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Hochwasserschutz
CDU bringt Melioration ins Spiel

Solidarisch: Zahlreiche Menschen halfen den Leegebruchern voriges Jahr, um der Wassermassen Herr zu werden.
Solidarisch: Zahlreiche Menschen halfen den Leegebruchern voriges Jahr, um der Wassermassen Herr zu werden. © Foto: MOZ/Tilman Trebs
Marco Winkler / 23.02.2018, 19:11 Uhr - Aktualisiert 23.02.2018, 20:38
(MOZ) Die CDU Oberhavel hat am Donnerstag zur Info-Veranstaltung „Oberhavel unter Wasser ­– wie weiter?“ nach Kremmen eingeladen. Das vielleicht hoffnungsvollste Wort des Abends: Melioration.

Die Hochwasserereignisse vorigen Juni wird die Gemeinde Leegebruch noch Jahre beschäftigen. Der amtierende Bürgermeister Martin Rother sprach von einer „erschreckenden Dimension“. Andere traf es weniger schlimm, wie Kremmens Bürgermeister Sebastian Busse und Gransees Amtsdirektor Frank Stege (beide CDU) bestätigten.

Veltens Baufachbereichsleiter Berthold Zenner sprach von einer kritischen Situation am Mühlengraben. Der städtische Wasserbetrieb werde deshalb einen Generalentwässerungsplan aufstellen.

Probleme sachlich benennen, Lösungsansätze finden - darum ging es dem zum runden Tisch einladenden CDU-Kreisverbandschef Frank Bommert. „Die in den 1990er-Jahren angekündigte Versteppung Brandenburgs tritt nicht ein, wir müssen umdenken“, sagte Bommert, der als Landtagsabgeordneter genau dort Druck machen will, „wo die Gesetze gemacht werden“. Nicht an der Diskussion beteiligen wollte sich das Brandenburger Umweltministerium. Kurt Augustin, der dort die Abteilung Wasser und Boden leitet, habe seine Zusage zurückgezogen, als er erfuhr, dass Pressevertreter anwesend sein werden, so Bommert.

Damit verpasste Augustin den Hilferuf der Landwirte, die wegen überschwemmter Felder nach wie vor Verluste einfahren. Von den 1 500 Hektar, die Thomas Richter aus Schwante bewirtschaftet, konnte kein einziger regulär abgeerntet werden. Nicht nur der finanzielle Schaden sei durch den Ausfall der Maisernte immens, auch das Futter für seine Mutterkühe fehle. „Noch immer stehen 100 Hektar unter Wasser“, sagte Richter.

Vertreter des Wasser- und Bodenverbandes Uckermark-Havel machten auf vernachlässigte Entkrautungen der Gräben aufmerksam. Oberhavel habe jedoch schon einer Frühjahrsentkrautung zugestimmt. „Wenn das nicht gestattet wird, haben wir ein Problem lokalisiert“, so Henrik Wendorff, Präsident des Landesbauernverbandes, der herrenlose Staue in Erinnerung rief, die nicht mehr ans System angeschlossen sind. Hier kam das Wort des Abends ins Spiel.

Meliorations-Experte Mario Hehne aus Sachsen erklärte, wie das Drainagesystem in den 1970/80er-Jahren im großen Stil angelegt wurde. Nach der Wende sei dieses Wissen zur Bodenbewirtschaftung verloren gegangen, als die Genossenschaften aufgelöst wurden. Viele Landwirte wissen nichts von den schon angelegten Drainagen. Er will das DDR-Kataster reaktivieren und Landwirten zur Verfügung stellen. „Das kann aber nur auf Bundesebene erreicht werden“, so Hehne.

Bommert forderte als Fazit der Veranstaltung, die „keine Eintagsfliege“ bleiben soll, flächendeckende Entwässerungskonzepte in allen Städten und Gemeinden.

Rückblick in Zahlen

■ Die CDU Oberhavel legte am Donnerstag noch einmal Zahlen zum Hochwasser Ende Juni 2017 vor. Insgesamt waren 1 259 Einsatzkräfte im Landkreis unterwegs: 13 Mitarbeiter im Führungsstab, 694 Feuerwehrkameraden aus Oberhavel, neun aus dem Barnim, 18 aus dem Havelland.

■ Den Einsatz verstärkten drei Mitarbeiter des Feuerwehrtechnischen Zentrums, 48 Einsatzkräfte der Schnell­einsatzgruppe (SEG) Verpflegung Oberhavel (17) und Barnim (31) und 474 Helfer des Technischen Hilfswerks.

■ Allein in Oranienburg gab es in diesem Zeitfenster 450 Feuerwehreinsätze.⇥(win)

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