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Man sieht die Mietfahrräder schon an fast jeder Ecke

Konkurrenz
Das Leid mit den Leihrädern

Hartes Geschäft: Umgestürzte Mieträder der Deutschen Bahn, die von Lidl gesponsert werden, liegen auf dem Gehweg. In Berlin wollen sich gleich mehrere Anbieter mit bald 30 000 Sharing-Bikes Konkurrenz machen.
Hartes Geschäft: Umgestürzte Mieträder der Deutschen Bahn, die von Lidl gesponsert werden, liegen auf dem Gehweg. In Berlin wollen sich gleich mehrere Anbieter mit bald 30 000 Sharing-Bikes Konkurrenz machen. © Foto: dpa
Maria Neuendorff / 05.03.2018, 06:00 Uhr
Berlin (MOZ) Die Zahl der Leihfahrräder in Berlin nimmt rasant zu. Mittlerweile machen sich sieben Anbieter Konkurrenz. Darunter auch asiatische Firmen, die mit Billigrädern auf den Markt drängen, bei denen auch der Datenschutz noch im Argen liegt.

Sie leuchten in den verschiedensten Farben, manche stehen in Reih und Glied, andere hat der Wind einfach umgeweht: Derzeit gibt es rund 12 000 Mieträder in der Stadt. Bald könnten es 30 000 werden. Neben dem öffentlichen Verleihsystem „Nextbike“ bieten sechs weitere Bike-Sharing-Unternehmen ihre Dienste an. Zu den 3500 robusten Lidl-Bikes (früher Call-a-Bike) will oBike bis zu 5000 gelbe Räder in der Stadt verteilen, die man mit einer Smartphone-App ent- und verriegeln und ab einen Euro pro halbe Stunde mieten kann. Die leichten Billigräder aus Singapur sieht man schon jetzt häufig umgekippt auf Bürgersteigen liegen. Für Aufsehen sorgen mit ihren orangeroten Speichen auch die 700 „moBikes“. Das 2016 in China gegründete Unternehmen will langfristig 10 000 Räder in Berlin aufstellen. Auch Ofo mit Sitz in Peking will 10 000 Räder in der deutschen Hauptstadt verleihen.

„Da die Anbieter ihre Mieträder ohne Abstimmung mit den Bezirksämtern im öffentlichen Straßenland abstellen, können die tatsächliche Anzahl und die konkreten Standorte nicht benannt werden“, heißt es in einer Antwort auf eine Anfrage der AfD im Abgeordnetenhaus. Wie die FDP fordert die Fraktion, die Firmen für ihre „Rückgabezonen“ und „Sammelstellen“ Gebühren zahlen zu lassen.

„Die Räder sollten lieber gleich im Straßenland auf umgewandelten Autoparkplätzen aufgestellt werden“, schlägt dagegen Denis Petri, Sprecher der Initiative Volksentscheid Fahrrad, vor. Die Initiative, die sich für mehr Radwege einsetzt, begrüßt den Ausbau der Fahrradleihsysteme. Petri bedauert jedoch, dass sich die meisten Verleiher auf das schon dichte Netz innerhalb des S-Bahnringes beschränken. Eine Ausweitung bis zur Stadtgrenze oder sogar bis in die anschließenden Umlandgemeinden würde noch mehr Pendler dazu bringen, das Auto stehen zu lassen. „Wir würden uns freuen, wenn der Senat dazu wenigstens Probegebiete in die Vereinbarung mit Nextbike aufnimmt“, so Petri.

Der Leipziger Fahrrad-Verleiher wird als einziger stationsgebundener Anbieter vom Senat pro Jahr mit 1,5 Millionen Euro bezuschusst. Die 2280 blauen Nextbikes sind auf 182 Standorte in den Innenstadtbezirken verteilt. Das wachsende Angebot anderer Firmen nimmt Nextbike scheinbar gelassen. „Unserer Meinung nach kann es kaum genug Fahrräder geben“, sagt Sprecherin Mareike Rauchhaus. Jedoch sollten sich alle an die gleichen Regeln halten und die Räder ordentlich warten und die  Standorte mit der Stadtverwaltung abstimmen, sodass es nicht zu Beeinträchtigungen durch parkende Mietfahrräder komme. „Ansonsten droht der ganzen Branche ein Imageverlust.“ Trotz der zunehmenden Konkurrenz seien die Verleihzahlen bei Nextbike bisher kontinuierlich gestiegen“, betont Rauchhaus. „Hinsichtlich Datenschutz und Qualität setzen die Kunden vielleicht doch eben lieber auf die etablierten deutschen Anbieter.“

So wurde Ende 2017 ein Datenleck bei der Firma oBike bekannt, die ihre Dienste auch in München, Frankfurt und Hannover anbietet. Laut Bayerischem Rundfunk konnten im Internet eine Zeit lang Telefonnummern, Profilbilder sowie Prepaid-Guthaben von oBike-Kunden eingesehen werden.

Auch der Berliner Senat kann nicht ausschließen, dass bei Billigverleihern das Datensammeln das eigentliche Geschäftsmodell ist, um gezielt Werbung an die Share-Bikes-Kunden zu versenden. „Die Berliner Beauftragte für Datenschutz hat hierzu keine Erkenntnisse“, heißt es dazu in der Antwort auf die schriftliche Anfrage. Weil der deutsche Sitz der Unternehmen München ist, sei für deren Kontrolle das Bayerische Landesamt für Datenschutzaufsicht zuständig. Dort hatte man sich bis zur Anfrage dieser Zeitung allerdings noch nicht mit dem Thema Berliner Leihfahrräder beschäftigt. „Aber jetzt sind wir dran“, verspricht Präsident Thomas Kranig.

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