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Fünf Ostsee-Anrainerländer wollen den Verkehr auf Flüssen und Kanälen fördern / Auch die Brandenburger Wirtschaft ist dabei

Wasserstraßen
Emma schiebt die Schifffahrt an

Unterwegs nach Stettin: Schubverband in der Nähe von Hohensaaten. Ein europäisches Projekt will den Schiffsverkehr auch in Brandenburg fördern.
Unterwegs nach Stettin: Schubverband in der Nähe von Hohensaaten. Ein europäisches Projekt will den Schiffsverkehr auch in Brandenburg fördern. © Foto: MOZ/Oliver Voigt
Ina Matthes / 01.03.2018, 07:00 Uhr
Frankfurt (MOZ) Durch Brandenburg führen allein 790 Kilometer Bundesautobahnen und 600 Kilometer Bundeswasserstraßen. Während der Verkehr auf der Straße rollt, kommt das Schiff kaum voran. Kann die EU das ändern?

Sie wirkt etwas abgehängt, die Brandenburger Binnenschifffahrt. 2016 wurden nach Daten des statistischen Landesamtes Berlin-Brandenburg im Vergleich zu 2015 zehn Prozent weniger Güter auf dem Wasser befördert. Im langfristigen Trend stagniert die Schifffahrt eher. Im Gegensatz zum Lkw: Auf der A 12 sind die Mauteinnahmen in den vergangenen zehn Jahren um knapp 60 Prozent gestiegen.

Kann die EU die Binnenschifffahrt anschieben? Genau das ist das Ziel von „Emma“, einem Projekt der Ostsee-Anrainer Deutschland, Polen, Litauen, Finnland und Schweden. 21 Partner sind daran beteiligt, darunter märkische Unternehmen und die Industrie- und Handelskammer Ostbrandenburg (IHK).

Im Ostseeraum wächst der Straßenverkehr am schnellsten „Allein über Straße und Schiene werden wir den zunehmenden Verkehr aber nicht mehr abwickeln können“, sagt Robert Radzimanowski, zuständig für Wirtschaftspolitk bei der IHK. Wasserwege bieten aus seiner Sicht ein nicht ausgeschöpftes Potenzial. So können zum Beispiel Waren über Kanäle und Flüsse von Stettin über Berlin, Madgeburg, Hannover bis zu den Häfen in Hamburg oder Rotterdam verschifft werden.

Ein Teil dieser Wasserautobahn führt durch Ostbrandenburg – über die Hohensaaten-Friedrichsthaler Wasserstraße und die Oder bis nach Schwedt und Stettin. Allerdings klemmt es auf diesem Abschnitt: Größere, moderne Küstenmotorschiffe können ihn nicht durchgängig befahren. Dafür muss ausgebaut werden. Polen und Deutsche hoffen nun ab 2021 auf Förderung der Europäischen Union. Auf einer Konferenz des Emma-Projektes vergangene Woche in Berlin haben sich polnische und Brandenburger Politiker dafür stark gemacht.

Die Grenz-Oder auf ihrer gesamten Länge hingegen ist nicht Teil dieses sogenannten Transeuropäischen Verkehrsnetzes. Hier gibt es auch unterschiedliche Auffassungen. Die polnische Seite favorisiert eher einen Ausbau, die deutsche will nur Buhnen reparieren und so die Fahrtiefe für die Schifffahrt garantieren. Mitunter sind es scheinbar kleine Hemmnisse, die verhindern, dass der Verkehr auf dem Wasser besser fließt. Wie die zu kleine Schleuse in Fürstenwalde. Dafür ist das Bundesverkehrsministerium zuständig, doch das steht einem Ausbau eher ablehnend gegenüber. Über das Emma-Projekt wollen die Verfechter der Binnenschifffahrt politischen Druck auf ihre nationalen Regierungen ausüben. Denn: Wäre die Fürstenwalder Schleuse größer, könnten größere Binnenschiffe bis nach Berlin kommen und weiter Richtung Hamburg und Rotterdam.

In Zukunft sind das vielleicht verstärkt Containerschiffe statt Schüttgut-Frachter. Polen hat auf der Weichsel gerade ein Modellprojekt mit Containerschiffen gestartet. Bisher verkehren diese in Brandenburg kaum, auch weil Brücken dafür teils zu niedrig sind.

Künftig könnten Containerschiffe Auftrieb bekommen: Das Aufkommen an Schüttgut wie polnischer Steinkohle nimmt ab, weil Deutschland auf erneuerbare Energien setzt. Andere Güter wie Teile für Windräder, Gipskarton, Spanplatten, Autoteile oder Altpapier könnten eine größere Rolle spielen.

Die IHK hat Umfragen bei Unternehmen angestellt, ob sie das Schiff nutzen würden. „Die Unternehmen könnten sich das vorstellen“, sagt Beatrice Richter, Managerin für das Emma-Projekt bei der IHK. So, wie das Wasserwegenetz aber derzeit ausgebaut sei, scheine das Schiff vielen Unternehmern dann doch eine zu unsichere und langsame Sache.

Doch der Frachter kann aus Sicht der IHK-Experten im Vergleich zum Lkw punkten: Er sei sicherer, leiser und umweltfreundlicher. Und soll – zumindest teilweise – vom Diesel wegkommen. In den Emma-Ländern laufen Versuche mit Schiffen, die mit Gas oder elektrisch betrieben werden.

Getestet werden auch digitale Navigationssysteme, etwa an der Elbe. Sie sollen einen aktuellen Überblick über den Zustand von Wasserwegen und den Schiffsverkehr geben. Auch in solchen technischen Fragen organisiert das EU-Projekt einen Austausch.

Die Finnen und Schweden könnten von Brandenburg auch profitieren. Für die Nordeuropäer war die Binnenschifffahrt und das Thema Eisbrecher im Winter bisher nicht so bedeutend. „Da“, meint Radzimanowski, „kann Ostbrandenburg Erfahrungen liefern.“

Ladung und Flagge

Binnenschiffe in Brandenburg transportierten 2016:

Kohle, rohes Erdöl und Erdgas (37,4 Prozent), Sekundärrohstoffe und Abfälle (20,2 Prozent), außerdem: landwirtschaftliche Erzeugnisse zum Beispiel Getreide sowie Erze, Steine und Erden, Metalle und Metallerzeugnisse

Rund 70 Prozent der Schiffe fahren unter deutscher Flagge, etwa 26 Prozent unter polnischer. Auf Platz drei rangieren die Niederländer.

⇥Quelle: Statistisches Landesamt

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