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Er ist als der preußische Gartenbauarchitekt berühmt - Peter Joseph Lenné.

Architektur
Preußische Gartenbaukunst jenseits von Oder und Neiße

Franz Friedrich Prinz von Preußen (r) und der Professor Paul Zalewski von der Europa-Universität Viadrina unterhalten sich zur Ausstellungseröffnung «Meisterhaft wie selten einer, die Gärten Peter Joseph Lennés zwischen Schlesien und Pommern» im Collegium Polonicum.
Franz Friedrich Prinz von Preußen (r) und der Professor Paul Zalewski von der Europa-Universität Viadrina unterhalten sich zur Ausstellungseröffnung «Meisterhaft wie selten einer, die Gärten Peter Joseph Lennés zwischen Schlesien und Pommern» im Collegium Polonicum. © Foto: dpa/Patrick Pleul
dpa / 01.03.2018, 09:49 Uhr - Aktualisiert 01.03.2018, 10:16
Frankfurt (Oder)/Slubice (dpa) Der im 19. Jahrhundert entstandene Stadtpark von Stettin hat sich im Laufe der Zeit stark verändert. Dass er um 1825 vom berühmten preußischen Landschaftsarchitekten Peter Joseph Lenné (1789-1866) geplant worden war, weiß heute in der polnischen Metropole Szczecin kaum jemand. Ähnlich verhält es sich wohl mit dem 60 Hektar großen Kurpark Swinemünde an der Ostsee. Noch heute ist Lenneś Werk dort aber das grüne Herzstück der polnischen Grenzstadt Swinoujscie.

Lennés Arbeiten widmet sich eine zweisprachig in Deutsch und Polnisch beschriftete Wander-Ausstellung, die aktuell im Collegium Polonicum Slubice gezeigt wird. Rund 30 Parks und Gärten zwischen Schlesien und Pommern, in denen der Gartenbaukünstler seinen Spuren hinterlassen hat, werden darin porträtiert, zudem ihr heutiger Zustand beschrieben. „Wenn wir seinen Namen und seine Verdienst auch in Polen bekannt machen, steigt hoffentlich auch dort das Interesse, diese Anlagen und Parks wieder herzurichten“, sagt Claudia Tutsch vom Deutschen Kulturforum östliches Europa, das die Schau 2016 gemeinsam mit der Technischen Universität Dresden, der Universität Breslau/Wroclaw und der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg gestaltet hat.

Tutsch verweist auf Beispiele wie den einstigen Schlossgarten Flatow/Zlotow in Polen. Einst in Westpreußen gelegen, gehörte er zum gleichnamigen Krongut der Hohenzollern. Aufgrund von Wildwuchs ist er allerdings heute kaum noch als solcher zu erkennen.

Doch es geht auch anders, zeigt die Schau, beispielsweise im Hirschberger Tal in Schlesien. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts waren dort drei Landgüter in den Besitz der preußischen Königsfamilie übergegangen. Lenné hatte gemeinsam mit den preußischen Baumeistern Karl Friedrich Schinkel sowie Friedrich August Stüler versucht, das umliegende Vorland des Riesengebirges mit Hilfe zahlreicher Sichtachsen in die königlichen Gärten einzubeziehen. Die einzelnen Parks waren durch Wege miteinander verbunden.

Inzwischen sind die Schloss-Park-Ensembles im Hirschberger Tal/Kotlina Jeleniogorska (Polen) umfassend saniert worden und laut dem Deutschen Kulturforum wieder ein Besuchermagnet - auch aufgrund des Engagements des Vereins zur Pflege schlesischer Kunst und Kultur (VSK), dessen Vizevorsitzender Franz-Friedrich von Preußen, Urenkel des letzten Deutschen Kaisers Wilhelm II., ist.

„Wir wollen die Kulturschätze dort sozusagen wach küssen. Ich bin gebürtiger Schlesier und mein Herz hängt daran“, erzählt der prominente Besucher, warum er sich die Ausstellung in Slubice anschaut. Der VSK habe im vergangenen Jahr erstmals einen Denkmalpflegepreis für private Bauherren im Hirschberger Tal ausgelobt und verliehen, sagt der 74-Jährige stolz. Laut Vereinsangaben gibt es dort rund 700 denkmalgeschützte Objekte, viele davon in Privatbesitz.

In das Collegium Polonicum, die gemeinsame deutsch-polnische Forschungseinrichtung der Europa-Universität „Viadrina“ Frankfurt (Oder) und der Adam-Mickiewicz Universität Poznan (Polen) hat der Wissenschaftler Paul Zalewski die Ausstellung geholt. Der Professor für Denkmalkunde leitet den berufsbegleitenden Masterstudiengang „Schutz Europäischer Kulturgüter“ an der „Viadrina“, der sich unter anderem der deutschen Kulturgeschichte auf dem Territorium Polens widmet. „Lennés Erbe ist auch ein europäisches Kulturgut, da er aus heutiger Sicht grenzübergreifend tätig war“, sagt Zalewski, dessen Studenten für Masterarbeiten eng mit der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg kooperieren.

„Gartenarchitekt Lenné ist uns also durchaus ein Begriff“, sagt der Professor, der für die Ausstellung, die bis Ende März am Collegium Polonicum gezeigt wird, auch auf ein reges Interesse der Frankfurter hofft. Gibt es doch in der deutschen Grenzstadt einen der ältesten Bürgerparks Deutschlands. Die knapp neun Hektar große Anlage in der Innenstadt entstand in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nach Plänen von Lenné. Mehrfach hatte er laut den Unterlagen im Frankfurter Stadtarchiv die Stadt besucht, um sich vom Fortgang der Arbeiten zu überzeugen. Heute kümmert sich ein Bürgerverein um den Erhalt und die Pflege des Parks.

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