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Vorwürfe gegen Ärzte ohne Grenzen / Experte rechnet mit gravierenden Folgen

Hilfsorganisation
Skandal weitet sich aus

Kritisiert Verhalten der Helfer: Thomas Krüger, Bundeszentrale für politische Bildung
Kritisiert Verhalten der Helfer: Thomas Krüger, Bundeszentrale für politische Bildung © Foto: bpb/Martin Scherag
Michael Gabel / 17.02.2018, 08:30 Uhr
Berlin (MOZ) Der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, Thomas Krüger, hält die Arbeit von Hilfsorganisationen nach dem Bekanntwerden sexueller Übergriffe für massiv belastet. „Die Vorfälle führen dazu, dass Menschen in diesen Ländern die Grenzüberschreitungen als Fortsetzung kolonialer Beziehungen mit anderen Mitteln betrachten“, sagte er dieser Zeitung. Die Mitarbeiter hätten bei ihren Übergriffen „asymmetrische“, also einseitige, Machtbeziehungen ausgenutzt. „Wem es darum geht, an einer gerechteren Welt mitzuarbeiten, der muss sich allerhöchsten Maßstäben stellen“, betonte er.

Krüger reagierte damit auf das Bekanntwerden von sexuellem Missbrauch bei mehreren Nichtregierungsorganisationen. Nach Oxfam stehen nun auch Ärzte ohne Grenzen und das International Rescue Comittee (IRC) in der Kritik. Ärzte ohne Grenzen gab bekannt, dass es im vergangenen Jahr 24 Fälle sexuellen Missbrauchs gegeben habe. 19 Beschuldigte wurden entlassen. Das IRC teilte mit, dass es in ihrem Umfeld drei Fälle sexueller Belästigung im Kongo gegeben habe.

Krüger sagte, die Affären gefährdeten nicht nur den Ruf der Hilfsorganisationen. Generell werde die Haltung der Menschen in ärmeren Ländern zum Westen belastet. „Mit solchen Taten macht man mehr kaputt als nur das Verhältnis zwischen zwei Menschen.“ Die #MeToo-Debatte zeige aber, dass in vielen Bereichen der Gesellschaft das Verhältnis zwischen den Geschlechtern vergiftet sei. Er vermutet, dass die Situation in Krisenländern, in denen Menschen dringend auf Hilfe angewiesen seien, solche Übergriffe noch befördere. „Die Distanz verstärkt das Gefühl, asymmetrische Beziehungen ausnutzen zu können, ohne dass das jemand mitbekommt“, sagte er. Die jüngsten Fälle hätten aber gezeigt, dass die Öffentlichkeit sensibel reagiere.

Die aktuellen Fälle haben unterschiedliche Hintergründe. Bei Ärzte ohne Grenzen hat sich ein Großteil der Missbräuche unter Mitarbeitern der Organisation abgespielt. Beim IRC geht es offenbar wie bei Oxfam um Belästigung von Einheimischen. Laut britischen Medienberichten sind der Organisation eine Zeitlang die Regierungszuschüsse gestrichen worden, weil sie versucht hatte, die Informationen unter der Decke zu halten. Das IRC mit Sitz in London ist von Albert Einstein zur Unterstützung deutscher Flüchtlinge vor dem NS-Regime gegründet worden.

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