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Interview mit Gerhard Schöningh, Privateigentümer der Galopprennbahn Hoppegarten und Trainierbahn Neuenhagen

Rennbahn
"Ohne Grundlage Ängste geschürt"

Margrit Meier / 24.02.2018, 07:16 Uhr
Neuenhagen (MOZ) Am Dienstag gibt es in Neuenhagen eine Sondersitzung. Die Links-Fraktion will erreichen, dass die Veränderungssperre für die Trainierbahn um ein weiteres Jahr verlängert wird. Dies geht nur mit gewissen Auflagen. Margrit Meier sprach mit Eigentümer Gerhard Schöningh.

Herr Schöningh, wie gehen Sie damit um, dass die Veränderungssperre um ein weiteres Jahr verlängert werden soll, was bedeutet das für Sie und wurden Sie eingeladen?

In dem Beschlussantrag der Links-Fraktion geht es darum, die erst für zwei Jahre geltende, bereits um ein Jahr verlängerte Veränderungssperre jetzt noch ein weiteres Mal um ein Jahr zu verlängern. Mit dem Erlass soll für das Areal der Trainierbahn "eine Sperrwirkung für bauliche und sonstige Maßnahmen sowie für erheblich wertsteigernde Veränderungen" geschaffen werden, so steht das in der Beschlussvorlage. Da ich aber keine immobilienwirtschaftliche Ausschlachtung des Trainierbahngeländes oder kleinteilige Zerstückelung und Grundstücksverkäufe für neue Wohnhäuser vorhabe, wie es mir im Wahlkampf einfach unterstellt wird, hat es keine praktische Bedeutung für mich. Man möchte etwas verhindern, was ich gar nicht will. Leider wurden wir nicht zu der Sondersitzung eingeladen.

Verstehen Sie die Ängste der Neuenhagener Trainierbahnfreunde?

Nein. Um es noch mal zu sagen: Ich verfolge keine Wohnbebauung oder Ähnliches im Innenoval der Trainierbahn. Eine Aufhebung des Landschaftsschutzes ist nicht beabsichtigt, wir haben auch keine entsprechenden Anträge gestellt. Gleiches gilt für das Innenfeld und Geläuf der Rennbahn Hoppegarten. Ich finde es erstaunlich, dass dies von einer Partei im Wahlkampf wiederholt behauptet wird. Hier wird ohne Grundlage Stimmung gemacht und werden Ängste in der Bevölkerung geschürt. Eine weitere Sorge ist die Frage der öffentlichen Nutzung der Trainierbahn. Die Trainierbahn ist privates Eigentum. Sie wurde erbaut zum professionellen Training von Rennpferden und wird heute von Freizeitreitern mitgenutzt. Ich habe sie 2015 erworben, um sie als professionelle Trainieranlage wieder zu beleben, Freizeitreiterei eingeschlossen. Das Ziel des Grünordnungsplans für die Trainierbahn ist - ich zitiere -, "die herausragende Erholungsfunktion (der Trainierbahn) zu sichern und zu entwickeln", erst ganz am Ende heißt es: "Dabei ist die Nutzung für den Pferdesport weiterhin ausdrücklich erwünscht." Wenn Sie zum Beispiel eine Gärtnerei kaufen und betreiben wollen und die Gemeinde Ihre Gärtnerei per Grünordnungsplan für die öffentliche Naherholung sichern und entwickeln will und Ihnen dann noch sagt, eine Nutzung als Gärtnerei sei ausdrücklich erwünscht, wie fänden Sie denn das? Ich danke Herrn Kellermann für seine klaren Worte in Ihrer Zeitung: "Das, was hier zurzeit probiert wird, kommt einer Enteignung gleich."

Es geht das Gerücht, dass Sie die Trainierbahn eventuell verkaufen wollen. Stimmt das?

Nein. "Die Trainierbahn wird für Sie zu einem Albtraum", diese Drohung kam aus einer Fraktion. Solche Drohungen beeindrucken mich nicht.

