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Unreif für eine Ausbildung

Oliver Schwers / 04.11.2015, 19:20 Uhr
Angermünde/Eberswalde (MOZ) Leistungsschwache Jugendliche finden nur schwer einen Ausbildungsplatz. Obwohl Azubis gesucht werden, fallen etliche Schulabgänger weiterhin durchs Raster. Besonders die aus Hartz-IV-Familien. Das ergab eine Analyse des Jobcenters Uckermark.

Die Zahlen sind alarmierend: 356 Schulabgänger hat das Jobcenter Uckermark im Vermittlungsjahr 2014/15 betreut. Doch nur 179 Jugendliche standen einer Ausbildungsvermittlung tatsächlich zur Verfügung. Die übrigen galten als nicht ausbildungsreif. "Alarmierend", sagt Martina Schneider, stellvertretende Behördenleiterin. Immerhin 49 Prozent der Schulabgänger fehlte die persönliche Reife oder eben einfach die Qualifikation, das Berufsleben zu starten. Es geht um solche Voraussetzungen wie Pünktlichkeit, Teamfähigkeit, Sorgfalt, Motivation, Zuverlässigkeit. Und auch um mangelnde schulische Leistungen.

Bei den nicht von Hartz IV betroffenen Familien scheint das genau anders herum zu sein. Die zuständige Arbeitsagentur Eberswalde registriert zwar auch einen Teil nicht ausbildungsreifer Schulabgänger. Doch 90 Prozent sind nach einem berufsvorbereitenden Kurs von zehn Monaten dann fit für den Ausbildungsmarkt, erklärt Maja Teske, Teamleiterin für Berufsberatung.

Die Agentur hat aktuell 196 Plätze in solchen Sondermaßnahmen bestellt. Für die Landkreise Uckermark und Barnim. Hier trainieren Bildungsträger mit den Jugendlichen, kompensieren Defizite in der Persönlichkeitsstruktur, führen sie mitunter an einen geregelten Tagesablauf heran, zu dem eben auch das frühe Aufstehen gehört. Sozialpädagogische Betreuung gehört ebenso dazu wie Stützunterricht für den Berufsschulunterricht.

Allerdings ist die Differenz zwischen Hartz-IV-Elternhäusern und den Familien, die nicht auf öffentliche Stütze angewiesen sind, deutlich. Das Jobcenter reagiert mit einer intensiven Fallbetreuung von Jugendlichen, mit speziellen Projekten, mit Einstiegsqualifizierungen, bei denen Schulabgänger zunächst über betriebliche Praktika Einblicke in den Beruf erhalten. Etwa 50 Prozent der betroffenen Jugendlichen bleiben dann tatsächlich in dem gewählten Job und sogar in dem betreffenden Betrieb.

Ab März startet für 15 Mädchen und Jungen eine assistierte Ausbildung. Sie werden vor dem Lehrstart und auch noch danach von konstanten Ansprechpartnern begleitet. Auf diese Weise will das Jobcenter die immer wieder registrierten Ausbildungsabbrüche vermeiden.

Schulleiter der Uckermark kennen das Problem fehlender Ausbildungsreife. "Wir bekommen jetzt die Zeche dafür, dass wir in den vergangenen Jahren die Kinder immer früher eingeschult haben", so Frank Bretsch von der Ehm Welk-Oberschule in Angermünde. Viele Schulabgänger seien daher gerade mal 16 Jahre alt. Kaum vergleichbar mit dem Entwicklungsstand von 17- oder 18-Jährigen. "In der Entwicklung eines Jugendlichen macht sich ein Jahr extrem bemerkbar", so Bretsch. Außerdem würden den jüngeren bestimmte Ausbildungsberufe mit Altersuntergrenzen gar nicht zur Verfügung stehen. "Die Ausbildungsreife ist nicht immer abhängig von schulischen Leistungen. Und Schule hat nicht immer die Möglichkeiten, die notwendige Praxis anzubieten."

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