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Nur noch zwei Bernauer Sicherheitspartner kooperieren mit der Polizei / Amt erfordert Zivilcourage

Sicherheitspartner
Kommissar Zufall

Immer wachsam: Hans-Günter Krüger ist einer von nur zwei Sicherheitspartnern in Bernau. Wenngleich er keine Befugnisse hat, wirkt er als langer Arm der Polizei.
Immer wachsam: Hans-Günter Krüger ist einer von nur zwei Sicherheitspartnern in Bernau. Wenngleich er keine Befugnisse hat, wirkt er als langer Arm der Polizei. © Foto: MOZ/Sergej Scheibe
Sara Friedrich / 01.03.2018, 06:00 Uhr
Schönow (MOZ) Sicherheitspartner sensibilisieren Bauherren, sprechen mit lautstarken Jugendgruppen und vermitteln Präventionsangebote der Polizei. Leider sind sie selten geworden. Von 16 in Bernau existieren nur noch zwei.

Hans-Günter Krüger bezeichnet sich als Allrounder. Seit 21 Jahren arbeitet er als sogenannter Sicherheitspartner der Polizei. Sein "Revier" liegt in Schönow, dort, wo vor einigen Jahren eine große Einbruchsserie für Aufregung unter den Bewohnern sorgte.

Einbrüche sind ein Spezialgebiet des Rentners. Er hat ein besonderes Auge für kleine Hinweise, die von Banden in den Straßenzügen an ausgewählten Grundstücken angebracht werden. Häufig schicken diese Frauen vor, die beispielsweise kleine Wollbänder am Zaun anbringen, berichtet Krüger. Findet er auffällige Markierungen, meldet er diese sofort der Polizei. Wie für alle anderen Bürger auch, ist die Partner und Freund, vor allem aber ist er deren Helfer. Krüger selbst hat keine polizeilichen Befugnisse. Er versteht sein Amt als ehrenamtliche Tätigkeit, die eine Verbindung zwischen Bürgern und Polizei herstellen kann und Kommunikation befördert.

Er, der sich auch als "Kommissar Zufall" bezeichnet, weist ausdrücklich darauf hin, dass Einbrüche auch, aber nicht nur von Ausländern verübt werden. Es seien viele Deutsche aktiv, die in der Gesellschaft abgerutscht und auf der Suche nach materiellen Werten sind, um ihre Bedürfnisse zu stillen. Wenn er etwa unbekannte Transporter in den Straßenzügen antrifft, bleibt er mit seiner neonfarbenen Spezialjacke bewusst stehen und macht sich bemerkbar. Die Fremden, ob nun Ausländer oder Deutsche, würden oftmals sehr schnell das Weite suchen.

Das Thema Sicherheit sei heutzutage ein sensibles, berichtet er weiter. Man dürfe die Bürger nicht hysterisch machen. Gleichzeitig sei es wichtig aufzuklären. So informiert er frühzeitig Bauherrn in seinem Kiez. Einige nehmen dann auch Beratungen durch die Polizei in Anspruch. Letztere bietet eine Hausbeschau durch ihre Präventionsabteilung an. Einbruchssichere Fenster müssten eben gleich zu Beginn der Bauphase mitgeplant werden. Wenn das Haus einmal steht, sei es für viele Maßnahmen, zum Beispiel Fenster mit Dreifachhaken, bereits zu spät.

Auffällig ist aus seiner Sicht die Isolation, in die sich viele Hausbesitzer begeben. Die Menschen wollen unter sich sein. Krüger würde sich aber wünschen, dass Nachbarn wieder stärker aufeinander achten und wachsam sind. Denn schwarze Schafe sind zu allen Zeiten unterwegs.

Seine Zeit kann sich der Sicherheitspartner frei einteilen. Gern läuft er in Stoßzeiten durch den Kiez, wenn viele Menschen nicht zu Hause sind. Am Freitag Nachmittag würden Einbrecher gern vorbeischauen, ist seine Erfahrung. Einmal pro Woche bespricht er sich mit der Ortsvorsteherin. Auch bei der Revierpolizei sei er wöchentlich in der Sprechstunde zu Gast, um Vorkommnisse abzugleichen. Meist erhält er hier ein Briefing, worauf er aktuell achten solle.

Schönows Ortsvorsteherin Adelheid Reimann begrüßt die Arbeit von Hans-Günter Krüger. Eine Bürgerwehr im Sinne einer Selbstjustiz lehnt sie dagegen ab.

Mit seinem Ehrenamt ist Krüger fast allein. Für ganz Bernau gibt es nur ihn und seinen Kollegen Dietmar Wünsche in der Innenstadt. Potenzielle Sicherheitspartner können sich jederzeit bei der Polizei melden. Nur ein Führungszeugnis ist dann erforderlich.

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