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Bürgerbewegte Stadtverordnete aus Bernau verbünden sich mit der Initiative "Hände weg vom Liepnitzwald!"

Einfluss
Neue Allianz gegen Windräder

"Die Landschaft wird zum Gewerbegebiet": Baustelle zur Errichtung von Windkraftanlagen bei Albertshof
"Die Landschaft wird zum Gewerbegebiet": Baustelle zur Errichtung von Windkraftanlagen bei Albertshof © Foto: MOZ/Sergej Scheibe
Sabine Rakitin / 26.02.2018, 22:00 Uhr
Bernau/Wandlitz (MOZ) Eine neue Allianz von bürgerbewegten Kommunalpolitikern und der Bürgerinitiative "Hände weg vom Liepnitzwald!" sagt den Ländern Berlin und Brandenburg sowie der Regionalen Planungsgemeinschaft Uckermark-Barnim den Kampf an. Sie will weitere Windräder im Niederbarnim verhindern.

"Einerseits werden Kröten eingesammelt, andererseits Wälder zerstört. Was hier in Deutschland passiert, ist einfach absurd", wettert der Bernauer Stadtverordnete Thomas Strese (BVB/Freie Wähler). Auch Andreas Neue vom Bündnis für Bernau ist außer sich. An der Thaerfelder Chaussee werde mittlerweile jeder Quadratmeter mit Windrädern zugebaut. "Die Landschaft wird zum Gewerbegebiet", stellt er erzürnt fest. "Wir wollten hier mal Tourismus und Naherholung. Und jetzt? Wenn ich in Nibelungen aus dem Fenster schaue, sind am Horizont Buna und Leuna zu sehen", bemerkt Neue sarkastisch.

Mit Hans-Jürgen Klemm, Mitbegründer der Bürgerinitiative "Hände weg vom Liepnitzwald!", haben sich die Bürgerbewegten aus Bernau mit einem ausgesprochenen Kenner der Windenergie-Lobby zusammen getan. Das Ziel der Männer ist, mit einem Moratorium eine weitere Bebauung des Niederbarnims mit Windrädern zu stoppen, um überhaupt erst einmal eine aussagekräftige Bestandsaufnahme bereits bestehender Anlagen und deren Auswirkungen auf Mensch und Natur anfertigen zu können. Klemms Minimalforderung ist ganz klar: Wald, Schlaf- und Nistplätze sowie Flugrouten der Vögel müssten aus der Planung von Windeignungsgebieten generell herausgenommen werden, sagt der Wandlitzer.

Im Liepnitzwald östlich der Autobahn bei Lanke sollen nach den neuesten Planungen acht Windräder aufgestellt werden. Hans-Jürgen Klemm weiß das deshalb so genau, weil ein Investor eine entsprechende Anfrage zu einer Stellungnahme in der Berliner Senatsverwaltung für Umwelt gestellt hat. Der Wald gehört den Berliner Forsten, die betroffenen 120 Hektar liegen in den Gemarkungen von Wandlitz und Bernau. "Deshalb sind auch beide Kommunen gefordert", sagt Klemm.

Während sich die Bürgermeisterin von Wandlitz, Jana Radant, bereits vor Jahren dem Protest der Bürgerinitiative gegen Windräder im Wald angeschlossen hat, bleibt es im Bernauer Rathaus weitestgehend still. Auf der Stadtverordnetenversammlung im Januar antwortete Vize-Bürgermeisterin Michaela Waigand auf eine entsprechende Anfrage, die Stadt habe sowohl im Umweltministerium in Potsdam als auch beim Berliner Senat nachgefragt. Pläne zum Bau von acht Windrädern im Liepnitzwald seien nicht bekannt.

Inzwischen haben sich Hans-Jürgen Klemm, Thomas Strese und Andreas Neue mit Briefen direkt an Berlins Regierenden Bürgermeister Michael Müller und Brandenburgs Ministerpräsidenten Dietmar Woidke (beide SPD) gewandt. "Wir bitten Sie eindringlich, ein Moratorium zum Stopp des Baus von Windkraftanlagen auf den zu Berlin zählenden Waldflächen im Niederbarnim gemeinsam anzuordnen", heißt es darin. Darüber hinaus stellen BfB/Freie Wähler im Kreistag und das Bündnis für Bernau in der Stadtverordnetenversammlung noch einmal Anfragen zu der Problematik.

"Nur öffentlicher Protest hilft, öffentlichen Druck zu erzeugen", weiß Andreas Neue noch von den Bernauer Dienstagsdemonstrationen gegen die Altanschließerbeiträge. "Die Frage der Dienstagsdemonstrationen steht auf der Tagesordnung", ist auch der Wandlitzer Hans-Jürgen Klemm überzeugt.

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