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Maroder Bahnhof
Kein Licht am Ende des Hennigsdorfer Bahnhofstunnels

Nur noch ein Gerippe: Die Überdachung wurde von der Bahn vor Jahren abgebaut.
Nur noch ein Gerippe: Die Überdachung wurde von der Bahn vor Jahren abgebaut. © Foto: Roland Becker
Roland Becker / 02.03.2018, 19:24 Uhr
Hennigsdorf (MOZ) Lange Zeit wurde nicht über das Projekt des nördlichen Tunnels am Hennigsdorfer Bahnhof geredet. Jetzt gibt es Neuigkeiten, allerdings keine guten. Der seit 2011 verfolgte Tunneldurchstich wird erst bis 2030 entstehen. In Potsdam will man nicht handeln, bevor die Frage der Einbindung des Prignitz-Expresses nicht geklärt ist.

Bereits seit Beginn dieses Jahrzehnts bemüht sich die Stadt Hennigsdorf, den zweiten Bahnhofstunnel zu öffnen. Wer den Hauptbahnsteig bis an dessen Ende geht, steht vor einem geschlossenen Ausgang. „Stahl- und W“ - der Rest ist übermalt - kündigt noch davon, dass über diese Treppe die Stahlwerker zur Arbeit eilten. Einen Ausgang gab es damals aber nur in Richtung des alten Bahnhofsgebäudes. 2011 fassten die Stadtverordneten den Beschluss, den Tunnel zu erweitern, um einen Ausgang Richtung Poststraße zu schaffen. Seither befassen sich mehrere Ministerien, die Deutsche Bahn und die Stadtverwaltung mit dem Projekt. Auf Nachfrage dieser Zeitung teilte das Bundesverkehrsministerium im Dezember 2011 mit, dass ein Förderantrag bearbeitet werde.

Der Zwischenstand nach sieben Jahren ist ernüchternd: „Wir haben jetzt erfahren, dass die Realisierung bis 2030 erfolgt. Ich bin entsetzt“, sagte Bürgermeister Thomas Günther (SPD) dieser Zeitung. Schon dieser Fakt habe ihn erstaunt. Noch enttäuschter sei er aber darüber gewesen, dies aus einer Pressemitteilung des Infrastrukturministeriums zu erfahren. Eine direkte Information aus dem Hause von Ministerin Kathrin Schneider habe es nicht gegeben.

Dafür hat der Bürgermeister jetzt der Ministerin geschrieben. „Ich habe ihr mitgeteilt, dass Stadt, Land und die Bahn seit 2011 an der Planung und Finanzierung arbeiten. Ich habe sie auch darauf hingewiesen, dass der Instandhaltungsstau auf dem Bahnhof nicht hinnehmbar ist.“

Ganz bei seinem Chef ist in dieser Hinsicht der fürs Bauen zuständige Fachbereichsleiter Daniel Stenger. Ihn stört nicht nur, dass kein Licht am Ende des Tunnelprojekts zu sehen ist. Ihn ärgert auch, dass sich auf dem maroden Bahnhof nichts tut. „Derart frequentiert, wie der Bahnhof ist, wäre eine funktionierende Überdachung angemessen.“ Die existiert nur in einem Teilbereich eines Regionalbahnsteigs. Wer auf dem zweiten Bahnsteig oder auf die S-Bahn wartet, ist Wind und Wetter ausgesetzt.

Ein Bahnsprecher hatte dieser Zeitung gegenüber im vorigen Jahr darauf hingewiesen, dass ein Teil der Bahnanlagen überdacht ist. Eine Notwendigkeit, den S-Bahnsteig ebenso auszustatten, sah er nicht. In Richtung Stahlwerks-Ausgang erinnert ein Stahlskelett daran, dass die Bahn hier vor einigen Jahren das Dach demontieren ließ.

Im Rathaus vermutet man, dass der Stillstand in Sachen Tunnel mit der ungeklärten Frage der Einbindung des Prignitz-Expresses nach Berlin zu tun hat - und legt damit eine Punktlandung hin. „Der Umbau des Bahnhofs Hennigsdorf - Grunderneuerung und Erweiterung des nördlichen Zugangstunnels - ist ein wichtiges Vorhaben“, versichert Michael Brentrup. Der Büroleiter von Ministerin Schneider fügt jedoch ein Aber hinzu: „Vor einem Umbau ist jedoch zu klären, wie die geplante Einbindung des Prignitzexpresses nach Gesundbrunnen zu planen ist. Dies wird im Rahmen des Projekts i2030 zwischen Berlin, Brandenburg und der Deutschen Bahn in 2018/19 geklärt. Unmittelbar danach wird die Entscheidung zum Umbau des Bahnhofs Hennigsdorf getroffen.“ Der Entwurf des Landesnahverkehrsplans sagt dazu, dass der Prignitz-Express nicht vor 2030 direkt nach Gesundbrunnen fahren wird.

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