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Friedhof
Gedenkort für Sternenkinder geplant

Ein würdiger Ort: das Gräberfeld für Sternenkinder auf Neuruppins evangelischem Friedhof.
Ein würdiger Ort: das Gräberfeld für Sternenkinder auf Neuruppins evangelischem Friedhof. © Foto: Ruppiner Anzeiger
Roland Becker / 02.03.2018, 10:35 Uhr - Aktualisiert 02.03.2018, 10:40
Hennigsdorf (MOZ) Auf dem Hennigsdorfer Friedhof soll eine Gedenkstätte für Sternenkinder entstehen. Damit soll ein Ort für die Kinder geschaffen werden, die vor, bei oder direkt nach der Geburt gestorben sind und weniger als 500 Gramm wogen. Für diese Geschöpfe gab es bis vor wenigen Jahren in Deutschland keine offizielle Möglichkeit der Bestattung.

Eine Reihe von kommunalen oder kirchlichen Friedhöfen haben schon vor Jahren die Möglichkeit eröffnet, für diese Sternenkinder einen Ort der Erinnerung und der Trauer zu schaffen. Dank eines Vorschlags, den eine betroffene Mutter für den Bürgerhaushalt 2018 eingereicht hat, beschäftigt sich nun auch Hennigsdorfs Politik mit einem solchen Projekt. Die Mutter verweist dabei auf den Friedhof im nordrhein-westfälischen Oelde. Dort gibt es einen Park, in dem betroffene Eltern den Namen ihres Sternenkinds und Botschaften an Bäumen anbringen können. „Ich würde es toll finden, wenn sich auch in Hennigsdorf ein Ort finden würde. Vielleicht ein Baum auf dem Friedhof“, schreibt die Hennigsdorferin.

Im Rahmen der Diskussion um die Friedhofsgebühren griffen am Mittwoch im Stadtparlament sowohl CDU als auch Die Linke diesen Vorschlag auf. Auch die SPD hat sich damit bereits befasst. Unterstützung findet die Idee auch bei Bürgermeister Thomas Günther (SPD): „Der Vorschlag eignet sich sehr gut als Projekt für den Bürgerhaushalt“, sagte er. Gegenüber dieser Zeitung versicherte er zudem, dass dafür nach einer ersten Einschätzung auch das Budget, das auf 20 000 Euro begrenzt ist, ausreichen dürfte.

Was aber geschieht, wenn dieser Vorschlag in der Abstimmung über den Bürgerhaushalt nicht genügend Stimmen erhält? „Dann finden sich Mittel und Wege, dennoch einen würdigen Gedenkort zu gestalten“, versicherte Günther. Er wies darauf hin, dass Eltern auch jetzt schon Sternenkinder auf dem Kindergräberfeld bestatten lassen können. Allerdings dürften dort dann auch die dafür vorgeschriebenen Bestattungsgebühren anfallen.

Zu den Städten, in denen sich schon sehr früh – und ehe der Bundestag eine gesetzliche Regelung geschaffen hatte – des Problems angenommen wurde, zählt Neuruppin. Dort engagierte sich der damalige Verwalter des evangelischen Friedhofs, Norbert Arndt, für das Projekt. Im Juni 2007 wurde die Begräbnisstätte für die Sternenkinder eingeweiht. Damit endete in Neuruppin der vor allem von betroffenen Eltern als un(aus)haltbar angesehene Zustand, dass Embryos, Föten und Totgeburten mit weniger als 500 Gramm mit dem Klinikmüll entsorgt wurden.

Dieses besonders sensible Bestattungsfeld hat auch eine ebensolche Gestaltung erfahren. Auf einem von Blumenrabatten eingefassten Rasen erhebt sich eine Stele, die eine Gravur schmückt: „Leben, die Erde kaum berührt, in Gottes Hand geborgen.“

„Meine Mitarbeiter kümmern sich sehr um dieses Bestattungsfeld. Sie säen jedes Jahr extra Sonnenblumen aus“, sagt Friedhofsverwalterin Susann Fedchenheuer. Auch an eine Sitzmöglichkeit sei gedacht. Zwar haben die Sternenkinder keinen Grabstein, sondern werden unter dem Rasen bestattet. Fedchenheuer und ihre Kollegen tolerieren es aber, was auf anderen anonymen Grabfeldern nicht erlaubt ist: Eltern und Geschwister können Blumen ablegen, Engel aufstellen oder andere Formen der Erinnerung finden.

Mit Zustimmung des Gemeindekirchenrats wurde zwischen dem evangelischen Friedhof und den Ruppiner Kliniken eine Vereinbarung getroffen. „Die Kliniken übernehmen die Pflegekosten, wir kümmern uns um die Beisetzungen“, berichtet Fedchenheuer. In der Regel finden die Bestattungen einmal im Quartal statt. Wenn es gewünscht wird, kann aber auch eine individuelle Trauerfeier vereinbart werden. Die Eltern - ob christlich oder nicht - werden zu einer Trauerfeier in die Friedhofskapelle eingeladen. Die Gestaltung der Gedenkstunde obliegt dem Krankenhausseelsorger. Dabei wird auch das Vaterunser gebetet. Die Trauerfeier sei aber so gestaltet, dass sie nichtchristliche Eltern einbezieht.

Schon im ersten Jahr haben es viele betroffene Eltern dankbar angenommen, nun diesen Ort der Trauer zu haben. Vielleicht haben sie dabei gemerkt, dass sie mit ihrer seelischen Belastung nicht allein sind, dass es viel mehr Betroffene gibt, als sie sich das selber gedacht haben. Und auch für diese zarten Bande, die dabei entstanden ist, haben die Verantwortlichen des Friedhofs eine würdige Form gefunden. Susann Fedchenheuer berichtet: „Einmal im Jahr laden wir zu einer Gedenkfeier ein. Die findet jedes Mal am Sonnabend vor Totensonntag statt.“

Rechtliche Bestimmungen

■ Als Sternenkinder werden Kinder bezeichnet, die mit einem Gewicht von weniger als 500 Gramm vor, während oder direkt nach der Geburt sterben.

■ Das deutsche Bestattungswesen schreibt für diese gestorbenen Kinder keine Bestattungspflicht vor. Oftmals fehlte sogar die Möglichkeit für die Eltern, ihr Sternenkind zu beerdigen. Lange Zeit wurden die sterblichen Reste von den Klinken als „Sondermüll“ entsorgt.

■ Erst 2012 hat das Bundeskabinett eine Änderung des Personenstandsrechts vorgeschlagen. Der Bundestag beschloss diese Gesetzesänderung im März 2014 Damit wurde nicht nur der standesamtliche Eintrag dieser Sternenkinder ermöglicht, sondern auch deren würdige Bestattung.

■ Zuvor gab es bereits Kommunen oder Kirchengemeinden, die auf ihren Friedhöfen eine würdige Bestattung dieser Totgeburten ermöglichten. In Neuruppin ist dies seit 2007 auf einer eigenen Gedenkstätte möglich. In Hennigsdorf können Sternenkinder in Kindergräbern beigesetzt werden.

⇥(rol mit Wikipedia)

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