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Senftenhütter Kultur- und Bildungsverein will mit neuem Domizil in die Ortsmitte zurückkehren

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Gasthaus, Drehort und bald Vereinsraum

Neuer Vereinsmittelpunkt: Im einstigen "Schatzen's Eck" in der Senftenhütter Lindenstraße ist nicht nur der Streifen "Amerika" gedreht worden.
Neuer Vereinsmittelpunkt: Im einstigen "Schatzen's Eck" in der Senftenhütter Lindenstraße ist nicht nur der Streifen "Amerika" gedreht worden. © Foto: MOZ/Julia Lehmann
Julia Lehmann / 06.03.2018, 06:00 Uhr
Senftenhütte (MOZ) Die Suche ist für beendet erklärt. Der Kultur- und Bildungsverein Senftenhütte hat ein neues Domizil im Ort gefunden. In Eigenregie soll schon bald umgebaut werden. Nach der Kündigung aus der alten Dorfschule hoffen die Mitglieder, wieder zum Beleben des Ortes beizutragen.

Es soll ein Neuanfang werden, vor allem räumlicher Natur. Die Arbeit des Kultur- und Bildungsvereins "Alte Schule", sie war zwar nie erloschen. In den vergangenen drei Jahren aber war sie etwas beschwerlicher geworden, wie Vereinsvorsitzender Thomas Pätzold und seine beiden Stellvertreter Hartmut Lindner und Konrad Roterberg bei einem Besuch in Senftenhütte berichten. 2015 verlor der Verein seinen bisherigen Sitz in der alten Dorfschule, die auch als Tagungsort für den Ortsbeirat sowie die Arbeit anderer genutzt worden war. Die Gemeinde verkaufte es trotz Gegenwehr.

"Die Rekonstruktion wäre für die Gemeinde zu teuer geworden", sagt Martin Horst auf Nachfrage. Ja, das Vereinsleben habe bei dieser Entscheidung in den Hintergrund rücken müssen, so Chorins Bürgermeister. Auch der Verein Keramikhütte und das Shiatsu-Studio mussten raus. "Wir fühlen uns ignoriert von den Gemeindevertretern", sagt Thomas Pätzold (68). Bis heute kritisieren die Männer die Entscheidung sehr.

Der Verein zog seither wie ein Wanderzirkus umher, so Pätzold. Denn für die eigenen Veranstaltungen wie dem Kino fehlten die Räumlichkeiten. Unterschlupf fand der Verein in den Gemeindehäusern anderer Orte. Das Ganze hatte nur einen Haken. Die Senftenhütter wanderten nur ungern mit. Und so besuchten kaum welche der 120 Einwohner die ausgelagerten Veranstaltungen. "Wir haben uns gesagt, wir brauchen in Senftenhütte ein Domizil", sagt Thomas Pätzold. Neben den Film-Abenden gestaltet der Verein sein Programm auch mit anderen Akteuren. So ist im April zum Beispiel ein Besuch bei Bildhauer Christian Uhlig in Angermünde geplant. In der Scheune von Hartmut Lindner (71) sollen weiterhin Workshops stattfinden.

Einen passenden Raum zu finden sei nicht leicht und letztendlich dem Zufall zu verdanken gewesen - und Konrad Roterberg. Der 72-Jährige ist stellvertretender Vereinsvorsitzender und bewohnt seit 2009 die einstige Gastwirtschaft "Schatzen's Eck" in der Lindenstraße gemeinsam mit seiner Frau Karin. Einen saalartigen Raum mit hohen Decken und Fenstern will er nun dem Verein über einen Pachtvertrag zur Verfügung stellen. In den 1970er-Jahren sei das Gasthaus ein durchaus belebter Ort gewesen. "Dann wurde der Laden polizeilich geschlossen", berichtet Konrad Roterberg.

In den 1990er-Jahren wurde der Raum als Filmkulisse genutzt. Der Streifen "Amerika" (1994) spielt im sächsischen Amerika und erzählt die Geschichte von Lillian (Sophie von Kessel), die aus dem "Alten Krug" ein gutlaufendes Restaurant machen will. Der Name der Film-Kneipe ist noch heute über dem Eingang an der Ecke erkennbar. Nun soll der Saal also eine Art Neugeburt erfahren und gleichzeitig das Raumproblem des Vereins lösen. Einen Teil der Fläche will Roterberg privat nutzen. Durch eine Wand sollen aus einem, zwei Räume entstehen. Die sich ergebenden 50 Quadratmeter sollen mit Stühlen und Leinwand ausgestattet für die regelmäßigen Filmvorführungen und anderes genutzt werden können.

Der Bauantrag ist eingereicht, aber noch ohne Ergebnis. Die Lokale Aktionsgruppe Barnim (LAG), durch deren Filter Förderanträge zunächst laufen, hat bereits grünes Licht gegeben. Wenn der Projektantrag Zustimmung findet, könnten 75 Prozent der kalkulierten etwa 60 000 Euro bezuschusst werden. "Dabei geht es nur um die Rekonstruktion des Raumes", erklärt Thomas Pätzold. Und es müsse einiges getan werden. Im Grunde alles. Fußboden, Decke, Fenster, Elektrik, Heizung, Sanitäranlage und mehr. Bis Ende Juni wäre Zeit, die Männer wollen den Förderantrag aber schnellstmöglich nach Prenzlau schicken. Im kommenden Jahr könne eine Umbau eventuell beginnen.

Thomas Pätzold und seine Mitstreiter verstehen ihr Tun nicht etwa als "Hobby". Sie wollen Vereinsleben und ein kulturelles Angebot schaffen. Alle drei problematisieren immer wieder ein Gefühl des Verdrängtwerdens der Vereine in der Gemeinde.

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