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A400M-Probleme belasten Airbus-Gewinn

Die A400M gilt als modernster Militär-Transporter der Welt, hatte aber immer wieder Probleme gemacht.
Die A400M gilt als modernster Militär-Transporter der Welt, hatte aber immer wieder Probleme gemacht. © Foto: Wolfgang Kumm/dpa
dpa-infocom / 15.02.2018, 14:15 Uhr - Aktualisiert 15.02.2018, 09:16
Toulouse (dpa) Teure Dauerprobleme bei wichtigen Flugzeugtypen trüben die eigentlich guten Geschäfte des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns Airbus. Beim Militär-Transporter A400M musste das Unternehmen 2017 eine neue Sonderbelastung von 1,3 Milliarden Euro verkraften.

Dennoch konnte Airbus seinen Jahresgewinn unter dem Strich auf 2,9 Milliarden Euro fast verdreifachen. Ein Ertragssprung im Kerngeschäft und die Aussicht auf eine unerwartet hohe Dividende kamen an der Pariser Börse gut an: Dort legten die Airbus-Aktien am Donnerstag bis zum frühen Nachmittag um mehr als 10 Prozent zu.

Zugleich kämpft der Boeing-Rivale im wichtigen Segment ziviler Mittelstreckenjets mit neuen Triebwerksproblemen, die auch die Auslieferungen bremsen. «Das ist nicht schön», räumte Konzernchef Tom Enders bei der Vorstellung der Zahlen in Blagnac bei Toulouse ein.

Antriebe bei einem Teil der Baureihe A320neo drohen während des Flugs auszufallen, Sicherheitsbehörden haben daher Betriebseinschränkungen verhängt. Der Vorstand macht es von der Lösung des Problems abhängig, ob er sein Ziel erreicht, in diesem Jahr 800 Zivilflugzeuge auszuliefern. Das wären so viele wie nie - ein weiterer Schritt im Versuch, den US-amerikanischen Spitzenreiter Boeing einzuholen.

Betroffen von dem Triebwerksärger sind 32 schon ausgelieferte Flugzeuge mit Antrieben des Herstellers Pratt & Whitney (P&W) - bei einem Drittel davon geht es um beide Motoren. Enders bemühte sich aber, Bedenken zu zerstreuen. «Wir sind daran gewöhnt, beim Triebwerksthema Krisenmanagement zu betreiben», sagte er. Nach derzeitiger Planung könnten im April neue Triebwerke geliefert werden, bei denen das Problem gelöst sei.

P&W tritt Airbus schon seit 2016 auf die Füße, weil die Lösung von Hitze- und Softwareproblemen die Auslieferung vieler Jets verzögerte. Dadurch wackelten Airbus' Auslieferungsziele 2017 bis kurz vor Jahresende. Auch derzeit stehen rund 30 praktisch fertige Maschinen ohne Antriebe auf dem Hof. Neben den Triebwerken von P&W habe es auch beim Konkurrenzangebot des Herstellers CFM teilweise Probleme bei der Einsatzreife gegeben, hieß es. Dennoch hatte Airbus im vorigen Jahr mit 718 ausgelieferten Verkehrsmaschinen einen Rekord aufgestellt.

Bei den stark gefragten Mittelstreckenjets der A320-Modellfamilie und ihrer spritsparenden Neuauflage A320neo würde der Hersteller die Produktion sogar gern noch viel mehr ausweiten als bisher gedacht. «Wir sprechen mit den Zulieferern über eine Erhöhung der Produktionsrate auf 70 Maschinen pro Monat», sagte Enders. Im vergangenen Jahr lieferte Airbus monatlich im Schnitt nur knapp 47 Jets der Reihe aus, ab Mitte 2019 sollen es 60 sein.

Bei der Dauerbaustelle A400M hofft Enders, dass Airbus mit den jetzt zur Seite gelegten 1,3 Milliarden das Schlimmste hinter sich hat. Denn das Unternehmen hat sich gerade mit Deutschland und den anderen Käuferstaaten auf eine Absichtserklärung verständigt, den Vertrag zu ändern, um das Risiko neuer Mehrkosten für Airbus zu verringern.

Unter anderem ist ein neuer Zeitplan für Auslieferungen vorgesehen. Das soll helfen, Vertragsstrafen für Verspätungen zu vermeiden.

Die A400M gilt als modernster Militär-Transporter der Welt, hatte aber immer wieder Probleme gemacht. Enders hatte neben Technikärger auch eine «unrealistische Vertragsgestaltung» dafür verantwortlich gemacht und die Käufer zu Zugeständnissen gedrängt - er sprach von einem «Damoklesschwert»», das über dem Konzern geschwebt habe. Nun äußerte er sich zufrieden: «Wir sind über den Berg». Die Vertragsänderung soll noch 2018 in trockene Tücher gebracht werden.

Zu zwei spannenden Fragen zur Zukunft von Airbus hielt das Management sich bedeckt: zu den möglichen finanziellen Folgen der Korruptionsermittlungen in Frankreich und Großbritannien, die das Unternehmen zuletzt erschüttert hatten - und zur Nachfolge von Enders, der im Frühjahr 2019 aus dem Amt scheidet. Dies ist Teil eines Umbaus im Top-Management. Die Nummer zwei, Verkehrsflugzeugchef Fabrice Brégier, übergibt seinen Job schon in der kommenden Woche an den bisherigen Chef der Hubschrauber-Sparte, Guillaume Faury.

Einstweilen geht Enders mit dem Rückenwind guter Zahlen in sein letztes volles Jahr an der Airbus-Spitze. Der Gewinnsprung erklärt sich allerdings auch dadurch, dass der Konzern im Jahr davor noch stärker unter den A400M-Problemen gelitten hatte - damals wurden Sonderbelastungen von 2,2 Milliarden Euro verbucht. Zudem profitierte Airbus vom Verkauf seines Verteidigungselektronik-Geschäfts und von der Entwicklung des Wechselkurses zwischen Euro und US-Dollar.

Doch auch im Kernbereich ging es aufwärts, vor allem die Sparte der Verkehrsflugzeuge konnte dank der gesteigerten Produktion zulegen. Der um Sonderposten bereinigte operative Konzerngewinn wuchs um acht Prozent auf 4,25 Milliarden Euro. Im laufenden Jahr will Airbus ihn um 20 Prozent steigern. Der Umsatz blieb 2017 stabil bei 67 Milliarden Euro. Airbus beschäftigt rund 129.000 Mitarbeiter.

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