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Friseurmeister Daniel Schwefel lässt in Wriezen und Neutrebbin Schüler in den Beruf hineinschnuppern

Friseurhandwerk
Schon vor der Lehre Fuß fassen

Möchte Friseurin werden: Jennifer Schulz hat deshalb eine Schnupperlehre bei Daniel Schwefel begonnen.
Möchte Friseurin werden: Jennifer Schulz hat deshalb eine Schnupperlehre bei Daniel Schwefel begonnen. © Foto: MOZ/Anett Zimmermann
Anett Zimmermann / 06.03.2018, 06:45 Uhr
Wriezen/Neutrebbin (MOZ) Zehn junge Leute haben bisher eine Schnupperlehre bei Friseurmeister Daniel Schwefel absolviert. Für sechs von ihnen war dies der Grundstein für die Ausbildung in einem der beiden Salons. Jennifer Schulz aus Bad Freienwalde will diesen Weg nun ebenfalls einschlagen.

Für sein Engagement für den Berufsnachwuchs ist Daniel Schwefel bereits mehrfach ausgezeichnet worden. Und eigentlich hatte dies ein Beitrag über einen jungen Mann werden sollen, der aus Afghanistan geflüchtet war und inzwischen eine Einstiegsqualifizierung bei dem Friseurmeister angefangen hatte - mit dem Ziel, nach einem Jahr bei ihm auch die dreijährige Ausbildung zu beginnen. "Wir waren sehr glücklich mit ihm, er kam gut bei den Kunden an", blickt Daniel Schwefel zurück. "Er sprach bereits gut deutsch und wir hätten ihm auch den Logopäden bezahlt, damit seine Aussprache noch besser wird."

Doch die Liebe habe ihn nach Schweden verschlagen. "Die beiden hatten sich seit der Flucht nicht mehr gesehen, aber er durfte jetzt um die Hand der jungen Frau anhalten", erzählt der 42-Jährige, der noch immer in Kontakt zu seinem Schützling steht. Und vielleicht sehe man sich ja doch in Wriezen wieder, meint Daniel Schwefel, der einer jungen Frau auch schon mal einen Blankoarbeitsvertrag mitgegeben hat, als diese zu einem der besten Kollegen in Deutschland wechselte.

13 Mitarbeiter hat sein Unternehmen, darunter zwei Auszubildende im dritten Lehrjahr. Eine Kollegin interessiere sich auch für die Meisterausbildung. "Das werden wir natürlich unterstützen", sagt Schwefel, der sich um den Altersdurchschnitt keine Sorgen macht. "Bis auf eine Mitarbeiterin sind alle jünger als ich." Fast alle hätten bei ihm die Ausbildung absolviert.

Die Schnupperlehre sei eine gute Möglichkeit für beide Seiten, sich gegenseitig zu testen. "Wir möchten, dass sie schon vor der Lehre Fuß fassen und damit letztlich auch eine Kündigung während der Probezeit verhindern", erläutert Daniel Schwefel. Gestellt werde auch das Werkzeug. "Das Lehrlingsgeld soll Lehrlingsgeld bleiben", sagt er und verweist darauf, übertariflich zu zahlen. "Wir wollen die richtigen Lehrlinge und den jungen Leuten gegenüber auch unsere Wertschätzung zeigen." Schließlich stünden manche Eltern der Berufswahl ihrer Sprößlinge anfangs sehr skeptisch gegenüber. Friseur zu sein, bedeute jedoch mehr als nur schneiden und fönen. "Der Friseur ist auch ein Psychologe, Kommunikations-Ass, Gesundheitspfleger, der in Japan sogar den Status eines Arztes hat", zählt Daniel Schwefel auf.

Bezahlt würden deshalb auch die Schnupperlehrlinge - nach Mindestlohn 8,85 Euro pro Stunde. Bei vier Sonnabenden à fünf Stunden kämen da mehr als 170 Euro im Monat zusammen, rechnet der Friseurmeister vor, der einen Salon sowohl in Wriezen als auch Neutrebbin betreibt. Vor zehn Jahren hat er das Geschäft von seinem Vater übernommen. Die Familientradition reicht mehr als 220 Jahre zurück. "Ich als Arbeitgeber muss heute auch eine Marke sein, dafür sorgen, dass es meinen Angestellten gut geht." Bei ihm gebe es deshalb unter anderem Gesundheitsgutscheine und dienstags Obst für die Kollegen. Das wirke nicht nur der Fluktuation entgegen. "Nur lächelnd können wir Kunden glücklich machen."

Je nachdem, wo die Schnupperlehrlinge wohnen, würden diese eingesetzt. Jennifer Schulz kommt per Zug aus Bad Freienwalde. Es ist der zweite Tag für die Zehntklässlerin, die in einem Salon in der Kurstadt bereits ein Schülerpraktikum absolviert hat. So ist ihr vieles bereits vertraut, fegt sie wie selbstverständlich Haare beiseite, räumt gebrauchte Handtücher weg, wäscht Farbschalen aus, macht und bringt Kaffee. Fürs Foto geht es an einen Übungskopf. "Das gehört zur Schnupperlehre sonst aber auch dazu", erklärt Daniel Schwefel und lobt kurz darauf die 16-Jährige für ihr Geschick. Wenn das so weiter geht, steht einer Lehre bei ihm wohl nichts im Weg.

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