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Familie mit behindertem Sohn sucht vergeblich neue Wohnung

Müssen ausziehen: Roman Brieschke mit seinem behinderten Sohn Johannes. Die Familie sucht derzeit erfolglos nach barrierefreiem Wohnraum. Auch die Angebote der Gemeinde sind eher rar. Wohnraum in Oberkrämer ist knapp.
Müssen ausziehen: Roman Brieschke mit seinem behinderten Sohn Johannes. Die Familie sucht derzeit erfolglos nach barrierefreiem Wohnraum. Auch die Angebote der Gemeinde sind eher rar. Wohnraum in Oberkrämer ist knapp. © Foto: Marco Winkler
Marco Winkler / 15.02.2018, 08:15 Uhr
Bötzow (MOZ) Weil ihr Haus abgerissen werden soll, muss eine Bötzower Familie mit ihrem behinderten Sohn umziehen. Doch die Wohnungssuche gestaltet sich schwierig. Auch die unterstützenden Angebote der Gemeinde sind rar. Es mangelt an barrierefreiem Wohnraum in Oberkrämer.

Sie sind die letzten Mieter. Familie Brieschke wohnt seit 1999 in der Dorfaue 1, direkt an der Schönwalder Straße. Nach und nach zogen die anderen Mieter - erst ein Arzt, später ein Tierarzt - aus. Jetzt müssen auch Brieschkes raus. Laut einem Verwaltungsschreiben, das die Familie im Januar erhielt, soll das Haus 2019 abgerissen werden.

Schon vor zwei Jahren wurde der Familie eine Übergangswohnung angeboten, da die Gemeinde in der Dorfaue 1 ein Projekt umsetzen wollte: Wohnen für Jung und Alt. Es hätte ein Prestigeobjekt werden können. Brieschkes lehnten den Vorschlag ab, dachten, es würde sich eine andere Übergangslösung während der Sanierungsarbeiten finden. Das Wohnprojekt ist vom Tisch, seit Januar steht der Abriss im Raum.

Die Gemeinde könne hier wegen des immensen Zuzugs und Anstiegs der Kinderzahlen bei Bedarf eine Erweiterung für den geplanten Hortneubau oder eine Zweigstelle für die Grundschule errichten, so Bauamtsleiter Dirk Eger. Er weiß um die Situation von Brieschkes. „Der Familie muss geholfen werden. Wir werden alle passenden Wohnungen anbieten, die wir haben“, sagt Eger. Doch die seien begrenzt. Die dreiköpfige Familie braucht mindestens drei Zimmer im Erdgeschoss. Eine ebenerdige Wohnung sei gar nicht frei, so Eger. Erschwerend kommt hinzu, dass die Familie Hartz IV bezieht und das Amt die Mietkosten nur bis zu einer gewissen Größenordnung übernimmt. Ein Objekt in Eichstädt wurde der Familie schon angeboten - im dritten Stock. „Wenn die Familie Interesse bekundet hätte, hätten wir einen Liftbauer prüfen lassen, ob ein barrierefreier Zugang möglich ist“, so Eger mit Blick auf den 18-jährigen Johannes Brieschke, der auf einen Rollstuhl angewiesen ist.

Als nächstes besichtigt die Familie Wohnungen in Klein-Ziethen und Vehlefanz. In Bötzow sei keine frei, so Eger. Brieschkes würden aber gern im Dorf bleiben. „Hier hat Johannes sein soziales Umfeld“, sagt Vater Roman Brieschke. Für seinen Sohn sei Vertrautes wichtig. Oma und Cousinen besuchen den geistig behinderten Jungen regelmäßig. Johannes, der auf die Hennigsdorfer Regenbogenschule geht, hat eine Form der Mitochondriopathie. Dahinter versteckt sich eine Fehlfunktion der für die Energiebereitstellung im Körper zuständigen Mitochondrien. Johannes ist schnell kraftlos und anfällig für Krankheiten. Dass die Familie ausziehen muss, ist Roman Brieschke bewusst. Der 49-Jährige hievt seinen 77 Kilogramm schweren Sohn jeden Tag zahlreiche Treppenstufen hoch zur Wohnung. Kein Dauerzustand. Die Familie sucht deshalb selbst nach barrierefreiem Wohnungen - bisher aber ohne Erfolg.

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