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Eine unerhörte Klangwelt

David Bloom (re.) erklärte den Gästen bei einer Sonderführung, wie damals versucht wurde, auf einem Mammutknochen Musik zu machen.
David Bloom (re.) erklärte den Gästen bei einer Sonderführung, wie damals versucht wurde, auf einem Mammutknochen Musik zu machen. © Foto: MZV
Erhard Herrmann / 15.02.2018, 08:20 Uhr
Brandenburg (MOZ) Zu den ersten Spuren künstlerischen Schaffens gehört die Musik. Nur wie die Töne aus den erhaltenen oder rekonstruierten Musikinstrumenten klangen, ist ein spannendes Geheimnis, dem eine Ausstellung im Archäologischen Landesmuseum auf den Grund geht. Wie klangen Knochenflöten, auf denen Menschen in der Altsteinzeit musizierten? Wie hörte es sich an, wenn zu religiösen Festen die Musiker in den Steinkreisen von Stonehenge aufspielten? - die "Archaeomusica" holt musische Themen vergangener Epochen ins Hier und Jetzt. "Welche Melodien erklungen sind, kann man nur erahnen. Natürlich geben die Instrumentenformen Tonhöhe und Lautstärke vor, aber Rhythmus und Notenfolge bleiben aus der Prähistorie, aus der es keinerlei schriftliche Aufzeichnungen gibt, oft ein Mysterium", erklärte Mitorganisator David Bloom bei einer Sonderführung. Die Geige kam im 16. Jahrhundert auf. Das Klavier wurde erst im ausgehenden 17. Jahrhundert erfunden. Die Geschichte des Instrumentenbaus reicht indes weiter zurück, sehr viel weiter. Das älteste je gefundene Instrument stammt aus der Altsteinzeit und wurde wahrscheinlich vom Neandertaler gespielt: Die Knochenflöte aus Slowenien ist 43.100 Jahre alt. Mit jeder Epoche der Menschheitsgeschichte kam ein Material hinzu, das anders klang als alles, was davor existierte. Sogar der Steinzeitmensch war erfinderisch: Aus den Knochen von Mammut-Stoßzähnen oder Geiern machte er Knochenflöten, deren Klang der Piccolo-Flöte ähneln. Bloom machte die Besucher auf ein unscheinbares, längliches, rhombisch geformtes Plättchen aufmerksam. "An der Durchbohrung wird eine Schnur befestigt. Wenn man das dann durch die Luft wirbelt, entsteht ein interessanter Klang. Mit dem sogenannten Schwirrholz wurden die Ahnen herbeigerufen", erzählte der Mitorganisator. Aus dem Jagdbogen entwickelte sich wahrscheinlich das erste Saiteninstrument. All diese Flöten, Trommeln und Saiteninstrumente waren eher leise und erreichten nur die Menschen in naher Umgebung.

"Richtig laut wurde es erst ab der Bronzezeit, als "Blechblasinstrumente' entwickelt wurden. In Nordeuropa wurden 2,40 Meter lange Naturhörner mit großer Reichweite paarweise geblasen", erläuterte Bloom.

Die Ausstellung zeigt 500 Ausstellungsstücke, überwiegend Nachbauten und 80 Originale. Anfassen und Mitmachen ist deshalb bei vielen der Exponate ausdrücklich erlaubt. Empfohlen wird beim Rundgang, den Audioguide zu nutzen. Hier können die Besucher "erhören", wie die Instrumente eventuell geklungen haben. Der Klang der Harfen kann auf echten Saiten oder virtuell auf einem Touchscreen nachgespielt und gehört werden. Videostationen erläutern dabei Bau- und Spielweise der Instrumente.

Die Finissage der "Archaeomusica" findet erst am Sonntag, 27. Mai, statt. Bis dahin haben die Besucher die Möglichkeit zu erleben, wie die Stein- sowie Bronzezeit oder das Mittelalter geklungen haben. Begleitet wird die Ausstellung von Sonderführungen. Die nächste trägt den Titel "Wo man singt, da lass dich ruhig nieder. Musik und Tanz von der Steinzeit bis in das Deutsche Mittelalter" und findet am Sonntag, 25. März, um 15 Uhr statt. Laut und spektakulär wird es dann am Freitag, 13. April. Die Dragon Voices - John Kenny & Patrick Kenny aus Großbritannien - spielen auf prähistorische Hörner aus der Bronze- und Eisenzeit. Beginn ist um 19 Uhr. "Anschauen - Anfassen - Mitmachen"! Heißt es auch in diesem Jahr wieder beim "ARCHÄOVENT" am Samstag, 30. Juni, und Sonntag, 1. Juli, jeweils von 10 bis 17 Uhr.

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