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Grenzbasare bleiben weiter offen

Konsumverhalten
Polens Supermärkte erstmals sonntags zu

Für ihn bleibt alles beim Alten: Wlodzimierz Kaczoruk von der Intermarche-Tankstelle in Slubice muss auch an diesem Sonntag arbeiten. Der Supermarkt gleich hinter den Zapfsäulen bleibt aber zu.
Für ihn bleibt alles beim Alten: Wlodzimierz Kaczoruk von der Intermarche-Tankstelle in Slubice muss auch an diesem Sonntag arbeiten. Der Supermarkt gleich hinter den Zapfsäulen bleibt aber zu. © Foto: MOZ/Dietrich Schröder
Dietrich Schröder / 07.03.2018, 07:45 Uhr
Slubice (MOZ) Am Sonntag sollen die Familien mehr Zeit gemeinsam verbringen und in die Kirche statt zum Einkaufen gehen. Weil es die Regierungspartei Polens so wollte, sind ab dieser Woche sonntags nicht mehr alle Läden im Nachbarland geöffnet.

„Ach, das wird schön: Am Sonntag ausschlafen und dann mit der Familie zuerst schön frühstücken und später einen Ausflug machen.“ So wie Magdalena Kwiatkowska aus einem Modegeschäft in der Slubicer „Galeria Aura“ denken derzeit viele Verkäuferinnen in Polen. Denn an diesem Wochenende tritt das Gesetz in Kraft, laut dem die meisten Geschäfte des Nachbarlands künftig nur noch am ersten und letzten Sonntag des Monats geöffnet haben.

Allerdings hat sich die Kette, zu der Kwiatkowskas Geschäft gehört, schon etwas einfallen lassen. „Wir bieten unseren Kunden in dieser Woche Kupons an, mit denen sie am Sonntag 20 Prozent billiger im Internet einkaufen können“, sagt sie.

In der „Galeria Prima“ gleich nebenan, die zu den begehrtesten Einkaufstempeln für deutsche Kunden im polnischen Grenzort Slubice gehört, wird am Sonntag nur ein einziger Laden geöffnet sein: Der, an dem die Blumenhändlerin Sylwia Zieniewicz bunte Sträuße verkauft.Denn das Gesetz, für das es in der Bevölkerung des Nachbarlandes beileibe nicht nur Zustimmung gab und um das lange gestritten wurde, sieht auch zahlreiche Ausnahmen vor: Blumen- und Zigarettenhändler dürfen genauso öffnen wie Tankstellen, Restaurants oder Läden an Bahnhöfen. Auch Einzelhändler, die ihre Läden selbst betreiben, dürfen eine Ausnahme beantragen.

„Davon profitieren wir Basarhändler“, freut sich Pawel Slawiak. Er ist der Chef der Händlervereinigung auf dem großen Grenzbasar von Slubice, auf dem es mehr als 400 Stände gibt. „Der Sonntag ist traditionell der Tag mit den meisten deutschen Kunden“, sagt er. Jetzt hofft man, dass durch die Schließung der Supermärkte noch mehr Deutsche auf die Märkte strömen.

Sorgen macht sich auch Slubices Bürgermeister Tomasz Ciszewicz: „Durch das Verbot werden die Steuereinnahmen unserer Stadt sinken“, befürchtet er. Der Lokalpolitiker hätte es besser gefunden, wenn es eine Volksabstimmung über das Gesetz gegeben hätte. Die Leitungen der großen Supermarktketten drohten bereits damit, dass durch die Umsatzverluste Hunderte Verkäuferinnen in Polen ihre Jobs verlieren könnten.

Die Regelung sieht zudem eine stufenweise Verschärfung vor. 2019 soll nur noch ein Sonntag im Monat verkaufsoffen sein, ein Jahr später nur noch sieben Sonntage im ganzen Jahr. Einen Vorgeschmack auf solche Zeiten gibt der diesjährige April. Zwar hat dieser Monat fünf Sonntage, doch weil gleich am ersten Ostern ist, dürfen die Supermärkte nur am 29. April öffnen.

„Das ist ja ganz schön kompliziert, da braucht man ja einen Computer“, stöhnt auch Frank Wenzel, ein Brandenburger aus Rangsdorf (Teltow-Fläming) als er die an einem Supermarkt ausgehängte Liste mit den offenen und geschlossenen Sonntagen studiert. „Ich bin bisher gern sonntags nach Polen gefahren, weil bei uns die Läden zu sind und zugleich die Autobahn nicht so mit Lkw verstopft ist“, berichtet er.

Wlodzmierz Kaczoruk von der Tankstelle Inermarché, die am Sonntag im Gegensatz zum Supermarkt gleich dahinter offen sein wird, macht sich auch seine Gedanken: „Es hätte gereicht, wenn beschlossen worden wäre, dass Verkäuferinnen Anspruch auf zwei freie Sonntage im Monat haben“, meint er.

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