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Der Verein „Brassens in Basdorf“ feiert sein 15-jähriges Bestehen

Verein
Erinnerung an einen besonderen Mann

Wird in Basdorf regelmäßig gefeiert: der französische Chansonnier George Brassens (1921–1981), hier in Paris beim Spiel mit einem Papagei (Foto von 1972).
Wird in Basdorf regelmäßig gefeiert: der französische Chansonnier George Brassens (1921–1981), hier in Paris beim Spiel mit einem Papagei (Foto von 1972). © Foto: dpa/AFP/Gabriel Duval
Inga Dreyer / 02.03.2018, 06:30 Uhr - Aktualisiert 02.03.2018, 14:34
Basdorf (MOZ) Im Nachhinein lasse sich sagen: Der 7. März 1944 war der Tag, an dem Georges Brassens seine Freiheit wiedererlangt hat, sagt Marion Schuster. An diesem Tag durfte der Chansonnier das Zwangsarbeitslager in Basdorf (Barnim) verlassen. Er nutzte die Chance seines einwöchigen Heimaturlaubes und kehrte niemals zurück.

Dass in der Gemeinde Wandlitz irgendwann der Verein „Brassens in Basdorf“ entstehen würde, der jedes Jahr am 7. März seine Gründung feiert, hätte Brassens sicher nicht erwartet. Selbst die Mitglieder des Vereins ahnten vor 15 Jahren nicht, worauf sie sich einließen. „Wir hatten nur eine vage Vorstellung davon, was uns erwartet“, sagt Jürgen Günther lächelnd.

In einer Mitteilung im Amtsblatt las die Französischlehrerin Marion Schuster, dass 2003 ein Georges-Brassens-Platz im Ort eingeweiht werden sollte. Sie erfuhr so, dass der bekannte Chansonnier ein Jahr als Zwangsarbeiter in ihrem Dorf war. „Ich habe Tränen in den Augen gehabt“, erzählt sie. Sie half, eine französische Delegation ehemaliger Zwangsarbeiter zu empfangen und übersetzte. „Das war so herzlich und menschlich so wertvoll“, erzählt sie über die Begegnung.

Um das Gedenken an Brassens, die Geschichte der Zwangsarbeit und den deutsch-französischen Austausch wachzuhalten, gründeten sie und ihr Mann Jürgen Günther einen Verein. Jedes Jahr organisieren sie ein dreitägiges Chanson-Festival im Barnim und in Berlin sowie im März ein kleineres, familiäreres Gründungsfest mit vielen Konzerten. Von Anfang an hatten sie begeisterte Unterstützer wie den Ortsvorsteher Peter Liebehenschel, aber auch französische Freunde und Verehrer Brassens’.

Als Georges Brassens in Paris von der Polizei aufgegriffen und nach Deutschland gebracht wurde, sei er Lehrling in der Motorenherstellung bei Renault gewesen, berichtet Günther. Weil in Nazi-Deutschland die Arbeitskräfte fehlten, habe man alle jungen Männer eingesammelt, derer man habhaft werden konnte. Brassens musste unter anderem bei den Brandenburgischen Motorenwerken arbeiten. „Er hat selbst nie über seine Arbeit in dem Werk gesprochen“, sagt Günther. Aber andere haben es getan: allen voran sein Freund René Iskin, der mit ihm im Lager war und als erster Interpret seiner Lieder gilt.

„Brassens hat hier seine ersten Lieder komponiert, aber eigentlich nicht selbst gesungen“, erzählt Marion Schuster. Er sei morgens sehr früh aufgestanden und habe an seiner Musik gearbeitet. Er sei ein kritischer Mensch gewesen, der es zum Ausdruck gebracht habe, wenn ihm etwas nicht passte – aber auf eine lustige Art und Weise. „Man wusste, er war ein besonderer Mann“, sagt Marion Schuster. Wenn sie und ihr Mann von Brassens erzählen, spricht ihre Begeisterung aus jedem Satz.

„Er hat ganz einfach gelebt und sich immer für die Schwächeren eingesetzt“, unterstreicht die stellvertretende Vereinsvorsitzende. Das Besondere an Brassens seien die verschiedenen Ebenen seiner Musik, die volkstümliche mit Jazzelementen verbinden, sagt Günther. Von den Künstlern, die beim diesjährigen Gründungsfest auftreten, seien die meisten inzwischen Vereinsmitglieder. Die aus Paris stammende und in Berlin wohnende Chansonpoetin Corinne Douarre etwa ist stellvertretende Vereinsvorsitzende.

Das ist auch wichtig, denn bei den Vorstandswahlen 2020 wollen Jürgen Günther und Marion Schuster die Vereinsgeschäfte endgültig in jüngere Hände geben. Das scheint zu funktionieren, denn mit ihrer Begeisterung sind die Basdorfer nicht allein. „Es gibt so viele Leute, die Brassens wieder entdecken“, betont Marion Schuster.

Gründungsfest Verein Brassens in Basdorf, 10. und 11. März im Barnimer Hof, Am Markt 9, Wandlitz, OT Basdorf, Eintritt frei, www.festival-brassens.info

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