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Wanderausstellung lässt Besucher eintauchen in Schicksale / Sonnabend wird sie 13 Uhr eröffnet

Ausstellung
"Yallah!?" stoppt in Müncheberg

Beim Aufbau: In mehreren Stunden haben Akteure aus dem Team der Ausstellungsmacher, vom Müncheberger Willkommenskreis und aus dem Heimatgeschichtsverein am vergangenen Sonnabend die Wanderausstellung aufgebaut (hier Luise Marbach und Moustafa Yehya).
Beim Aufbau: In mehreren Stunden haben Akteure aus dem Team der Ausstellungsmacher, vom Müncheberger Willkommenskreis und aus dem Heimatgeschichtsverein am vergangenen Sonnabend die Wanderausstellung aufgebaut (hier Luise Marbach und Moustafa Yehya). © Foto: MOZ/Gabriele Rataj
Gabriele Rataj / 15.02.2018, 22:39 Uhr
Müncheberg (MOZ) Am Sonnabend öffnet im Heimatgeschichtsverein eine Wanderausstellung. Müncheberg ist nach Start in Göttingen die östlichste Station, an der "Yallah!?" gezeigt wird. Sie erinnert nicht nur an den Sommer 2015, sie tut es unter dem Blickwinkel gegenwärtig aktueller Entwicklungen.

15 große Aufsteller mit insgesamt 30 Ansichtstafeln gehören zu der Wanderausstellung "Yallah!?" (übersetzt etwa "Lauf los"), die nach Stationen in Göttingen, Kassel und Osnabrück nunmehr in Müncheberg zu sehen sein wird. An zwei Wochenenden, jeweils zwischen 13 und 17 Uhr, und nach Anmeldung auch zu anderen Zeiten kann sie in den Räumen des Heimatgeschichtsvereins besucht werden.

Hergeholt hat sie mit Unterstützung des Landkreises MOL der Willkommenskreis Müncheberg, der überdies eine eigene Komponente beisteuert. In einem Klassenraum läuft ein Einführungsfilm, der im Auftrag des Internationalen Bundes (Betreiber der Gemeinschaftsunterkunft Müncheberg) zu Ankunft, Fluchtgründen und Vorstellungen der Asylbewerber entstand.

Zwei Jahre nach dem Sommer 2015, als sich Menschen zu Tausenden auf die sogenannte Balkanroute begaben, um vor Krieg, Hunger und Verfolgung zu fliehen, soll angesichts aktueller Entwicklungen und eines Rechtsrucks in der Gesellschaft dieses historisch, politisch und humanitär wichtige Moment aus der Sicht Beteiligter festgehalten und gezeigt werden.

"Wir haben so viel Material aus dieser Zeit, das gezeigt werden sollte", nannte Luise Marbach am Sonnabend beim Aufbau einen der Gründe für das Zustandekommen der Ausstellung. Die Hallenserin, die mit anderen beteiligten Künstlern, Fotografen, Filmemachern selbst 2015 lange Zeit auf der Balkanroute half, gehört zur kleinen Crew der Ausstellungsmacher.

Die in diesen Wochen herrschende Stimmung, eine Mischung aus Mut, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit, Wut, Ohnmacht und mehr, habe das Team dabei genauso festhalten wollen wie das ebenfalls innewohnende starke Moment eines Aufbruchs, eines neuen Kapitels.

Die mit zahlreichen Audio-, Video- und Fotoaufnahmen unterlegte Ausstellung macht Gedanken und Gefühle deutlich, lässt teilhaben an Ängsten und Hoffnungen der Flüchtenden. Oft werde nur der Menschenstrom gesehen, weniger das einzelne Schicksal, macht Luise Marbach geltend. Doch mit jedem verbinde sich eine ganz persönliche Geschichte. Diese werde noch verständlicher, wenn man sich selbst fragen würde, wann man eine so schwer wiegende Entscheidung zum Zurücklassen allen Bekannten und Gewohnten treffen würde.

Moustafa Yehya könnte davon erzählen. Der 39-Jährige aus Damaskus, dessen Körper voller Bombensplitter steckt und der unter steten Schmerzen über die Balkanroute mit der Hoffnung nach Deutschland kam, hier behandelt zu werden und danach wieder arbeiten zu können. Er half am Sonnabend beim Aufbau. Er strahlte darüber, seit einer Woche über Bundesfreiwilligendienst beim Internationalen Bund angestellt zu sein.

Es ist dieses menschliche Moment, das bei allen Eindrücken, die die Ausstellung liefert, anrührt und nachdenklich macht. Daher sollte für den Besuch auch einige Zeit eingeplant werden. Die Müncheberger Schulen haben die Chance, sich dafür telefonisch in kleineren Gruppen anzumelden, weisen Inge Clausonet und Martin Frielinghaus vom Willkommenskreis einen Weg, dass Schüler und Lehrer die Wanderausstellung in den Unterricht integrieren können.

Terminabsprachen: Tel. 033432 89887

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