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Gedenkort
Wissen, wie die Berliner Mauer aussah

Blick von oben: Links neben dem Naturschutzturm ist der Mauerweg zu erkennen. Die Bäume sind hoch gewachsen. Ein kleiner Teil davon soll auf Höhe des Turms nun für eine Schneise gefällt werden. Im Hintergrund befindet sich das Gewerbegebiet.
Blick von oben: Links neben dem Naturschutzturm ist der Mauerweg zu erkennen. Die Bäume sind hoch gewachsen. Ein kleiner Teil davon soll auf Höhe des Turms nun für eine Schneise gefällt werden. Im Hintergrund befindet sich das Gewerbegebiet. © Foto: Louis Le Page
Heike Weißapfel / 03.03.2018, 14:00 Uhr
Bergfelde (MOZ) Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) Oberhavel will am Bergfelder Naturschutzturm den Gedenkort an die Mauer verändern. Eine bestehende Schneise im Wald soll dazu verbreitert werden. In einem zweijährigen Projekt soll möglichst auch ein Mauersegment aufgestellt werden.

Nicht nur Kindern und Jugendlichen ist nicht klar, was die Berliner Mauer für die Bewohner beider Seiten bedeutet hat und wie groß und hoch sie war. Bald 30 Jahre nach dem Mauerfall wissen auch viele Erwachsene nicht mehr, wie die Grenzanlagen ausgesehen haben. Die SDW plant, dies durch Umgestaltungen am Naturschutzturm nachvollziehbarer zu machen. „Wir verbreitern eine bereits bestehende Schneise im Wald um etwa fünf bis sechs Meter, um die Dimension der Grenzanlage in diesem Gebiet verdeutlichen zu können“, erklärt der Vorsitzende der SDW Oberhavel, Dirk Hartung. Er ruft für den 10. März Freiwillige zur Mithilfe auf. Mit der Oberförsterei Borgsdorf sei das Vorhaben abgesprochen, wehrt sich Hartung gegen Kritik.

Denn Mitglieder der Deutschen Waldjugend (DWJ) -Naturschutzturm Berliner Nordrand sprechen sich gegen die Verbreiterung der Schneise aus. „Wir haben dort eine schmale Schneise geschaffen, die reicht doch“, sagt Mitbegründer Marian Przybilla. „Wir wollen dort auch zeigen, dass zusammenwächst, was zusammengehört.“ Immerhin sei der kahle Grenzstreifen seit 1991 auch auf Betreiben von Berliner wie Brandenburger Forstverwaltungsseite sowie der DWJ von zahlreichen Jugendlichen mit etwa 80 000 Setzlingen aufgeforstet worden. Ein Teil dieser Bäume soll nun abgesägt werden.

„Wir wünschen uns von der Forstverwaltung und von der Stadt, dass sie sich dafür einsetzen, dass das unterlassen wird“, sagt der Vorsitzende des Vereins Deutsche Waldjugend–Naturschutzturm, Stephan Schwarzbold, der sich erinnert, als Jugendlicher dort selbst einige Tausend Bäumchen in die Erde gesetzt zu haben. „In Hohen Neuendorf brauchen wir keine 20 Meter breite Schneise. Da gibt es in Berlin bessere Gedenkorte, um an die Grenze zu erinnern. Beim Naturschutzturm liegt ja die Betonung seit der Übernahme von der Armee ausdrücklich auf Naturschutz“, gibt Schwarzbold zu bedenken.

Es gehe keineswegs darum, „einer verklärten Ostalgie-Kultur zu frönen“ oder unbedacht Natur- und Lebensräume zu zerstören, hält Dirk Hartung dagegen, sondern vielmehr  um „Waldpflege und Gedenkkultur in Einklang“ bringen. Künftig könnte zur besseren Veranschaulichung ein Mauersegment auf dem Grenzstreifen aufgestellt werden. Dafür versuche die SDW, die Stadt Hohen Neuendorf als Partnerin zu gewinnen, so Hartung, der als Ziel November 2019 anpeilt, den 30. Jahrestag des Mauerfalls. Das Areal, an dem bereits jetzt der vier Maueropfer Hohen Neuendorfs gedacht wird, soll zusätzlich überarbeitet werden.

„Die Maßnahme im Wald ist mit uns abgestimmt“, bestätigt Henry Repkow, Leiter der Landeswald-Oberförsterei Borgsdorf, die diese Fläche des Brandenburger Waldes verwaltet, das Vorhaben. „Das wird dort kein großer Eingriff in die Natur und ist nicht schädlich“, versichert Repkow. „Es bleibt natürlich alles Waldfläche.“ Die Polemik könne er nicht nachvollziehen. Die Kiefern seien im Laufe der Jahre hochgewachsen, sodass die Grenze nicht mehr zu erkennen sei. Einen Teil davon jetzt sichtbar zu machen, sei ein nachvollziehbarer Ansatz. „Es gibt immer wieder einen Wandel im Wald, das ist doch normal. Es wird ja auch von Zeit zu Zeit geerntet“, nennt er ein Beispiel. Alle Wälder seien übrigens durch Aufforstungen entstanden, erwidert er auf das Argument, dass dort nach der Wende eigens Jungpflanzen gesetzt worden waren.

Auch am Herthamoor sollen am Sonnabend nächster Woche einige Handschläge getan werden. Für die Einsätze am 10. März hofft die SDW auf viele freiwillige Helfer, die gerne eigenes Werkzeug dabeihaben sollten. Um 9 Uhr geht es am Naturschutzturm los. Für einen Imbiss sei auch wieder gesorgt.

Turmgeschichte

■ Am ehemaligen Bergfelder Grenzwachturm ist seit der historischen Wende mit großer Kontinuität und viel Arbeit dafür gesorgt worden, zum einen Naturschutz und das Bewusstsein für die Umwelt bei jungen Menschen zu fördern und zum anderen das Gedenken an die Geschichte der Mauer wachzuhalten.

■ 25 Jahre lang haben die Naturschützer Helga Gar­duhn, damals Biologielehrerin in Oranienburg, und Marian Przybilla, Biologielehrer in West-Berlin, die Natur erlebbar und die Geschichte erfahrbar gemacht. Die beiden wurden kurz nach der Wende Eigentümer des Turms, der fortan Helga Garduhns „Ökokekis“ und Marian Przybillas Verein Deutsche Waldjugend, der Jugendorganisation der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald Berlin, deren Mitglieder auch die „Ökokekis“ wurden, als Standort diente.

■ Tausende von Kindern und Jugendlichen lernten dort im Schulunterricht Flora und Fauna kennen. Auch Jugendliche und Erwachsene wie Auszubildende oder auch Angehörige der Bundeswehr kamen zum Turm, um sich über die Geschichte zu informieren. Auf dem Gelände erinnern Tafeln in Texten, Fotografien und Artefakten wie einem Stahlgitterrasen an die Opfer der Mauer.

■ 2015 übereigneten Helga Garduhn und Marian Przybilla ihren jeweiligen Teil des Turms an die SDW Oberhavel beziehungsweise an die SDW Berlin, um öffentlichen Zugang sowie den Fortgang der Arbeit sicherzustellen. Diese wird mit Veranstaltungen und Ausstellungen fortgesetzt. SDW und Teile der Waldjugend – Naturschutzturm arbeiten aber nicht mehr zusammen.⇥ (hw)

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