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Jahresbilanz der Hegegemeinschaft Schwedt-Angermünde / Druck auf Jäger wächst

Jägersorgen
Wolfalarm und Schweinepest

Im Gespräch: Vorsitzender Jörg Kabelitz (2.v.r.) diskutiert mit Willy Brüß aus Berkholz (l.) und seinen Söhnen und Nachwuchsjägern Martin (r.) und André Kabelitz.
Im Gespräch: Vorsitzender Jörg Kabelitz (2.v.r.) diskutiert mit Willy Brüß aus Berkholz (l.) und seinen Söhnen und Nachwuchsjägern Martin (r.) und André Kabelitz. © Foto: MOZ/Daniela Windolff
Daniela Windolff / 04.03.2018, 22:31 Uhr
Casekow (MOZ) Zwischen waidgerechter Wildpflege, Abschussquoten und politischem Aktionismus müssen die Jäger der Uckermark derzeit balancieren. Das Jagdjahr 2017 war für die Hegegemeinschaft Schwedt/Angermünde eines der schwierigsten. Und der Druck wächst weiter.

Die Ausbreitung des Wolfes und die Afrikanische Schweinepest, das sind derzeit Aufregerthemen, die auch politisch heftig diskutiert werden. Dabei stehen immer mehr die Jäger in der Verantwortung, die es im Wald richten sollen.

Während der in Deutschland streng geschützte Wolf sich ungehindert ausbreiten darf und die Jäger erst Erfahrungen sammeln müssen, welche Auswirkungen das Raubtier auf den Wildbestand, zum Beispiel beim Muffelwild hat, gibt es für das sich rasant vermehrende Schwarzwild mittlerweile vorgeschriebene Mindestabschusspläne, die die Jäger unter Androhung von Strafen erfüllen müssen. Verschärft wird die Situation durch die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest.

Diese Themen standen unweigerlich auch bei der diesjährigen Vollversammlung der Hegegemeinschaft Schwedt-Angermünde im Mittelpunkt, die am Sonnabend in Casekow stattfand. Es ist die Jahresrechenschaft der Jägerschaften zwischen Rosow, Neurochlitz, Stolpe und Neukünkendorf. Vorsitzender Jörg Kabelitz resümierte ein weniger erfolgreiches Jahr. Knapp 60 000 Hektar Fläche, unter andrem auch im Nationalpark Unteres Odertal und im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin, bewirtschaftet die Hegegemeinschaft mit ihren 91 Mitgliedern. Dabei ist das Wort Hege im Namen Programm. "Jäger schießen nicht einfach drauf los, um möglichst viel Wild zu erlegen und tolle Trophäen zu erbeuten", stellt Jörg Kabelitz klar. "Verantwortungsvolle Jäger haben die Aufgabe, den Wildbestand zu regulieren und gesund zu erhalten und Wildschäden in der Land- und Forstwirtschaft zu verhindern. Gelingt ihnen das nicht, werden sie zu Schadensersatz herangezogen, was immer wieder vorkommt." Aktuell stehen die Jäger auch in der Verantwortung, den Wildschweinbestand zu dezimieren, um die Übertragung und Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest zu verhindern. Für Förster und Jäger Jörg Kabelitz sind die Auflagen blanker Aktionismus der Politik. Für ihn ist der Mensch der gefährlichste Überträger, der die Erreger einschleppt, zum Beispiel durch den grenzüberschreitenden Fernverkehr aus Osteuropa. "Leider wird durch die Schweinepest-Hysterie diese interessante Wildart stigmatisiert und die Wildsauen zum Bock gemacht", meint Jörg Kabelitz und fordert von der Politik nicht nur die Förderung zur Entwicklung eines Impfstoffes, sondern auch Entschädigungen für Jäger in betroffenen Gebieten, wie sie in Polen und anderen Ländern bereits üblich sind. Stattdessen drohen für Jäger hierzulande bei Inkrafttreten des verschärften Seuchengesetzes hohe Zwangsstrafen, wenn sie die Mindestabschusszahlen nicht erfüllen.

Zudem befürchtet Kabelitz, dass bald aus Angst kein Händler mehr Schwarzwild abnimmt und die Preise in den Keller fallen. Die liegen schon jetzt auf Rekordtief von 30- bis 40 Cent pro Kilo. Das stehe in keiner Relation zum enormen Aufwand der Jäger, die oft stundenlang bei Wind und Wetter draußen ausharren müssen, viele Male umsonst, um ein Stück Wild zu erlegen, das dann mit großer körperlicher Anstrengung abtransportiert werden muss. Und auch bei den zunehmenden Wildunfällen im Straßenverkehr müssen die Jäger Tag und Nacht abrufbereit stehen, schlägt Kabelitz eine Lanze für mehr Anerkennung der Leistung der Jäger.

Auch ohne die Schweineseuche hätte man jedoch beim Schwarzwild handeln müssen. Die Bestände in der Region Angermünde und Schwedt seien um 250 bis 300 Prozent gestiegen. Allein zwischen Rosow und Schwedt mache das als 2000 bis 3000 Schwarzkittel mehr aus.

Für den Fachmann liegen die Ursachen einerseits an der Klimaveränderung, sodass auch sehr viele schwache Frischlinge durchkommen, die normalerweise nicht überleben würden. Außerdem sind die großen Maisschläge in der Landwirtschaft ideale und üppige Futterquellen. Hinzukommt, dass sie im Dickicht der Maisfelder nur sehr schwer zu jagen sind. Deshalb appeliert Kabelitz an Jäger und Landwirte, gemeinsam Lösungen zu suchen. Inzwischen kommen sie auch näher an die Ortschaften, wühlen Deiche und Gärten um.

Beim Schwarzwild wurden zwar die Mindestquoten von 1300 Stück erreicht und im vergangenen Jahr insgesamt 1700 Sauen erlegt, aber es sei noch nicht genug.

Bei anderen Wildarten, wie Rot-, Dam- und Muffelwild, wurden die Abschusspläne nicht erfüllt. In der Hegegemeinschaft beobachtet man, gestützt durch mit Sendern ausgerüstete Tiere, Veränderungen des Verhaltens. So ziehen sich viele immer tiefer ins Schilf oder in den Wald zurück. Grund dafür könnte der gestiegene Jagddruck aber auch Störungen durch die massive Holzwirtschaft mit schweren Geräten, gerade nach den Stürmen, und nicht zuletzt Touristen und Waldbesucher sein. "Unruhe im Wald verzeiht das Wild überhaupt nicht", mahnt Förster Jörg Kabelitz.

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