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Bürgermeisterwahl
Minderjährige bestimmen mit

Annemarie Diehr / 18.02.2018, 08:00 Uhr
Fürstenwalde (MOZ Manja Wilde) Erstmals dürfen auch unter 18-Jährige in Fürstenwalde mitbestimmen, wer Bürgermeister wird. Auf 519 Jugendliche ab 16 Jahre trifft das zu. Insgesamt sind 26 470 Personen am 25. Februar aufgerufen, zur Wahl zu gehen.

Vor einigen Wochen hat Nick Langlotz einen Umschlag mit seiner Wahlbenachrichtigung aus dem Briefkasten gefischt. „Dass ich wählen darf, wusste ich aber auch so“, sagt der 17-Jährige. Er interessiere sich für Politik, auch wenn die Bürgermeisterwahl im Unterricht keine Rolle gespielt habe. „Das stimmt“, räumt Christiane Schneider ein. An der Juri-Gagarin-Oberschule, die auch Nick Langlotz besucht, unterrichtet sie Deutsch und Geschichte. „Vor der Bundestagswahl im vergangenen Jahr haben wir das Thema Wahlen aber in allen Klassen ausführlich behandelt“, sagt sie. Am Mittwoch stehe auch die jährliche Fahrt der 10. Klassen zum Deutschen Bundestag an.

„Es ist gut zu wählen, um selbst zu entscheiden, was in der Stadt passiert“, findet Nick Langlotz. Bei welchem der drei Kandidaten er am 25. Februar sein Kreuzchen macht, weiß er noch nicht, aber: „Sauberkeit ist mir wichtig. Da, wo ich wohne, ist gleich ein Wald, da liegt ständig Müll rum“. Der neue Bürgermeister sollte sich dieses Problems annehmen.

Im Dezember 2011 beschloss der Brandenburger Landtag, dass Jugendliche ab 16 Jahre wählen dürfen. Da die Wahlperiode eines Bürgermeisters acht Jahre dauert, können unter 18-Jährige nun erstmals auch in Fürstenwalde einen Bürgermeister mitwählen. Laut Roswitha Quilitz, stellvertretende Wahlleiterin der Stadt, trifft das auf 519 Jugendliche zu. Bei insgesamt rund 26 470 Wahlberechtigten sind das knapp zwei Prozent.

Doch viele sind noch unentschlossen. „Ich weiß nicht, ob ich wählen gehe“, sagt Jessica. Wie viele Kandidaten antreten und welche das sind, wisse sie auch noch nicht, räumt die 16-Jährige ein. „Wir beschäftigen uns erst jetzt in der Schule damit“, erklärt die junge Frau, die die Spree-Oberschule besucht. „Die Bundestagswahl fand ich auch erst interessant, als wir uns in der Schule damit beschäftigt haben“, sagt sie noch. Ein konkreter Wunsch an den neuen Bürgermeister fällt Jessica so spontan nicht ein. „Ich bin ganz zufrieden in Fürstenwalde“, sagt sie.

Vanessa und Carolin, beide 16, die in die Gagarin-Oberschule gehen, halten „nicht viel davon“, zu wählen. Durch ihre Eltern wüssten sie, dass sie ihre Stimme abgeben dürfen, es tatsächlich machen werden sie wohl nicht, sagen sie. Man könne nicht jeden dazu bringen, sein Wahlrecht wahrzunehmen, weiß Sozialarbeiterin Marion Domke. Sie wisse aber von Lehrern, die mit ihren Schülern die Internet-Plattform Kandidaten-Befragung.de genutzt hätten, um Interesse zu wecken.

Überhaupt gibt es in der Stadt viele Aktionen, um die Wahl für Kinder und Jugendliche erlebbar zu machen. Zum Beispiel das Projekt „Bürgermeisterkandidat zu vermieten“. Acht Stunden sollten Amtsinhaber Hans-Ulrich Hengst (parteilos), der noch einmal antritt, sowie die Herausforderer Karin Lehmann (CDU) und Matthias Rudolph (BFZ) dabei investieren, um mit Kindern und Jugendlichen zu kochen, zu malern oder zu tanzen. Am 22. Januar, ab 19 Uhr, gibt es ein Jugendwahlforum im Parkclub. Es richtet sich an Erstwähler. Die drei Kandidaten stehen Rede und Antwort. Die Veranstaltung kann im Internet verfolgt werden.

„Die Stadt hat auch eine sehr informative Internetseite“, sagt Birgit Schulz, Lehrerin für Politische Bildung am Geschwister-Scholl-Gymnasium. Selbstverständlich werde die Wahl im Unterricht thematisiert, sagt sie. „Wir sind die Termine durchgegangen und haben uns Musterstimmzettel angesehen“, nennt sie Beispiele. Die Angebote richteten sich an Zehnt- und Elftklässler. „Wobei aus jeder Klasse nur rund zehn Schüler wählen dürfen, weil ja nicht alle aus Fürstenwalde kommen“, schränkt Birgit Schulz ein. Das Interesse an der Wahl sei hoch, es werde diskutiert und einige ihrer früheren und aktuellen Schülern seien selbst bei Linken, SPD und BFZ aktiv.

Im Gymnasium des Bernhardinums waren die Kandidaten im Rahmen der Tage der politischen Bildung zu Gast. Die Schüler konnten sie befragen. „Ich wusste danach aber nicht, wen ich wählen sollte“, sagt Anton Huth. Der 18-Jährige muss das aber auch nicht wissen, denn er wohnt in Heinersdorf.

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