Was haben Sie mit dem Areal konkret vor und in welchen Zeiträumen?

Die Trainierbahn ist mittel- bis langfristig gesehen die Flächenreserve für die Ausweitung des Trainingsbetriebes für Rennpferde. Ich sah bislang keinen Handlungsbedarf, die bisherige Situation einschließlich der Duldung der öffentlichen Nutzung zu verändern. Dann hat aber die Gemeinde Neuenhagen 2014 ihren 1. Entwurf eines Grünordnungsplanes vorgelegt, der die Trainierbahn als denkmalgeschützte Betriebsstätte für den Pferdesport einfach "übersah". Damit ist die Gemeinde im Beteiligungsverfahren komplett und folgerichtig gescheitert. Danach kam es zu Gesprächen. Wir haben im August 2015 einen konstruktiven Vorschlag zur weiteren planerischen Behandlung der Trainierbahn gemacht. Dieser beinhaltete die Überlegung, die Trainierbahn in Gänze außerhalb der Trainingszeiten für die Öffentlichkeit weiterhin offen zu halten sowie die äußere Sandbahn der Gemeinde als uneingeschränkt öffentlich nutzbaren Wanderweg anzubieten. Stallanlagen sollten außerhalb der Trainierbahn auf dem Gutsgelände entstehen. Dieser gute und mit allen Fraktionen der Gemeindevertretung zuletzt im September 2015 positiv diskutierte Weg des Interessenausgleichs war bis zum Jahr 2017 Stand der Dinge und hätte in entsprechende Verträge gegossen werden müssen. Ein auf nicht wahren Behauptungen einzelner Gemeindevertreter beruhender Antrag, ich würde die Trainierbahn abholzen und bebauen, brachte den Planungsprozess der Gemeinde danach wieder ins Stocken.

Vor der Auslegung des Grünordnungsplans gab es massive Veränderungen auf Beschluss der Neuenhagener Gemeindevertreter. Es wurde von der Gemeindeverwaltung befürchtet, dass Sie nun "dicht" machen und die Öffentlichkeit aussperren. Wie reagieren Sie tatsächlich?

Dicht machen werde ich nicht, auch möchte ich niemanden aussperren, sondern zügig eine Lösung finden, bei der die Erfordernisse des Rennpferdetrainings Priorität haben. Ich bin bereit, eine geregelte Nutzung durch weitere Gruppen ebenfalls zu ermöglichen. Es sollte selbstverständlich sein, dass die Gemeinde die dadurch entstehenden Kosten übernimmt.

Was sollte aus Ihrer Sicht nun geschehen, wie geht es also weiter?

Erst einmal sollten wir die Wahl des neuen Gemeindeoberhaupts abwarten, dann müssen wir neu verhandeln. Der Region täte eine Persönlichkeit gut, die nicht mit Gerüchten, falschen Behauptungen, Stimmungsmache und Drohungen agitiert, sondern konstruktiv kommuniziert und auf Dialog und Verhandlungen setzt. Auch bringen uns wenig sinnhafte Verbote und Planungsinstrumente nicht weiter.

Vor Kurzem haben Sie dem Hoppegartener Bauausschuss Rede und Antwort gestanden, als es um Ideen zur Galopprennbahn ging. Werden Sie einen solchen Informationsabend auch den Neuenhagenern anbieten?

Ja, dazu bin ich bereit. Auch In der Vergangenheit waren wir immer gesprächsbereit. Offenbar müssen wir unsere Positionen und Pläne klarer, breiter und öfter kommunizieren. Wir haben Liegenschaften in zwei Gemeinden. Mit Neuenhagen über die Trainierbahn und mit Hoppegarten über die Rennbahn zu reden, ist aber nicht zielführend, wir müssen immer die Gesamtstrategie für die Liegenschaften in beiden Gemeinden vermitteln.

