Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Gemeindevertreter kritisieren Aktion der Initiative / Amt soll kein Geld für Briefweiterleitung ausgeben

Streit
Postkarten gegen Tiermastpläne

© Foto: MOZ/Josefine Jahn
Josefine Jahn / 24.02.2018, 07:30 Uhr
Neuhardenberg (MOZ) Nachdem die Initiative Tierfabriken-Widerstand im November zu einer Diskussion zum geplanten Bau einer Hähnchenmastanlage in Neuhardenberg geladen hatte, verteilte sie nun Postkarten an Haushalte. Gemeindevertreter kritisieren das Vorgehen.

Öffentliche Gelder und Arbeitszeit darauf zu verwenden, "diese Organisation" zu unterstützen, befürworte er keineswegs. "Das ist eine grenzwertige Methode, um Leute zu manipulieren", sagte Gemeindevertreter Hans-Hermann Kain in der jüngsten Sitzung. Er verwies damit auf Anschreiben der Initiative "Tierfabriken-Widerstand", die - an die Gemeindevertreter gerichtet - im Briefkasten des Amtes Neuhardenberg landeten. Diese wurden dann vom Amt weitergeleitet.

"Wir haben uns jetzt so geeinigt, Post zu sammeln und dann dem Bürgermeister zur Weitergabe mitzugeben", sagte Thomas Manig, stellvertretender Amtsdirektor.

Auch an alle Haushalte in Neuhardenberg gingen die Schreiben der Initiative samt Postkarte mit Freifläche. Das Schreiben sollte "noch einmal alle im Ort über die aktuelle Lage informieren, da wir auf der Diskussionsveranstaltung darauf hingewiesen wurden, dass das Thema im Ort noch nicht wirklich bekannt sei", begründet Leo Bohns von der Initiative die Aktion. Das Flugblatt schildert den Plan des Letschiner Landwirts Tobias Winnige, auf dem Flugplatzgelände eine Hähnchenmastanlage zu betreiben. Bereits im November vergangenen Jahres hatte die Initiative ihre Gegenposition zu dem Projekt kundgetan und zu einer Diskussionsrunde eingeladen (MOZ berichtete). Die Gruppe kritisiert den Bau neuer Tierfabriken, positioniert sich gegen jede Art der Massenhaltung. Landwirt Winnige hatte sich damals der Diskussion gestellt, verteidigte seine Arbeit und betonte, dass er bessere Bedingungen schaffen wolle, wie etwa eine höhere Fußbodentemperatur zum Trockenhalten der Einstreu.

"Wir sind ein landwirtschaftliches Gebiet und wollen das doch auch landwirtschaftlich nutzen", sagte Kain nun in der Gemeindevertretersitzung. Man müsse sich vor Augen halten, dass Produktionsstätten nur noch auf diese Weise konkurrenzfähig seien, fügte er hinzu. Nun Karten zu verteilen, auf denen Schlagwörter wie "Vogelgrippe" und "Tierleid" stehen, halte er für "demagogisch aufgezogen", erklärte Kain. Mithilfe jener Postkarten, so der Wunsch der Initiative Tierfabriken-Widerstand, sollen sich Neuhardenberger an ihre Gemeindevertreter wenden, sie auffordern, eine Stellungnahme der Unteren Naturschutzbehörde nicht zu ignorieren. Laut der Behörde ist eine "Neuerrichtung einer Tierhaltungsanlage (...) nach derzeitigem Kenntnisstand nicht umsetzbar." Grund seien die Nähe zum Naturpark Märkische Schweiz und zu einem Vogelschutzgebiet samt angrenzender Gewässer.

Neuhardenbergs Bürgermeister Detlef Korbanek machte deutlich, dass die Gemeinde Winnige bisher lediglich gestattet habe, einen Bebauungsplan für die geplante Anlage auf dem Gewerbegebiet Nord Airport aufzustellen. "Den muss er erst einmal einreichen", sagte Korbanek. "Es steht alles noch offen." Auch in folgenden Instanzen werden Träger öffentlicher Belange, einschließlich der Gemeinde Neuhardenberg, zu den Plänen angehört. Tobias Winnige hält weiter an seinem Plan fest, sagte er auf MOZ-Nachfrage. Die Initiative gegen den Anlagenbau wolle mit der Planung weiterer Veranstaltungen das Genehmigungsverfahren für den Bau abwarten, informierte Bohns.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG