Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Zechiner Landwirtschaftsbetriebe Ago und Mila planen jetzt Vorsorgemaßnahmen bei Oderwiesenrindern

Wolf
Kalb im Polder gerissen

Ulf Grieger / 15.02.2018, 07:33 Uhr
Zechin/Genschmar (MOZ) Die Zechiner Landwirtschaftsbetriebe Ago und Mila beklagen den ersten Kälberverlust durch Wolfsangriff. Eine Gutachten hat bestätigt, dass das frisch geworfene Kälbchen vom Wolf angegriffen wurde. Jetzt suchen die Betriebe nach Vorsorgemaßnahmen.

Für die rund 750 Tiere, die jetzt in der Wintersaison auf ihren Weiden im Sophienthaler Polder stehen, hat die Abkalbezeit begonnen. Die Kühe der Rasse Uckermärker brauchen dafür eigentlich keine große Hilfe. Wenn der Wurftermin heran ist, dann zieht sich die werdende Mutterkuh vom Gros der Herde zurück, um zu kalben. Das ist ein sensibler Moment. Denn die Kuh ist in dieser Zeit nicht von der Herde geschützt, die sich bei Gefahr sonst sofort versammelt und die Jungtiere in die Mitte nimmt.Das hat einer der Wölfe, die in den nahen polnischen Wäldern jenseits der Oder ihre Reviere haben und durchs Oderbruch ziehen, um neue Revier zu erschließen, ausgenutzt. Als die Rinderhirtinnen, die die drei Herden betreuen, das tote Kälbchen fanden, hat Enrico Krüger, Vorsitzender der Genossenschaft und Chef der Mila, zunächst einen Wolfsspezialisten des Landesumweltamtes den Fall prüfen lassen. Der betätigte, dass ein Wolf dem Kälbchen die Wunden am Hals und am Hinterteil zugefügt hat. Nicht mehr beweisen lässt sich, ob das Kälbchen anfangs noch gelebt hat.

Vor dem Landwirtschaftsbetrieb steht nun die Aufgabe, Vorsorgemaßnahmen zu treffen. Denn das Abkalben hat gerade erst begonnen und dauert rund drei Monate. Zunächst müssen die Weidezäune verstärkt werden. An statt der zwei werden nun vier stromführende Leitungen eingebaut. Bei Weidengrößen von 40 bis 50 Hektar eine kostspielige Angelegenheit. "Wenn wir das aber nicht machen, dann können wir keine Hilfe und Schadensersatz verlangen", erklärt Enrico Krüger. Am Freitag hat der Firmenchef ein Beratungsgespräch zum Thema Wolfsmanagement und Vorsorge.

Viele Varianten bieten sich für eine wirksame Prävention bei dem extensiv wirtschaftenden Betrieb nicht an. Schließlich hat er Auflagen aus dem Vertragsnaturschutz zu erfüllen, kann bestimmte Fläche nur zu genau festgelegten Zeiten beweiden lassen. Während in grauer Vorzeit die Dörfer noch Kuhhirten hatten, die mit den Tieren auf die Weiden zogen, bleiben die Uckermärker-Herden vor allem nachts auf sich gestellt. Die "Cowgirls" der Mila starten zwar bereits in den Morgenstunden ihre Kontrollfahrten. Aber für eine kalbende Kuh im Abseits des großen Geländes können auch sie einen Wolfsangriff nicht verhindern. Die vom Land angepriesene Variante, speziell gezüchtete Hütehunde mit in die Herde zu geben, ist auch nicht ganz problemlos, erklärt Enrico Krüger. Denn diese Hunde verteidigen natürlich die Herde auch gegen jeden anderen Eindringling. Wenn das Angler sind, die sich für gewöhnlich von keinen Schildern abschrecken lassen, um an ihre Lieblingsbuhne zu kommen, werden sie genauso von den Hütehunden angegriffen wie Kinder der Touristen, die vom Deichradweg aus natürlich gern einmal die imposanten Kühe aus der Nähe sehen wollen.

Spezielle Abkalbekoppeln sind bei dieser Haltung der Oderwiesenrinder auch nicht möglich. Schon, weil dann die meisten Kühe drei Monate an der selben Stelle stehen würden. Das wiederum schließt die extensive Haltung aus.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.
Enrico Mielke 15.02.2018 - 13:52:22

Kalb im Polder gerissen

Zu diesem Artikel sollte man sich einige Fragen stellen. Ist es wirklich so das dieses Kalb gerissen wurde? War das Kalb eine Totgeburt und hat schon ein oder mehrere Tage dort gelegen und wurde von Kolkraben, Fuchs, Seeadler und anderen Tieren angefressen? Und was ist mit den DNA Proben die vom Wolfsgutachter genommen wurden? Werden diese Proben nicht gesammelt, zur Universität geschickt und erst dann kann erst gesagt werden ob ein Wolf an dem vermutlich schon toten Tier gefressen hat? Und was ist mit dem anderen Wild wie Reh, Wildschwein usw. die auch dort leben? Werden unsere einheimischen Wildarten von ihren Weidegründen durch einen 1,40 m hohen mit fünf dünnen Litzen bespannten Elektrozaun ausgesperrt? Verletzen sich diese Tiere vielleicht oder erhängen sich sogar wenn sie vor Angler, Radfahrer oder Spaziergänger flüchten? Wie viele Kälber werden denn pro Jahr tot geboren oder sind so lebensschwach das sie nach der Geburt sterben und von anderen Tieren angefressen werden. Mir würden auf der Stelle noch viele Fragen einfallen die beantwortet werden müssen bevor durch eine fette Überschrift Panik verbreitet wird und Aussagen auf weißem Papier stehen die nicht beweisbar sind. Mit freundlichen Grüßen

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG