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Dietmar Woidkes "ZukunftsTour" führte in die Uckermark / Gesprächsrunde mit Unternehmen Euba Logistic und UVG

Wirtschaft
Ministerpräsident auf Heimatbesuch

Fahrtziel Zukunft: Ministerpräsident Dietmar Woidke (l.) nimmt am Steuer eines modernen Volvo-Trucks der Angermünder Spedition Euba Logistic Platz und lässt sich von Geschäftsführer Ronald Garkisch die modernste Sicherheitstechnik der Flotte erklären.
Fahrtziel Zukunft: Ministerpräsident Dietmar Woidke (l.) nimmt am Steuer eines modernen Volvo-Trucks der Angermünder Spedition Euba Logistic Platz und lässt sich von Geschäftsführer Ronald Garkisch die modernste Sicherheitstechnik der Flotte erklären. © Foto: MOZ/Oliver Voigt
Daniela Windolff / 23.02.2018, 06:00 Uhr
(MOZ) und Michael Dietrich

Angermünde/Schwedt. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke hat auf seiner "ZukunftsTour Heimat" am Donnerstag die Uckermark besucht. In Angermünde und Schwedt standen Gespräche mit besonders heimatverbundenen und sozial engagierten Unternehmen auf dem Programm.

Christopher Henkel lernt im zweiten Ausbildungsjahr den Beruf eines Speditionskaufmanns und weiß schon jetzt, dass er in seinem Ausbildungsbetrieb Euba Logistic in Angermünde eine sichere berufliche Perspektive hat. "Bisher wurden alle Azubis in der Firma übernommen", sagt der junge Angermünder.

Auch Katarzina Gauch hat bei Euba gelernt, zusätzlich ein Masterstudium an der Universität in Stettin abgeschlossen und arbeitet nun in der Angermünder Speditionsfirma. Die junge Polin ist einst über ein deutsch-polnisches Schulprojekt in Schwedt auf die Ausbildungsmöglichkeit in der Uckermark aufmerksam geworden, hat intensiv die deutsche Sprache gelernt, inzwischen hier eine Familie gegründet und seit Kurzem die deutsche Staatsbürgerschaft. Zwei Beispiele, die für Ministerpräsident Dietmar Woidke bei seinem Besuch in der Firma Euba Logistic eindrucksvoll zeigen, wie sich hier Unternehmen engagieren, um junge Leute in der Region zu halten oder sie anzulocken. Von allein funktioniert das nicht.

Euba-Geschäftsführer Ronald Garkisch berichtet seiner großen Gästerunde, welche Anstrengungen er unternimmt, um in der Region verwurzelt zu bleiben, sie voran zu bringen und Nachwuchs zu gewinnen. Das reicht von Betriebsführungen und Praktikumsplätzen für Schulen über Sponsoring bis zur Unterstützung von Kulturveranstaltungen.

"Das größte Hemmnis für wirtschaftliche und regionale Entwicklung ist heute der Fachkräftemangel", betonte Woidke. Dafür müssten nicht nur die Unternehmen selbst aktiv werden, sondern auch die Barrieren für einen Fachkräfteaustausch und Ausbildungsmöglichkeiten über Grenzen hinweg durchlässiger werden. Bei Euba sind schon jetzt viele Polen beschäftigt, vor allem als Kraftfahrer.

Neben Ausbildungs- und Arbeitsplätzen gehe es auch um gute soziale Infrastruktur, so Woidke. Um Menschen eine Heimat zu bieten, gehören auch Kitaplätze, Schulen und gute Gesundheitsversorgung dazu. Angermündes Bürgermeister Frederik Bewer sprach die noch unzureichende Internetversorgung an, die für ihn heute zur Grundversorgung wie Strom und Wasser gehöre und auch Voraussetzung für die wirtschaftliche Entwicklung sei. Hier müsse über normalen Standard investiert werden, um die Region zukunftsfähig zu machen. Woidke erklärte, dass das Land in den nächsten zwei Jahren noch einmal 500 Millionen Euro investiert. Ziel sei es, jedes Gewerbegebiet und jede Schule im Land mit Glasfaserkabel auszustatten.

Der Ministerpräsident hob einen weiteren Aspekt hervor: "Für eine Region gehört etwas ganz Wichtiges dazu: Image." Das sei mehr als ein hübsches Logo. Die Uckermark sei da auf einem sehr guten Weg, was gemeinsames Handeln und Identifikation betrifft.

Von Beispielen dieser Zusammenarbeit über den Tellerrand hinaus konnten viele Teilnehmer der Besuchsrunde berichten, ob Silvio Moritz über Projekte des Investorcenters Uckermark, PCK-Chef Wulf Spitzley über Unterstützung von Schulen im MINT-Projekt oder die Vergabe des Excellenzpreises sowie Leipa-Geschäftsführer Husemann über die gezielte Zusammenarbeit mit einheimischen Partnern und Unternehmen, um Geld und Arbeitsplätze in der Region zu halten.

Den Kombi-Bus der Verkehrsgesellschaft Uckermark, den sich der Ministerpräsident in Schwedt mit eigenen Augen ansehen wollte, kannte er bereits aus seiner Zeit als Innenminister. "Wir haben damals den Weg für solche wirtschaftlichen Angebote der Kommunen frei gemacht und bekamen dafür nicht nur nette Sachen zu hören", erin-nerte Dietmar Woidke. Weil die Kommunen damit angeblich in den freien Wettbewerb eingriffen, mussten er und die Landesregierung damals Vergleiche mit dem kommunistischen Korea oder Spott über sich ergehen lassen, jetzt komme bald das kommunale Nagelstudio. "Aber ich glaube, dass es richtig ist, dass der Staat sich in der kommunalen Daseinsvorsorge engagiert - als Ergänzung zur Wirtschaft. Wir können es nicht zulassen, dass nur die Gewinnoptimierung darüber bestimmt, welche Leistungen es im ländlichen Raum gibt. Das Kino in Schwedt wäre dann schon längst weg", argumentierte Woidke und bedankte sich ausdrücklich für die innovative Idee und Initiative von Lars Boehme und seinem Team der UVG.

Mit dem Kombibus wurden 2017 uckermarkweit 530-mal Waren oder Koffer mit einem Gesamtgewicht von 3,6 Tonnen transportiert. Die Einnahmen von knapp 6000 Euro rechnen sich noch nicht ganz, erklärte Marita Förster. "Aber das Projekt hat einen besonderen Charme. Es ist ein gutes Beispiel dafür, dass einmal nicht abgebaut wird. Hier geht es in die umgekehrte Richtung des allgemeinen Trends in dörflichen Regionen. Hier werden vorhandene Linien erhalten und zusätzlich genutzt. Das ist auch ein Signal an die Einwohner, dass sie nicht abgehängt werden", sagt die Projektverantwortliche.

Dietmar Woidke lernt auch Mitarbeiter der UVG kennen wie Henri Schwarz, der seit mehr als 20 Jahren in der Freiwilligen Feuerwehr aktiv ist und bei Verkehrsunfällen mit dafür sorgt, dass durch schnelle technische Hilfe auch die Busse zügig wieder die Stelle passieren können. Oder die Templinerin Linda Ribbeck, die nach ihrer Ausbildung im Unternehmen zunächst nach Tübingen zog, 2006 aber zurückkehrte und mittlerweile wieder bei der UVG im Kundencenter arbeitet. "Ich wollte, dass unsere Kinder hier aufwachsen, in meiner Heimat, wo die Großeltern wohnen", erzählte sie dem Ministerpräsidenten.

Von Busfahrer Ronald Pospiech ließ sich Woidke zeigen, wie der Kombi-Bus funktioniert. Im Paket aus Bandelow, das im Kofferfach des Busses lag, waren Apfelsaft, Leberwurst und Käse aus der Uckermark als Gastgeschenk für den Ministerpräsidenten.

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