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Kulturstaatsministerin Monika Grütters über Grenzen und Möglichkeiten der Kulturpolitik

Interview
Kulturstaatsministerin Monika Grütters: „Es geht um Fragen der Identität“

Bleibt wahrscheinlich im Amt: Kulturstaatsministerin Monika Grütters
Bleibt wahrscheinlich im Amt: Kulturstaatsministerin Monika Grütters © Foto: dpa/Bernd von Jutrczenka
Mathias Puddig / 01.03.2018, 09:15 Uhr - Aktualisiert 01.03.2018, 10:17
Berlin (MOZ) Die alte Kulturstaatsministerin wird wohl auch die neue sein: Monika Grütters hat Gefallen an dem Posten gefunden, dessen Bedeutung seit Jahren wächst. Auch der Koalitionsvertrag räumt dem Bereich  viel Platz ein. Nur eines will Grütters auf keinen Fall, wie sie im Gespräch mit Mathias Puddig sagt: zu viel „politische Korrektheit“.

Frau Grütters, teilen Sie den Eindruck, dass Kulturpolitik zuletzt an Relevanz gewonnen hat?

Wissen Sie, Platon hatte ja nicht ganz unrecht, als er sagte: „Kultur ist der Sieg der Überzeugung über die Gewalt.“ Insofern haben Kultur und gerade auch Kulturpolitik immer Relevanz, und zwar für jeden einzelnen von uns.

Weshalb?

Da geht es um Fragen der Identität, also um das, was uns im Innersten ausmacht, prägt und verbindet. Damit einher geht die Frage nach Heimat und kultureller Abgrenzung. Zugleich geht es um den Blick über den Tellerrand hinaus, um Weltoffenheit und kulturelle Verständigung. Angesichts dieser bedeutenden Fragen für das menschliche Dasein ist eine verantwortungsbewusste Kulturpolitik von fundamentaler Bedeutung. Und es ist richtig, dass das Bewusstsein dafür in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gestiegen ist, das sieht man hier nicht nur an dem stetig wachsenden Bundesetat für die Kultur.

Die AfD räumt der Kulturpolitik in ihren Programmen breiten Raum ein und strebt nach einer Nationalisierung, um die deutsche Geschichte und Deutschland positiver darzustellen. Wie stehen Sie zu dieser Forderung? Inwiefern unterscheidet sie sich von der Idee einer Leitkultur?

Unter Leitkultur verstehe ich einen Grundbestand an freiheitlichen Werten, wie sie in unserer Verfassung verankert sind und auch meiner Kulturpolitik zugrunde liegen. Das bedeutet konkret: Der Staat schafft die Voraussetzungen, zum Beispiel dafür, dass sich Kreativität entfalten kann. Aber er lässt tunlichst die Finger davon, diese Kreativität auf einen bestimmten Kanon zu beschränken. Das wären der Unterschied und auch das Ende der Kreativität. Kunst und Kultur dürfen und müssen manchmal provokant sein. Das macht ihren Wert für eine vitale Gesellschaft, für eine offene Demokratie aus.

Sie denken dabei an die Debatte über das Eugen-Gomringer-Gedicht an der Fassade einer Berliner Hochschule?

Das ist ein Beispiel. Die Entscheidung der Alice-Salomon-Hochschule, das Gomringer-Gedicht zu übermalen, habe ich nicht zuletzt deshalb ein gefährliches Spiel genannt, weil falsch verstandene Political Correctness unsere Glaubwürdigkeit unterhöhlt. Die Reaktionen sind dann auch immer ein Gradmesser, wie es um die kulturelle Freiheit und die Meinungs- und Medienfreiheit steht.

Die wollen Sie ja mit dem Koalitionsvertrag stärken. Was sind aus Ihrer Sicht die entscheidenden Punkte?

Wir haben an verschiedenen Stellen im Koalitionsvertrag formuliert, wie wir unsere Kulturpolitik zwischen Bund, Ländern und Kommunen gestalten wollen und wie wir uns kulturpolitisch in einer vielfältigen Gesellschaft mit dem Ziel einbringen können, den Zusammenhalt zu fördern. Uns ist zum Beispiel die Stärkung der Kultur in den Regionen wichtig. Die Aufarbeitung des Kolonialismus in unseren Museen und ein Programm „Jugend erinnert“ haben wir in der Erinnerungspolitik neu angeregt. Weitere wichtige Anliegen sind eine bessere soziale Absicherung für Künstler, die Unterstützung von Digitalstrategien in den Kultureinrichtungen, die Stärkung der Deutschen Welle sowie der Erhalt von Medienvielfalt und Meinungsfreiheit.

Was wird das kosten?

Natürlich haben wir auch über die Finanzierung gesprochen. Ich bin mir aber mit den Verhandlern aus der SPD und der CSU einig, dass wir bei der guten wirtschaftlichen Gesamtlage Deutschlands diese ehrgeizigen Ziele gemeinsam erreichen können.

Halten Sie die Einrichtung eines Bundeskulturministeriums, wie es aus der SPD ins Gespräch gebracht wurde, für eine gute Idee?

Das Amt der Kulturstaatsministerin gibt es jetzt 20 Jahre, solange gibt es auch diese Diskussion. Letztlich würde sich dadurch, dass man ein anderes Schild an die Behördentür schraubt, nicht viel ändern. Die Staatsministerin sitzt mit am Kabinettstisch und hat durch ihr Büro im Bundeskanzleramt eine große Nähe zur Bundeskanzlerin. So wird der fundamentale Charakter der Kultur für unser Selbstverständnis am Beginn des 21. Jahrhunderts einmal mehr unterstrichen.

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