Wenn Sie eine Glaskugel hätten und etwa fünf bis zehn Jahre nach vorn schauen könnten. Was sehen Sie in Hoppegarten? Was sehen Sie in Neuenhagen?

Das mit der Glaskugel ist nicht so mein Ding. Und von nichts kommt nichts. Meine Pläne sind nur Träumerei, wenn nicht alle - Rennbahn, Hoppegarten und Neuenhagen - an einem Strang ziehen. Wir sind jetzt in einer entscheidenden Phase, um die Weichen für die Zukunft zu stellen.

Ein zweites Interview rund um die Galopprennbahn Hoppegarten folgt demnächst.

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Hans-Jürgen Hitzges 24.02.2018 - 09:52:58

Fake News oder Schmuddel Wahlkampf?

Haben auch Sie ein Flugblatt von der Bürgerinitiative FREIE TRAINIERBAHN in ihrem Briefkasten gefunden? Wer ist diese Bürgerinitiative? Bisher hat sie sich in Neuenhagen nicht bekannt gemacht. Dazu passt, dass das Flugblatt kein Impressum hat und auch die gesetzlich vorgeschriebene presserechtlich verantwortliche Person nicht angegeben ist. Was will diese angebliche Bürgerinitiative? Sie machen im Bürgermeisterwahlkampf Stimmung für den Kandidaten der Linken Sven Kindervater. Sie bezeichnen das Verhalten der SPD und der CDU zum Nutzungsmodus der Neuenhagener Trainierbahn als schlimm. Was behauptet sie? In Zukunft würde ein 2m Zaun um das gesamte Gelände der Trainierbahn gebaut. Freie Erfindung! Solche Pläne gibt es nicht und wären auch nicht rechtmäßig. Die Gemeinde hätte das Gelände für 500.000 Euro kaufen können. Nein! Der Rennbahnbesitzer Herr Gerhard Schöningh hatte die Kaufoption. Und so billig war die Bahn auch nicht. Die Gemeinde muss 500.000 Euro für den Rundweg um die Bahn bezahlen. Ein Wunschtraum? Tatsächlich werden die Kosten zurzeit erst ermittelt. Das ist wahr: Für die CDU können wir natürlich nicht reden. Wohl aber für die SPD. Wir waren die erste Fraktion, die nach dem Verkauf der Trainierbahn an den Besitzer der Galopprennbahn Hoppegarten das Gespräch mit Herrn Schöningh und seinen Mitarbeitern gesucht hat. Dabei kam ein schöner Kompromiss zu Stande. Das Waldgelände mit seinen Biotopen bleibt unverändert öffentlich. Ebenso ein Rundweg um die Trainierbahn. Den muss die Gemeinde dann aber natürlich bezahlen (fremdes Eigentum). Die inneren Trainierbahnen und das Innenoval bleiben von Montag bis Samstag vormittags (bis 14 Uhr) für den professionellen Reitsport reserviert. Danach sind auch diese Bereiche öffentlich. Warum setzt sich die SPD für diesen Kompromiss ein und vertritt nicht die Position, auf der Bahn dürfe sich nichts ändern? 1. Es ist ein Privatgelände und hier muss ein Kompromiss zwischen den berechtigten Interessen des Besitzers und den Bedürfnissen der Neuenhagener gefunden werden. Herr Schöningh ist dazu bereit. 2. Wir sind froh, dass Herr Schöningh mit seinem Engagement die Galopprennbahn Hoppegarten gerettet hat. Man muss ihm nach unserem Verständnis aber die Möglichkeit einräumen, dies ohne andauernde finanzielle Verluste zu tun. 3. Die Trainierbahn steht unter Denkmalschutz und Naturschutz. Behauptungen, hier solle eine Wohnbebauung stattfinden, sind Unsinn. 4. Der Bau von Einrichtungen für den Galopprennsport ist nicht auf der Trainierbahn, sondern auf dem ehemaligen Gutshofgelände geplant. 24.2.2018 Marianne Hitzges, SPD-Fraktionsvorsitzende

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