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Oberarzt des Bernauer Immanuel-Klinikums weist auf Risiken und schwere Krankheitsverläufe hin

Grippewelle
Echte oder falsche Influenza

Andrea Linne / 07.03.2018, 22:12 Uhr
Bernau (MOZ) Termine werden abgesagt, Verwaltungen sind teils nicht mehr arbeitsfähig. Noch immer grassiert die Grippe. Oberarzt Dr. Udo Schwill, der im Immanuel-Klinikum Bernau die Abteilung Innere Medizin leitet, berichtet von seinen Erfahrungen im Niederbarnim.

"Die Grippewelle ist in Deutschland weiter in vollem Gange", schätzt der Internist und Experte für Lungenkrankheiten ein. Seit Weihnachten bis Ende Februar stiegen die Fälle weiter an. Der Fachmann unterscheidet Influenza B Viren, die am häufigsten nachgewiesen werden, gefolgt von Influenza A (H1N1)-Viren mit 22 Prozent und Influenza A (H3N2)-Viren mit drei Prozent Häufigkeit.

Das Influenza-Virus verursacht 60 bis 80 Prozent der grippeähnlichen Erkrankungen, betont Dr. Schwill. "In den restlichen Fällen sind andere Atemwegsviren die Übeltäter", zeigt die Erfahrung. "Für die Betroffenen fühlt es sich an wie Grippe, ist aber keine. Ein relativ hoher Anteil grippeähnlicher Erkrankungen wird von Adenoviren, RSV (respiratory syncytial virus) oder dem humanen Metapneumovirus verursacht", so der Pneumologe, Jahrgang '59.

Auf folgende Symptome sollten Betroffene achten: einen plötzlichen Erkrankungsbeginn mit Fieber über 37,8 Grad Celsius, Husten sowie Muskel- und/oder Kopfschmerzen. "Als Faustregel kann gelten: Ein Drittel erkrankt typisch, ein Drittel zeigt eine mildere Symptomatik und ein Drittel weist keine Symptomatik auf." So würde bei älteren Patienten oftmals kein Fieber auftreten. Auch könne die Grippe sehr mild verlaufen und nur zwei bis drei Tage dauern. Die Symptome könnten aber ein bis zwei Wochen anhalten, so Dr. Schwill. Er sieht entspannt auf die aktuelle Influenza-Hochphase. Es würden kaum Niederbarnimer in die Notaufnahme kommen. Der Internist schätzt ein: "Ein stationärer Aufenthalt ist auch generell nicht erforderlich, so lange die Patienten in einem guten Zustand sind und es kein Risiko durch Vorerkrankungen oder fehlende soziale Betreuung gibt." Allerdings weiß er auch um besondere Situationen. So könne Grippe kardiovaskuläre Erkrankungen, wie koronare Herzerkrankungen, Herzinsuffizienz aber auch pulmonale Vorerkrankungen wie Asthma oder COPD verschlechtern. "Auch mehren sich die Hinweise, das ein Herzinfarkt durch Grippe ausgelöst werden kann", berichtet der Oberarzt aus seinem Alltag. "Bei Infektionen mit Influenza B scheint das Risiko höher als bei Influenza A zu sein. Dabei ist der Herzinfarkt vermutlich Folge der körperlichen Belastung durch diese schwere Infektionserkrankung", so Dr. Udo Schwill.

Er rät, Kontakte zu Kindern, chronisch Kranken, Schwangeren und älteren Menschen als Grippekranker zu meiden. Erkrankte sollten in die Ärmel husten und nicht in die Hand. Auch gehöre häufiges Händewaschen zur persönlichen Hygiene. Einwegtaschentücher und regelmäßiges Lüsten empfiehlt der Arzt. Sich jetzt noch impfen zu lassen, sei im Einzelfall sinnvoll. "Allerdings halte ich es jetzt für zu spät", schätzt Dr. Schwill ein.

Er sieht ein großes Problem in der Impfmüdigkeit in ganz Europa. In Deutschland waren zuletzt nur 37 Prozent der Bevölkerung und bei Angestellten des Gesundheitswesen nur 26 Prozent geimpft. Der Internist sagt: "Dies ist auch ein Grund für die hohe Zahl an Erkrankungen. Die WHO gibt jetzt bereits Empfehlungen für 2018/2019 heraus."

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