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Bei Investitionen in das verarbeitende Gewerbe lässt die Uckermark alle anderen Kreise hinter sich

Investitionen
Platz 1 im Deutschland-Vergleich

Hier fließen Geld und Öl: Die Schwedter Raffinerie erhält in den nächsten Jahren rund 400 Millionen Euro für Investitionen.
Hier fließen Geld und Öl: Die Schwedter Raffinerie erhält in den nächsten Jahren rund 400 Millionen Euro für Investitionen. © Foto: MOZ/Oliver Voigt
Oliver Schwers / 15.02.2018, 07:30 Uhr - Aktualisiert 15.02.2018, 14:40
Schwedt/Angermünde (MOZ) Die Nachricht kommt unerwartet: Im Deutschlandvergleich liegt die Uckermark auf Platz 1 bei allen Investitionen im verarbeitenden Gewerbe. Große Unternehmen stecken enorm viel Geld in bestehende Standorte. Die IHK bewertet das als hohen Vertrauensbeweis.

Herausgefunden hat das der Focus-Money-Landkreis-Test. Er vergleicht die Wirtschaftskraft der Landkreise und kreisfreien Städte in Deutschland anhand mehrerer Kriterien, darunter Arbeitslosenquote, Bruttoinlandsprodukt, Einkommen, Erwerbstätigen- und Bevölkerungszahl. Die Daten stammen von den statistischen Landesämtern. Überraschung: Ausgerechnet bei den Investitionen im verarbeitenden Gewerbe - im Verhältnis zur Beschäftigtenzahl - landet die Uckermark bundesweit auf dem ersten Rang. Der eigentlich landwirtschaftlich geprägte Kreis lässt alle prosperierenden Industriestandorte und Konjunktur-Hochburgen hinter sich.

Das Ranking könnte als Barometer für ein äußerst wirtschaftsfreundliches Klima gelten. "Das Ergebnis zeigt die Attraktivität der Standorte und das Vertrauen der Unternehmen in die Konjunktur", sagt Jörn Klitzing von der IHK. Hinter dem ersten Platz stecken die enormen Investitionen der großen Industrieschwerpunkte. Die Schwedter PCK-Raffinerie dürfte maßgeblich daran mitwirken, ebenso die Papierfabrik. Doch auch in Prenzlau haben führende Standortentscheidungen wie der Neubau des Autoteilezulieferers Boryszew oder Aleo dazu beigetragen.

Hat die Uckermark damit die teuersten Arbeitsplätze Deutschlands? Jörn Klitzing will das so nicht sehen. Denn auch beim Bruttoinlandsprodukt holt der Kreis weiter auf und kommt im Deutschlandvergleich auf einen sehr guten Platz 47 von insgesamt 381 betrachteten Städten und Landkreisen. "Das heißt, dass hier nicht nur hohe Investitionen stattfinden, sondern dass sie auch sehr gut umgesetzt werden. Wir finden zum Beispiel im PCK einen enormen Umsatz an Produkten." Bei der Bewertung des Rankings wirkt die Investitionsfreudigkeit doppelt: Denn Unternehmen vertrauen auf den Standort Uckermark, obwohl gerade hier die Bevölkerungsdichte gering und die Beschäftigtenzahl niedrig sind.

Nicht hinwegtäuschen kann der Wirtschaftsvergleich aber über die hohe Arbeitslosigkeit (letzter Platz) und über ein geradezu miserables verfügbares Einkommensniveau (Platz 370). Durchschnittlich verdient jeder Einwohner lediglich 17 000 Euro im Jahr - Schlusslicht nicht nur in Brandenburg, sondern auch eine der roten Laternen im Deutschlandtest.

Für die IHK bleibt das Investitionsklima jedoch der größte Sonnenschein auf dem Konjunkturbarometer. Dies festige die Wirtschaftskraft, sichere Arbeitsplätze und schaffe neue, so Klitzing. Tatsächlich haben die überdurchschnittlichen Investitionen großer und mittlerer Firmen im Kreis dazu geführt, dass die Uckermark im Gesamtwirtschaftsvergleich vom hinteren Platz 367 im Jahre 2016 auf einen mittleren Platz 235 vorschnellte. Was bedeutet das für die Wirtschaftsförderer? "Man muss zum Beispiel bei Infrastrukturförderungen das Kosten-Nutzen-Verhältnis im Kopf haben", erklärt Jörn Klitzing. Selbst bei wenigen Betrieben lohnen sich eben größere Investitionen in Straßen, zum Beispiel in die B 198.

Nur ein Phänomen lässt sich auch mit dem statistischen Vergleich nicht begründen: Obwohl vorhandene Unternehmen weiter kräftig umbauen, ausbauen und sanieren, finden reine Neuansiedlungen nur schwer den Weg in die Uckermark.

Kommentar

Vielleicht lenkt das Ranking endlich einmal den stärkeren Blick der Politik und der brandenburgischen Wirtschaftsförderung auf die Uckermark. Inmitten von Rapsfeldern stehen nicht zu unterschätzende Industrie-Hochburgen, die einen starken Anteil an der Wertschöpfung hinlegen.Deren Eigentümer haben offenbar mehr Vertrauen in den Wirtschaftsstandort als die Infrastruktur-Lenker im Bund und im Land. Bei deren Entscheidungen über neue Straßen, Eisenbahnwege und Schifffahrtskanäle erntet die Region regelmäßig schele Blicke. Der Rotstift streicht die Gelder zusammen - am Ende kommen halbe Lösungen wie eingleisige Bahnlinien und fehlende Überholstrecken heraus.Am wichtigsten wäre es jedoch, wenn sich wirtschaftsfreudiges Klima überregional herumspräche. Dafür muss mehr getan werden. Nur so gelingt es, auch neue Firmen anzusiedeln. Das stärkt den Standort weiter und schafft Arbeit.Oliver Schwers

Vertrauen in den Standort

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