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Voltigieren
Akrobatik auf dem Pferderücken

Akrobatik auf dem Pferd: Seit 1990 ist Kathrin Stein Mitglied im Reit- und Fahrverein „Gutshof Behlendorf“. Jeden Sonntag bringt sie Fienja, Celina, Leonie (v. l.) und anderen Kinder das Voltigieren bei.
Akrobatik auf dem Pferd: Seit 1990 ist Kathrin Stein Mitglied im Reit- und Fahrverein „Gutshof Behlendorf“. Jeden Sonntag bringt sie Fienja, Celina, Leonie (v. l.) und anderen Kinder das Voltigieren bei. © Foto: Annemarie Diehr
Annemarie Diehr / 16.02.2018, 07:00 Uhr - Aktualisiert 17.02.2018, 11:44
Behlendorf (MOZ) Zu Hause 
in … lautet der Titel unserer Serie, in der Menschen aus der Region vorgestellt werden. Das können Frauen und Männer sein, die schon immer hier leben oder hier ihre Wahlheimat gefunden haben. Heute: Kathrin Stein aus Behlendorf.

Fest im Sattel hat Kathrin Stein nie gesessen. Pferderücken dienten der 48-Jährigen nicht als bequemes Sitzmöbel, auf dem sich Reiter über Wiesen und Hindernisse tragen lassen. Für Kathrin Stein sind sie – sofern sie sich überhaupt mit einem Gegenstand vergleichen lassen – Turnmatte und Spielwiese in einem. Stehen, knien, hocken, drehen – während das Pferd an einer Longe genannten Leine im Kreis trabt oder galoppiert, vollführte Kathrin Stein auf ihm jahrelang waghalsige Akrobatik.

„Mit acht Jahren habe ich begonnen, mich für Pferde zu interessieren“, sagt die gebürtige Potsdamerin, die seit 1986 in Behlendorf lebt. Doch statt sich im Dressur- oder Springreiten zu versuchen, begann sie, die gerne turnte, bei der BSG Defa Babelsberg zu voltigieren.

„Volti“ sagen sie beim Reit- und Fahrverein „Gutshof Behlendorf“. Seit seiner Gründung 1990 ist Kathrin Stein dort Mitglied. Sie hat die Voltigiergruppe des Vereins aufgebaut, trainiert ehrenamtlich jeden Sonntag eine Stunde lang Kinder und Jugendliche in dem Sport.

„Niklas, mehr Körperspannung“, richtet sich Kathrin Stein an einen zierlichen Jungen. Auf dem Rücken von Resi, einem Schwarzwälder Kaltblut, dreht er in der Reithalle des Pferdebetriebs Zehe seine Runden. „Jetzt kannst du ein paar Übungen machen“, ruft seine Trainerin aus der Kreismitte. Niklas kniet sich auf den Pferderücken, seine Hände umklammern die Griffe des Voltigiergurts. „Jetzt die Fahne“, fordert Kathrin Stein den Jungen auf. Der streckt ein Bein nach hinten aus. „Sehr schön“, lobt die Behlendorferin.

„Sie erklärt gut und ist offen für Neues“, sagt Celina über ihre Trainerin. Die 16-Jährige ist einer von zwölf Pferdenarren zwischen fünf und 18 Jahren, denen Jugendwart Kathrin Stein Turnübungen auf dem Pferd beibringt. „Das schönste“, sagt diese, „sind die Auftritte bei Vereinsveranstaltungen.“ Beim Tag der offenen Tür schmeißen sich ihre Schüler in selbstgenähte Kostüme und zeigen Eltern und Freunden, was sie gelernt haben. „Vor Weihnachten haben sie sich als Einhörner verkleidet“, berichtet Kathrin Stein, die für jeden der Auftritte eine auf das jeweilige Kind angepasste Choreographie erarbeitet. Auch wenn sie nicht den Anspruch hat, mit ihren Schülern an Wettbewerben teilzunehmen – „Angst vor Pferden sollte man nicht haben, schließlich turnt man auf ihnen“, weiß die 48-Jährige über die Anforderungen des Voltigierens.

Mit ihrem Potsdamer Verein hat Kathrin Stein an DDR-Meisterschaften teilgenommen, ist sogar Bezirksmeisterin geworden. Bis dahin war es ein weiter Weg, gepflastert mit kleineren Verletzungen und unzähligen Wiederholungen. An einen Erfolg denkt die engagierte Frau besonders gerne: „als ich es das erste Mal im Galopp aufs Pferd geschafft habe“. Ebenso herausfordernd: Im Galopp auf dem Pferderücken zu stehen – natürlich freihändig.

Nach Behlendorf zog es die gelernte Facharbeiterin im Bereich Tierproduktion, die jetzt im Handel tätig ist, auch wegen der Liebe. Sie hat eine 26-jährige Tochter, die „mit Pferden nichts am Hut hat“, sagt Kathrin Stein und muss selbst schmunzeln. Reiten habe sie zwar mal gelernt, anders als ihre Mutter zieht es sie jedoch nicht bis zu fünf Mal in der Woche auf den Reiterhof Zehe. „Ich habe hier auch ein Pflegepferd“, erklärt Kathrin Stein. Ein polnisches Warmblut, mit dem sie hin und wieder Ausritte macht. Voltigieren – das müsse in ihrem Alter nicht mehr sein. Trotzdem schwingt sie sich manchmal hoch hinaus; „nur um eine Übung zu zeigen“, schiebt sie schnell hinterher.

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