Ressourcen durch diese Unfähigkeit in Planung und Durchführung verloren gehen? Ob diese Form der Baumaßnahmen (Sparvariante anstatt eines richtigen Autobahnzubringers) sinnvoll ist, sei dahingestellt. Schon allein die Dauer ist ein Witz. Da hat man wohl wieder die billigsten Anbieter genommen, ungeachtet ihrer Fähigkeiten. Die Kosten für die Leute, die lange Umwege fahren müssen, übersteigen wahrscheinlich um einiges die Kosten der gesamten Maßnahme. Diese Kosten sollten mal die Leute bezahlen müssen, die so einen Mist verzapft haben. Es ist einfach nur zum Erbrechen, wie man die Bürger und die Betriebe behandelt.

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