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Offene Türen
Bibliothek mit allen Sinnen erleben

Klappernde Behälter: Pascal Miethe und Leonie Nietsche werden von Ines Pöschke (li.) und Antje Miethe angeleitet.
Klappernde Behälter: Pascal Miethe und Leonie Nietsche werden von Ines Pöschke (li.) und Antje Miethe angeleitet. © Foto: Jörg Kotterba
Jörg Kotterba / 05.03.2018, 07:30 Uhr - Aktualisiert 05.03.2018, 12:37
Beeskow (MOZ) Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Tasten: Am Tag der offenen Tür in Beeskows Alter Kupferschmiede ging es am Sonnabend rund um die Sinne. In einer Ausstellung wurden barrierefreie Medien für Blinde vorgestellt.

Leonie Nietsche und Pascal Miethe hatten ihren Spaß. Die beiden Siebenjährigen ließen Besucher der Kupferschmiede Dinge ertasten, die in einem Schuhkarten versteckt waren, und Teile erraten, die in kleinen Behältern klapperten. Ein Stück Fell musste man fühlen und Nüsse erkennen. Vom „Blinde Kuh“-Spiel hatten sie auch schon gehört. Töne ließen sie aus unterschiedlich gefüllten Flaschen erklingen. Nur das Bechertelefon kannten sie noch nicht.

Bechertelefon? Elke Prüßig, eine der rührigen Bibliothekarinnen, erklärte: In die Böden zweier Plastikbecher wird je ein kleines Loch gestochen und darin ein meterlanger Baumwollfaden mit einem Mehrfachknoten gesichert. Fertig! Nun hält ein Kind den einen Becher ans Ohr, das andere geht so weit weg, bis der Baumwollfaden straff gespannt ist und spricht dann in den Becher.  „Das klappt. Hat was mit Schwingungen zu tun“, sagt Elke Prüßig knapp. Sie strahlt, da sich einige Beeskower Kinder für das Thema Blindsein interessierten. Sie selbst hat eine Tochter, die seit der Geburt blind ist: Sandra Prüßig. Die jetzt 40-Jährige sitzt als Mitarbeiterin im Staatlichen Schulamt an einem blindenspezifischen Arbeitsplatz und nutzt dafür die Braille-Schrift in Kombination mit Computer, Smartphone und speziellen Hightech-Hilfsmitteln.

„Wir wollen heute Besucher der Kupferschmiede für das Thema Sinne sensibilisieren, haben dafür Mitglieder der Beeskower Bezirksgruppe des Brandenburgischen Blinden- und Sehbehindertenverbands eingeladen“, informiert Bibliotheksleiterin Ines Pöschke. Rund 70 000 Ausleihen und annähernd 4000 Besucher verzeichnet die Bibliotheksstatistik für 2017. Vielleicht werden es in diesem Jahr mehr, „denn ab sofort bieten wir etwa 40 000 Hörbücher und CDs aus dem Bestand der Deutschen Zentralbücherei in Leipzig für blinde und sehbehinderte Menschen an“, blickt  Ines Pöschke voraus. Dieser Samstag, dieser Tag der Sinne sei dafür ein guter Start. Sie und ihre Mitarbeiterinnen hatten deshalb auch eine Ausstellung zum Thema barrierefreie Medien für Blinde vorbereitet.

Mit Monika Schulze und Jörg Mausolf kamen zwei weitere Mitglieder der Beeskower Bezirksgruppe des BSVB zum Tag der offenen Tür. „Über Herrn Mausolf, der unser ehrenamtlicher Vorsitzender ist, hat die Märkische Oderzeitung ja erst zum Jahresanfang, zum sogenannten Braille-Tag, einen sehr guten Beitrag veröffentlicht und auch die Sorgen von uns Blinden im Alltag benannt“, lobte  Monika Schulze. Die 58-jährige Beeskowerin verfügt nur noch über eine Sehkraft von einem Prozent. Auch sie nutzt die Braille-Schrift in Kombination mit moderner Technik.

Am Samstag setzte  Monika Schulze interessierten Kindern lustige Brillen ohne Gläser auf – sie waren also „blind“. Dann mussten sie Dominosteine, versehen mit der Punktschrift, besser:  Braille-Schrift,  in der richtigen Reihenfolge an-legen.

Pascal Miethe – der Siebenjährige mit dem Schuhkarton – kam mit seiner Mutter Antje Miethe zum Tag der Sinne. „Ich nehme heute jede Menge Anregungen für meine Arbeit als Kita-Erzieherin  mit nach Hause“, meinte die Fachfrau. Man könne nicht früh genug damit anfangen, den Kindern begreiflich zu machen, dass Menschen auch „anders“ sein können.

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