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Sexuelle Identität
Transgender: Wie Rüdiger zu Loreen wurde

Befürchtet weder schiefe Blicke noch Beleidigungen: Loreen Wischer auf dem Hennigsdorfer Postplatz. In Oberhavel habe sie bisher so gut wie kein Mobbing erlebt. Nur einmal habe sie jemand als Tunte beschimpft.
Befürchtet weder schiefe Blicke noch Beleidigungen: Loreen Wischer auf dem Hennigsdorfer Postplatz. In Oberhavel habe sie bisher so gut wie kein Mobbing erlebt. Nur einmal habe sie jemand als Tunte beschimpft. © Foto: MOZ/Marco Winkler
Marco Winkler / 28.02.2018, 08:45 Uhr - Aktualisiert 28.02.2018, 10:02
Hennigsdorf (MOZ) Der 18. Mai 2017 ist für Loreen Wischer ein so spezieller Tag, dass das Datum als Tattoo bald ihre Haut zieren soll. An diesem Tag begann die 45-Jährige mit ihrer Hormonersatztherapie. Ein wichtiger Schritt, damit aus Rüdiger Loreen werden kann. „In dem Monat bin ich zum ersten Mal als Frau in die Öffentlichkeit getreten“, erzählt Loreen.

Loreen ist Transgender: Als Junge geboren, als Frau fühlend. „Schon in meiner Kindheit habe ich das festgestellt“, sagt sie. Groß geworden in der ehemaligen DDR versteckte sie ihre Identität. Jugend, Wehrpflicht, Frau und zwei Kinder später will sie jetzt ihr Leben leben. „Als meine Kinder zur Schule gingen, wollte ich das aus Rücksicht auf sie nicht durchziehen. Sie sollten nicht wegen mir gehänselt werden.“ Die Kinder sind inzwischen erwachsen.

Letzte Bedenken zerstreuten sich, als sie zum ersten Mal als Frau S-Bahn fuhr: „Man denkt immer, alle gucken, aber das ist nur Einbildung.“ Gelernt, sich zu schminken, hat sie mit YouTube-Tutorials. Probleme bereitete lediglich der perfekte Lidstrich, auch der Bartschatten ist noch zu präsent. Zudem sei die ärztliche Betreuung schwierig. Ob Psychologe oder Dermatologe, der Fachärzte-Mangel in Oberhavel mache sich stark bemerkbar. Sämtliche Arzttermine nimmt sie in Berlin wahr.

Die Kollegen von der Gebäudereinigung, bei der Loreen arbeitet, haben gelassen reagiert. „Ich habe überhaupt sehr positive Erfahrungen gesammelt in Oberhavel.“ Ob beim Frisör und Nagelstudio in Oranienburg oder beim Schlendern durch die Hennigsdorfer Havelpassage. Anfeindungen gab und gibt es nicht. „Nur einmal hat jemand Tunte gesagt.“

Ihre Frau musste die Tatsache erst einmal verkraften. „Sie hat mich dabei erwischt, wie ich ihre Kleider zu Hause trug.“ Viele Gespräche folgten; das Paar ist noch zusammen. „Der Charakter ändert sich nicht“, so Loreen. Durch ihre nach außen getragene Weiblichkeit sei sie selbstbewusster geworden. Auf dem Papier ist sie Rüdiger, männlich. Momentan prüft ein Berliner Amtsgericht, sie ihr Geschlecht auf Pass und Geburtsurkunde ändern darf. Psychologische Gutachter werden sie hier begleiten, um sehen, „wie sehr ich Frau bin“. Eine Geschlechtsanpassung soll später folgen. „Alles Schritt für Schritt“, so Loreen, die sagt: „Vielen fehlt einfach der Mut, um sich öffentlich einzugestehen, wer sie sind.“ Ein Freund auf dem Dorf wollte sich deshalb umbringen, einen weiteren Trans-Freund hat sie durch Suizid verloren. Deshalb steht sie zu ihrer Sexualität, will Mut machen - wie Giuliana Farfalla, die als erstes Transgender-Model den „Playboy“ zierte.

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h b 02.03.2018 - 09:48:53

Gut!

Gut, dass es solche Berichte gibt, Danke Frau Wischer. Ich freue mich, dass wir in so einem modernen und toleraten Land leben.

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