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Medizin-Student Philipp Humbsch vermittelt Brandenburger Kindern Erste-Hilfe-Kenntnisse / Jetzt wird er dafür ausgezeichnet

Auszeichnung
Ein Held unter lauter kleinen Helden

Ausgezeichnet: Der Frankfurter Philipp Humbsch, hier auf dem Charité-Campus in Berlin, gibt Brandenburger Grundschülern Einführungskurse zum Thema Lebensrettung. Er hofft auf ein Umdenken der Gesellschaft bei diesem wichtigen Thema.
Ausgezeichnet: Der Frankfurter Philipp Humbsch, hier auf dem Charité-Campus in Berlin, gibt Brandenburger Grundschülern Einführungskurse zum Thema Lebensrettung. Er hofft auf ein Umdenken der Gesellschaft bei diesem wichtigen Thema. © Foto: Pépinière e.V.
Mathias Hausding / 19.02.2018, 08:00 Uhr - Aktualisiert 19.02.2018, 11:36
Berlin (MOZ) Er hat oft darüber gemeckert, dass viele Brandenburger keine Erste Hilfe leisten. Dann entschloss er sich, selbst etwas gegen den Missstand zu tun. Für seine Verdienste wird Philipp Humbsch aus Frankfurt (Oder) nun als „Student des Jahres“ ausgezeichnet.

Als der Anruf mit der frohen Botschaft kam, brachte er nur zwei Worte heraus. „Wow, cool!“, rief der 26-jährige Medizin-Student in den Hörer. „Student des Jahres“, gekürt vom Deutschen Hochschulverband und dem Deutschen Studentenwerk. Mehr geht nicht im Uni-Bereich. Das Preisgeld beträgt 5000 Euro. Honoriert werden herausragende und einzigartige Leistungen, die über den üblichen Hochschulbetrieb hinausgehen.

„Jeder kann ein Held sein“ heißt die von Philipp Humbsch gestartete Initiative, die Brandenburger Grundschülern eine kostenlose Einführung in die Erste Hilfe bietet. Seit 2016 konnten so landesweit bereits 3000 Kinder geschult werden.

Möglich wird das durch die Unterstützung der Unfallkasse Brandenburg, viel ehrenamt­liches Engagement sowie Spenden und Mitgliedsbeiträge des von Philipp Humbsch eigens gegründeten Vereins Pépinière. Er ist benannt nach einer preußischen Militärarzt-Schule aus dem 18. Jahrhundert. „Das Wort passt aber auch deshalb gut, weil es ‚Baumschule’ bedeutet und wir etwas Neues wachsen lassen wollen, eine neue Einstellung zur Ersten Hilfe“, erklärt der Frankfurter. Derzeit sind 16 Leute im Verein aktiv und 50 gehören zum Helferpool. „Der Preis geht nicht an mich, sondern an das ganze Team“, betont er. Das Preisgeld fließt in die weitere Arbeit des Vereins.

„Jeder kann ein Held sein“ vermittelt in dreitägigen Kursen nicht nur Kenntnisse über die stabile Seitenlage, Reanimation, das Anlegen von Verbänden und den Eigenschutz, sondern soll durch die Einbeziehung von Hilfsorganisationen und freiwilligen Feuerwehren Anknüpfungspunkte für ein eigenes ehrenamt­­liches Engagement der Kinder bieten. „Wir wollen außerdem, dass die Erste-Hilfe-Ausbildung im schulischen Lehrplan fest verankert wird“, sagt der „Student des Jahres“. Die Wettbewerbs-Jury lobt, dass Philipp Humbsch nicht nur Helden mache, sondern selbst einer sei.  Der Preis wird am 3. April im Rahmen der „Gala der Deutschen Wissenschaft“ in Berlin verliehen.

Aber wie findet er als Medizin-Student die Zeit für ein so anspruchsvolles Ehrenamt? Phi­lipp Humbsch hat von Anfang an nicht den einfachen Weg genommen. Seine gute Abiturnote von 1,6 ließ den Traum vom Arztberuf zunächst in die Ferne rücken. Weil es bundesweit zu wenig Plätze gibt, droht all jenen, die nicht die Bestnote haben, eine jahrelange Wartezeit.

Philipp Humbsch ging gleich nach dem Abitur zur Bundeswehr, um sich auf diesem seinem Traumberuf zu nähern. Nach einem Jahr hörte er auf, die Armee, das war doch nichts für ihn. „Ich bin dann gereist und habe Geld verdient“, erzählt er über die Zeit danach. Doch es dauerte nicht lange, da überzeugte er eine Kommission der Berliner Charité im persönlichen Gespräch davon, ihm einen Platz zu geben. Die Unis haben feste Kontingente für jene, die sich über ihre Schulnoten hinaus als besonders motiviert erweisen.

Mit 21 ging er also im Jahre 2013 in Berlin an den Start. Inzwischen ist er im zehnten Semester und damit kurz vor dem zweiten Staatsexamen. Sein Studium finanziert er selbst, als Rettungssanitäter im Raum Eisenhüttenstadt. „Ich brauche nur vier bis fünf Stunden Schlaf, so bekomme ich alles unter einen Hut“, sagt er lachend über sein enormes Pensum. „Ich mag alles, was ich mache, möchte auf nichts verzichten.“

Dazu gehört übrigens auch sein Engagement als freier Autor dieser Zeitung. Seit fast zehn Jahren berichtet er für die Frankfurter Lokalredaktion vom bunten Leben in der Region. „Ich habe in der Jugendredaktion angefangen. Das Schreiben macht mir nach wie vor viel Spaß.“

Nicht nur sein Job als Rettungssanitäter hat ihm in den vergangenen Jahren vor Augen geführt, dass in Sachen Erste Hilfe viel im Argen liegt. Immer wieder treffe er bei Einsätzen leider auf Angehörige, die sich bis zum Eintreffen der Rettungskräfte nicht zu eigenen Rettungsversuchen in der Lage gesehen haben. Obwohl man bei der Ersten Hilfe nichts falsch machen könne. Die Hauptsache sei, etwas zu versuchen. „Auch die aktuellen Diskussionen über die Rettungsgasse oder die Gaffer an den Autobahnen zeigen, dass großer Nachholbedarf besteht.“

Philipp Humbsch gesteht, dass er sich über die Untätigkeit vieler Menschen bei einem Notfall immer wieder aufgeregt habe. „Aber das bringt ja nichts. Ich sollte selbst etwas tun“, hat er sich dann gesagt. Inzwischen weiß er, dass Grundschüler lernbegierig und offen für das Thema sind. „Da gibt es keine Berührungsängste“, freut er sich. Hauptziel sei nicht, dass die Kinder dann Erwachsene retten, sondern dass bei ihnen ein Bewusstsein dafür entsteht, anderen im Falle eines Falles zu helfen. „Idealerweise erzählen die Schüler zu Hause, was sie gelernt haben, und bringen so ihre Eltern zum Nachdenken“, hofft der Ehrenamtler.

Wenn Philipp Humbsch mit seinem Studium fertig ist, will er als Notarzt arbeiten. „Die Intensiv-Patienten interessieren mich, die richtig schwierigen Fälle.“

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